Bayer-Aktienanalyse: Gelingt 2022 der Turnaround? Nun auch als Podcast
Bayer-Aktienanalyse: Gelingt 2022 der Turnaround? Nun auch als Podcast

Bayer-Aktienanalyse: Gelingt 2022 der Turnaround? Nun auch als Podcast

Bayer kennt man nicht nur als Sponsor vom Fußball Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen. Wer den Namen Bayer hört, denkt sofort an Aspirin, das auf der WHO-Liste der unersetzlichen Arzneimittel steht. Doch Bayer ist viel mehr als das: Es ist eines der weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen Agrarwirtschaft und Gesundheit. In jüngster Vergangenheit ist das Unternehmen durch die Übernahme des umstrittenen US-Saatgutherstellers Monsanto in die Schlagzeilen gekommen. Der Aktienkurs hat seither gut 50% seines Wertes eingebüßt. Nun zeichnet sich eine Einigung bei den Produkthaftungsklagen ab. Gelingt der Aktie nun der Turnaround? Unsere Meinung liest du in dieser Bayer-Aktienanalyse.

Bayer Aktie und Aktienanalyse

NEU: Die Bayer Aktienanalyse als Podcast

Viele Leser des Aktienliebe Blogs haben uns geschrieben und gefragt, ob wir die Aktienanalysen nicht auch als Podcast anbieten können. Wir haben diesen Wunsch aufgegriffen und werden euch nun testweise einige Folgen bereitstellen. Heute beginnen wir mit der Bayer Aktienanalyse. Wir sind sehr gespannt, wie dieses neue Format bei euch ankommt.

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Folge 1 Bayer-Aktienanalyse: Gelingt 2022 der Turnaround? Aktienliebe

Die Bayer-Aktie im Überblick

Die Bayer AG ist ein Traditionsunternehmen mit Sitz in Leverkusen. Der Chemie- und Pharmakonzern zählt zu den größten Unternehmen in Deutschland und beschäftigt rund 100.000 Mitarbeiter weltweit.

In der Bayer-Aktienanalyse schaue ich mir das Geschäftsmodell, die Chancen und Risiken sowie die Bewertung der Bayer-Aktie an. Beginnen möchte ich aber zunächst mit einem kurzen Überblick zu den wesentlichen Kennzahlen und dem Kursverlauf der Bayer-Aktie:

Kennzahlen

NameBayer Aktiengesellschaft
SymbolBAYN
SektorGesundheit
Kurs in EUR57,89
Börsenwert in Mrd. EUR56,99
KGV 2022 / 202312 / 11
KUV 2022 / 20231,2 / 1,2
Dividendenrendite3,73%
Free Cashflow Rendite4,83%
Aktienliebe Score67,83%

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat bis zum Jahr 2015 richtig Freude gemacht. Allerdings ging es danach stetig bergab. Die Übernahme von Monsanto sollte den Aktienkurs eigentlich weiter steigen lassen. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Heute sitzen die Aktionäre teilweise auf sehr hohen Kursverlusten.

Bayer Aktienanalyse
Quelle: aktien.guide

Was macht die Bayer AG?

Unternehmensgeschichte

Wie alles begann

Die Entdeckung der synthetischen Farbstoffe sorgte im 19. Jahrhundert für Gründerstimmung in der chemischen Industrie. Am 1. August 1863 rufen der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färbermeister Johann Friedrich Weskott ihren Farbstoffbetrieb „Fried. Bayer et Comp.“ ins Leben.

Dank des Aufbaus einer leistungsfähigen Forschung durch Carl Duisberg wird aus Bayer bald sehr viel mehr als nur ein Farbenproduzent. Mit einem Verfahren zur Herstellung von Crocein-Scharlach sowie anderer roter und gelber Farbstoffe stellt das Kaiserliche Patentamt in Berlin am 16. Mai 1882 die erste Patenturkunde für Bayer aus.

