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Schwacher Euro: Was bedeutet das für Privatanleger?

Der Euro ist so schwach wie lange nicht mehr. Es ist noch gar nicht allzu lange her, da konnten deutsche Urlauber in den USA sehr günstig einkaufen. Dies hat sich nun infolge von Rezessionsängsten und Ukraine-Krieg geändert. Aktuell laufen wir auf eine Parität von Euro und US-Dollar hin. Was bedeutet das für uns Privatanleger?

Der Euro im Verhältnis zum US-Dollar

Derzeit erhält man für einen Euro rund 1,055 US-Dollar. Dies entspricht einem Rückgang um fast 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damals war ein Euro noch etwa 1,22 US-Dollar wert.

Seit Einführung des Euros ist dessen Wert im Verhältnis zum US-Dollar stark geschwankt. Zu Hochzeiten bekam man für einen Euro im Jahr 2008 sogar 1,6 USD. Der Kurs lag aber auch schon einmal bei 0,82 USD im Jahr 2001.

Schwacher Euro
Quelle: onvista.de

Das sind die Gründe

Der aktuell schwache Euro lässt sich im Wesentlichen auf die folgenden Gründe zurückführen:

Geldpolitik

Während die US-Notenbank bereits mit Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation begonnen hat, hält sich die EZB bislang mit Zinserhöhungen zurück. Aufgrund des insgesamt höheren Zinsniveaus in den USA legen Investoren ihre Gelder verstärkt in den USA an. Dies führt zu einem Mittelabfluss im Euroraum, was seinerseits auf den Wert des Euros drückt.

Auch wenn die EZB wohl nicht mehr allzu lang an ihrer Nullzinspolitik festhalten kann, dürften etwaige Zinserhöhungen im Euroraum eher moderat ausfallen. Die EU-Staaten waren bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie stark verschuldet und staatliche Rettungs- und Unterstützungspakete haben die Situation noch verschärft.

Ukraine-Krieg

Europa ist aufgrund der Nähe zur Ukraine viel stärker vom Krieg betroffen als die USA. Die Angst, dass sich der Krieg auf das restliche Europa ausweiten könnte, ist nicht unbegründet. Doch selbst wenn dieses Horrorszenario nicht eintritt (das hoffen wir alle), ist die EU aufgrund ihrer starken wirtschaftlichen Verflechtung mit Russland (z.B. bei Öl und Gas) deutlich stärker beeinträchtigt als die USA.

Dollar gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten

Viele Anleger fürchten, dass aufgrund der Sanktionen gegen Russland die Wachstumsaussichten in Europa beeinträchtigt werden. Der US-Dollar gilt seit jeher als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Es ist die liquideste Währung der Welt. Auch wenn es Stimmen gibt, die die zunehmende Verschuldung der USA als Bedrohung für die Weltwährung ansehen, ist das Vertrauen der Anleger in den US-Dollar weiterhin höher als in den Euro.

Welche Branchen sind besonders stark betroffen?

Ein schwacher Euro verteuert Reisen in Länder, in denen mit US-Dollar gezahlt wird. Denn aktuell müssen Urlauber deutlich mehr für Flug, Unterkunft und Verpflegung bezahlen. Auch wenn die Menschen nach 2 Jahren Corona wieder viel mehr Lust auf Reisen haben, könnte ein lang anhaltender schwacher Euro die Reisebranche erneut stark belasten.

Das gleiche gilt für Unternehmen, die viele Rohstoffe für ihre Produktion benötigen. Öl, Gas und andere Rohstoffe werden oftmals in US-Dollar verrechnet. Daher müssen Unternehmen mit höheren Kosten rechnen. Besonders davon betroffen sind beispielsweise Unternehmen aus der Chemie-Industrie, wie BASF.

Folgen für Privatanleger

Ein schwacher Euro bietet Vor- und Nachteil für Privatanleger. Im Fall von Aktien muss zwischen US- und Nicht-US-Aktien unterschieden werden.

US-Aktien

Ein schwacher Euro und ein starker US-Dollar führt dazu, dass europäische Anleger US-Aktien aktuell teurer einkaufen. Denn wir bezahlen die Aktien in Euro. Gehandelt werden sie allerdings in US-Dollar.

Die aktuellen Kursverluste bei US-Aktienpositionen sind hingegen bei Euro-Investoren aufgrund der Wechselkursthematik geringer, Kursgewinne entsprechend höher. Der Blick ins Depot ist in diesen Krisenzeiten schon schlimm genug. US-Anlegern tut er aufgrund des starken US-Dollars derzeit noch viel stärker weh.

Ein weiterer positiver Effekt betrifft die Dividende. Denn US-Dollar Dividenden, die europäische Anleger erhalten, sind derzeit ebenfalls höher, da sie in US-Dollar gezahlt und anschließend in Euro umgerechnet werden.

Deutsche und europäische Aktien

Von einem schwachen Euro profitieren vor allem Unternehmen, die auf dem Weltmarkt aktiv sind und vom Export aus der Euro-Zone heraus leben. Denn diese Unternehmen begleichen ihre Rechnungen und Gehälter regelmäßig in Euro, ihre Waren werden hingegen in US-Dollar abgerechnet. Damit „vergünstigen“ sich die Lohnkosten und die Produkte werden günstiger, während die Umsätze und Gewinne „steigen“.

Gerade Unternehmen aus dem DAX könnten somit vom schwachen Euro profitieren. Klassische Beispiele aus Deutschland sind natürlich die Automobilhersteller, aber auch Adidas, Airbus oder Siemens.

Auch im europäischen Ausland finden sich viele potentielle Profiteure. Beispielhaft sind hier LVMH, ASML oder Nestlé zu nennen.

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Sollte man nun seine Investment Strategie aufgrund des schwachen Euros umstellen?

Auch wenn der Wechselkurs von Euro und US-Dollar Auswirkungen auf Aktien-Investments hat, würde ich selbst nicht von meiner Investment-Strategie abweichen. Niemand kann vorhersagen, wann sich das Verhältnis von Euro zu US-Dollar wieder umkehren wird.

Hinzu kommt die Tatsache, dass exportorientierte europäische Firmen aktuell mit vielen anderen Problemen zu kämpfen haben (Stichwort: Lieferengpässe) und der schwache Euro nur ein Thema unter vielen ist. Unternehmen wie Volkswagen sind global aufgestellt und produzieren zu großen Teilen im Ausland.

Ich persönlich würde derzeit nur über die Investition von höheren Einmalbeträgen in US-Unternehmen nachdenken. Denn hier bezahlen Anleger aktuell einen Aufpreis. Meine Sparpläne lasse ich aber ganz normal weiter laufen.

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg beim Investieren. Bleib gesund und viele Grüße

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