Zu den großen Meilensteinen der ersten Jahrzehnte zählt die Entdeckung der Jahrhundertmedizin Aspirin im Jahr 1899. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt dessen Wirkstoff Acetylsalicylsäure 1977 in ihre „Liste der unentbehrlichen Arzneimittel“ auf.

IG Farben

Schon vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten hatte Bayer seine Selbstständigkeit verloren, als das Unternehmen 1925 in der IG Farben aufgegangen war, zu der auch Hoechst, BASF und andere Firmen gehörten. Die Nationalsozialisten setzten die IG Farben später für ihre Kriegsmaschinerie und Gräueltaten ein. So war die IG Farben neben Degussa an dem Unternehmen Degesch beteiligt, dem Hersteller des Giftgases Zyklon B, mit dem die Nazis in den Vernichtungslagern Millionen von Menschen ermordeten.

Die Beschäftigung von Zwangsarbeitern gehörte in dieser Zeit zur Normalität. Laut Bayer waren es im IG-Werk Leverkusen im Herbst 1944 rund 4.300 Menschen. Ein großer Teil des Unternehmenswachstums habe sich während der Kriegsjahre ereignet und sei auf Kosten der Opfer des Nationssozialismus gegangen, schreibt der Historiker Peter Hayes über die IG Farben.

Nach dem 2. Weltkrieg beginnt eine neue Ära

Nach dem Krieg wurde der Riese zerschlagen und Bayer im Dezember 1951 neu gegründet. Der Konzern nahm Fahrt auf, baute sein Auslandsgeschäft kontinuierlich aus und entwickelte sich zu einem integrierten chemisch-pharmazeutischen Unternehmen.

2013 feiert Bayer weltweit seine Gründung vor 150 Jahren. Bayer übernimmt 2014 Algeta und stärkt damit sein Onkologie-Geschäft. 2015 wird der Teilkonzern MaterialScience unter dem neuen Namen Covestro eigenständig.

Die Monsanto Übernahme

Im Jahr 2018 wurde der US-Agrarchemiekonzern Monsanto übernommen. Der Kaufpreis lag bei 66 Milliarden USD (60 Milliarden Euro) und ist damit die bislang größte Übernahme durch einen deutschen Konzern im Ausland. Gleichzeitig wurde Bayer das weltweit führende Unternehmen im Agrarchemiegeschäft.

Am 10. August 2018 wurde Monsanto von einem kalifornischen Geschworenengericht verurteilt, einem Krebsopfer Schadenersatz von 289 Millionen USD zu zahlen. Zudem wurde bekannt, dass 5.000 ähnliche Klagen Krebsgeschädigter in den USA anstehen. Seither schweben die Glyphosat-Klagen wie ein Damoklesschwert über Bayer. Heute ist Bayer mit einem Börsenwert von 52 Mrd. EUR (inkl. Monsanto) weniger wert als man damals für den Kauf von Monsanto bezahlt hat.

Management

Wenn man auf die Investor Relations Seite von Bayer geht, sieht man dort zuerst den Slogan: „Werte schaffen für unsere Aktionäre“. Nun gut, dass ist dem Bayer Management in den letzten Jahren leider nicht gelungen. Ganz im Gegenteil. Wer die Aktie schon länger im Depot hat, musste herbe Kursverluste hinnehmen.

Vorstandsvorsitzender ist Werner Baumann. Er ist studierter Wirtschaftswissenschaftler und seit 1988 bei Bayer. Seit Januar 2010 ist er Mitglied des Bayer-Vorstands und verantwortete dort zunächst den Finanzbereich sowie später die Strategie und das Portfoliomanagement. Seit Mai 2016 ist Baumann Vorstandsvorsitzender.

Mit dem Kauf von Monsanto wollte Baumann den deutschen Traditionskonzern in eine neue Ära führen. Im Nachhinein muss man sich aber fragen, wie eine solche Fehleinschätzungen erfolgen konnte. Die Stärkung des Saatgut- und Düngemittelgeschäftes war sicherlich aus unternehmerischer Sicht sinnvoll (dazu später mehr). Allerdings kann vom Vorstand aber durchaus verlangt werden, eine angemessene Risikoeinschätzung vorzunehmen.

Heute steht der einst wertvollste Dax-Konzern schlechter da als vor der Übernahme. Der Börsenwert hat sich binnen fünf Jahren halbiert. Der Vertrag von Baumann als CEO läuft noch bis zum 30.04.2024. Allerdings könnte er bereits vorher abgelöst werden. Dies wird davon abhängen, wie es mit den Glyphosat-Entscheidungen in den USA weitergeht. So könnte der heutige Finanzchef Wolfgang Nickl übernehmen. Eine Ablösung Baumanns wäre sicherlich ein Katalysator für den Aktienkurs.

Branchenanalyse

Pharmamarkt

Die Pharmabranche ist äußerst kapitalintensiv. Die Entwicklung, Zulassung und Vermarktung neuer Medikamente dauert mitunter viele Jahre. Vom Beginn der Forschung bis zur Marktreife entstehen für die Unternehmen sehr hohe Kosten. Neben Bayer gibt es viele andere Big Player. Für neue Wettbewerber dürfte es aufgrund des enormen Kapitalbedarfs eher schwierig werden, in den Markt einzudringen. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund staatlicher Regulierungen, die für die Zulassung neuer Arzneimittel gelten.

Bayer ist nach unserer Meinung gut im Markt positioniert. Man verfügt aufgrund der langjährigen Tätigkeit in diesem Bereich über viel Erfahrung sowie zahlreiche Patente. Diese sichern zumindest für einen langen Zeitraum die Gewinnmargen und schützen Bayer vor Nachahmern, d.h. anderen Unternehmen, die Generika (das sind günstigere Kopien der Medikamente mit gleichem Wirkstoff) herstellen. Ist das Patent abgelaufen, drohen jedoch starke Einbußen bei den jeweiligen Medikamenten, da die Generikahersteller vergleichbare Medikamente zu deutlich reduzierten Preisen auf den Markt bringen. Das Beispiel Aspirin zeigt jedoch, dass es oftmals dennoch gelingt, im Zeitraum der Patentgültigkeit eine sehr starke Markenbindung und sehr viel Vertrauen bei den Kunden aufzubauen, so dass diese auch weiterhin zu den teureren Originalmedikamenten greifen.

Hohe Konkurrenz besteht auch unter den Pharmaunternehmen. Diese forschen teilweise parallel an vergleichbaren Produkten (ganz aktuell haben wir das bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes gesehen). Glücklich können diejenigen Unternehmen sein, die den Wettlauf gegen die Zeit gewinnen und als Erstens die Zulassung bzw. das Patente für das neue Medikament erhalten. Wer hier zu spät kommt, bleibt oftmals auf den bis dahin angefallenen sehr hohen Kosten sitzen.

Nichtsdestotrotz sorgt die steigende Weltbevölkerung dafür, dass der Markt für Medizinprodukte immer weiter wächst. In Deutschland liegt das Wachstum im Pharmabereich bei rund 7% pro Jahr. Gerade gut positionierte Unternehmen wie Bayer können daher weiterhin auf viele Jahre des Wachstums hoffen.

Agrochemie

Um als Pharmaunternehmen dauerhaft erfolgreich zu sein und gegen die Konkurrenz zu bestehen ist es also erforderlich, ständig neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Um sich breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom Pharmageschäft zu verringern, war der Kauf von Monsanto zur Stärkung des Saatgut- und Düngemittelgeschäftes sinnvoll. Denn damit wurde man zum größten Player im Markt. Die größten Konkurrenten sind die Schweizer Syngenta AG, BASF sowie Corteva Agriscience, das 2019 aus der Aufspaltung von DowDuPont hervorging.

Der Markt für Agrochemikalien soll nach Schätzungen um 4-5% pro Jahr wachsen. Das Wachstum wird durch die steigende Bevölkerungszahl sowie steigenden Wohlstand, der zu einer Veränderung des Konsumverhalten führt, getrieben. Schrumpfende Ackerflächen und Ernteverluste – beispielsweise durch Schädlingsbefall – stellen die Landwirtschaft vor Herausforderungen. Agrochemikalien sind für die Landwirtschaft damit besonders wichtig.

Zu den agrochemischen Produkten gehören Insektizide, Düngemittel, Herbizide, Fungizide und weitere Chemikalien wie Bio-Pestizide, Wachstumsregulatoren und Rodentizide. Auch Saatgut spielt hier eine zentrale Rolle.

Wir gehen davon aus, dass dieser Markt infolge des Ukraine-Krieges in den kommenden Jahren noch stärker als die prognostizierten 4-5% wachsen wird. Die Ukraine wird als Kornkammer Europas bezeichnet. Und auch Russland produziert landwirtschaftliche Produkte in großem Maß. Beide Länder werden ihre Exporte sicherlich nicht mehr in gewohntem Umfang durchführen können. Damit werden Saatgut- und Düngemittel noch wichtiger.

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Das Geschäftsmodell im Detail

Bayer ist in drei Sparten tätig

Bayer ist weltweit mit 307 Gesellschaften auf 6 Kontinenten vertreten und beschäftigt 116.800 Mitarbeiter. Der Konzern hat sich kürzlich einem großen Konzernumbau unterzogen, um einem reinen Life-Science Unternehmen näher zu kommen. Die Struktur des Konzerns beruht dabei auf einem Drei-Säulen-Modell:

  • Pharma,
  • Consumer Health und
  • Agrar/Pflanzenschutz.

Mit der jeweiligen Eigenständigkeit der Geschäftsfelder und eigener Forschung hat Bayer selbstständige, in sich geschlossene Teilkonzerne unter der Dachmarke Bayer gegliedert.

Division Pharmaceuticals

Die Division Pharmaceuticals konzentriert sich größtenteils auf die Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von Spezial-Medikamenten. Diese kommen bei verschiedenen Therapiegebieten, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Onkologie, Gynäkologie, Hämatologie und Augenheilkunde zum Einsatz.

Bestes Beispiel dafür sind die Medizingeräte zur Erstellung von Bildern mit Kontrastmittelunterstützung. Ziel ist den wachsenden Anforderungen der Medizin gerecht zu werden und dem Patienten einen therapeutischen und heilenden Nutzen zu verschaffen.

Kassenschlager im Pharmageschäft ist das Medikament Xarelto. Das Patent dafür läuft noch bis 2024 und sichert Bayer damit einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro (2020). Dies sind immerhin rund elf Prozent der Konzernerlöse. Xarelto wird zur Vorbeugung von Blutgerinnseln eingesetzt. Damit kommt es bei der Verhinderung von Schlaganfällen und Thrombosen zum Einsatz. Mit dem Patent ist Bayer noch einige Jahre davor geschützt, dass Generika-Hersteller Nachahmprodukte auf den Markt bringen.

Das zweitwichtigste Medikament ist Eylea, das zur Behandlung von Augenkrankheiten eingesetzt wird. Hiermit erwirtschaftet Bayer rund 2,5 Milliarden Euro (2020). Hierfür läuft der Patentschutz in 2025 ab.

Aus diesem Grund forscht Bayer stark an neuen Medikamenten. Nach dem Auslauf des Patentschutzes wird es sicherlich zu einem Rückgang der Nachfrage kommen, wenn dann neue Konkurrenz- und Nachahmerprodukte auf den Markt gebracht werden.

Vielversprechend sind das Nierenmedikament Kerendia sowie Nubeqa, das gegen Prostatakrebs helfen soll. Letzteres könnte ein neues Blockbustermedikament werden, das Umsätze von mehr als drei Milliarden Euro pro Jahr einbringen soll.

Division Consumer Health

Die Division Consumer Health fokussiert sich überwiegend auf verschreibungsfreie Produkte. Immer mehr Menschen benutzen frei verfügbare Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel um Krankheiten vorzubeugen oder sich ausgewogener zu ernähren. Bayer bietet hier ein breites Portfolio an rezeptfreien Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln, die ein selbstständiges Gesundheitsmanagement ermöglichen.

So produziert Bayer beispielsweise Produkte gegen Allergien, Schmerzmitteln oder Erkältungspräparate. Zu den bekannten Marken zählen Aspirin, Bepanthen, Canesten, Iberogast oder Rennie.

Division Crop Science

Die Division Crop Science ist die Pflanzenschutzsparte. Sie umfasst den chemischen Pflanzenschutz und bietet eine breite Produktpallette an Saatgut, diversen Schädlingsbekämpfungsmitteln sowie Lösungen im Bereich Biotechnologie und Pflanzenzucht.

Zu dieser Sparte gehört auch die Geschäftseinheit Animal Health. Diese bietet Produkte an, die dazu da sind, Krankheiten bei Haus- und Nutztieren zu behandeln und vorzubeugen sowie Schädlinge und Erkrankungen zu bekämpfen.

Bayer forscht an neuen Agrarprodukten, die mittelfristig für weiteres Wachstum sorgen sollen. So wurde beispielsweise kurzwüchsiger Mais, der weniger windanfällig ist oder Sojabohnen mit hoher Toleranz gegenüber Unkrautvernichtern entwickelt.

Umsatzverteilung

Auf der folgenden Grafik seht ihr, dass der Geschäftsbereich Crop Science nunmehr der wichtigste Bereich für Bayer geworden ist, wenn man auf den Umsatz schaut. 46% des Gesamtumsatzes werden hier erwirtschaftet.

42% stammen aus dem Pharmaceuticals-Geschäft, also aus dem Verkauf der Spezialmedikamente. Der Consumer Health Bereich macht nur 12% des Umsatzes aus.

Bayer Aktienanalyse
Umsatz nach Geschäftsbereich 2020, eigene Darstellung

Schaut man sich die regionale Verteilung der Umsätze an, überrascht zunächst einmal die Tatsache, dass nur 6% des Umsatzes aus Deutschland stammen. Bayer ist zwar ein deutsches Traditionsunternehmen, allerdings weltweit tätig. Wichtigster Markt sind die USA, die für 31% des Umsatzes stehen.

Bayer Aktienanalyse
Umsatz nach Region 2020, eigene Darstellung

Glyphosat Klagen

Ich hatte es bereits angesprochen: Bayer sieht sich mit zahlreichen Klagen konfrontiert. Es geht u.a. um das glyphosathaltige Roundup. Kläger fordern Schadensersatz in Milliardenhöhe. Sie tragen vor, dass Roundup bei ihnen zu Gesundheitsschäden geführt hat. Monsanto (nun Bayer) hätte die mit solchen Produkten angeblich verbundenen Risiken gekannt und habe die Nutzer vor diesen Risiken nicht angemessen gewarnt.

2022 könnte allerdings Bewegung in das Thema kommen. Denn das oberste US-Gericht prüft gerade, ob es einen wegweisenden Fall zur Überprüfung annehmen möchte. Mit einer Entscheidung dazu wird bis Ende Juni gerechnet. Sofern es tatsächlich zu einer Verhandlung vor dem obersten US-Gericht kommt, hätte ein Urteil sicherlich große Signalwirkung. Wird zugunsten von Bayer entschieden, könnte die Aktie endlich durchstarten.

SWOT-Analyse

Stärken

Big Player im Pharmageschäft: Bayer ist ein etabliertes Unternehmen im Pharmageschäft. Man hat in der Vergangenheit unzählige Medikamente zur Marktreife gebracht und verfügt aktuell mit Xarelto und Eylea über weltbekannte Blockbuster. Aufgrund der Größe und Erfahrung hat man eine starke Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten sowie Krankenkassen.

Bekannte Marken: Auch wenn der Patentschutz für viele Produkte bereits abgelaufen ist, verdient Bayer noch immer ordentlich Cash mit Marken wie beispielsweise Aspirin. Diese starken Marken stellen einen Burggraben für Bayer dar, der Kunden bei diesen Produkten immer wieder zugreifen lässt.

Schwächen 

Angeschlagenes Management: Die Übernahme von Monsanto war alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Das Management hat damit das Vertrauen der Anleger verloren. Der aktuelle CEO steht einer Kursrallye bei der Aktie eher im Weg.

Chancen 

Aktuell sehr günstige Bewertung: Aufgrund der Glyphosat-Klagen ist der Aktienkurs ordentlich unter die Räder gekommen. Bayer musste für Schadensersatzansprüche Rückstellungen in Milliardenhöhe bilden. Sollten die Klagen gelöst werden und die Schadensersatzansprüche zumindest nicht höher ausfallen als von Bayer erwartet, könnte der Aktienkurs quasi über Nacht deutlich steigen.

Aufspaltung: Es gibt Gerüchte, dass einzelne Geschäftsbereiche in Zukunft eigenständig an die Börse gebracht werden könnten. Die Börse mag so etwas grundsätzlich, da oftmals damit Werte für die Aktionäre gehoben werden (die Summe der Einzelteile ist mehr wert als alle Teile unter einem Dach).

Profiteur verschiedener Megatrends: Die Sicherung der Ernährung einer wachsenden Bevölkerung wird immer wichtiger. Damit spielen effizientes Saatgut sowie Düngemittel eine zentrale Rolle. Steigende Preise, verstärkt durch den Krieg in der Ukraine, spielen Bayer in die Karten. Man ist sehr gut im Markt positioniert und sollte damit stark profitieren. Die wachsende und zunehmend alternde Bevölkerung sorgt auch für eine weiter steigende Nachfrage nach Gesundheitsprodukten. Auch hier kann Bayer sicherlich weiter wachsen. In der Branchenanalyse haben wir bereits erläutert, dass die Märkte, in denen Bayer aktiv ist, mit 4-7% p.a. wachsen werden. Wenn es Bayer gelingt, nur mit dem Markt zu wachsen, dann sind die Aussichten angesichts der günstigen Bewertung sehr gut.

Risiken 

Klagen ohne Ende: Bayer kämpft noch immer mit den Spätfolgen des Monsanto-Deals. Da sind zum einen die vielen Tausend Klagen wegen gesundheitlicher Schäden durch den Unkrautvernichter Glyphosat. Deren Kosten sind weiterhin kaum abzuschätzen. In den Vereinigten Staaten sind mittlerweile unzählige Klagen von Privatleuten wegen Glyphosat anhängig. Bayer strebt hier einen Vergleich an. Dieser würde es auch Investoren ermöglichen, die voraussichtlichen finanziellen Belastungen einigermaßen abzuschätzen. In die Pleite treiben, so viel entnehmen die Beobachter den Entwicklungen in den USA inzwischen, wollen auch die Gerichte in den USA den Bayer-Konzern nicht.

Schuldensituation: Über die Kosten der Rechtsstreitigkeiten hinaus belastet Bayer aber auch ein gewaltiger Schuldenberg. Die Nettoverschuldung liegt bei mehr als dem 4-fachen bereinigten EBIT (operativen Gewinn). Allein die Bedienung dieser Schulden ist für Bayer mit großen finanziellen Belastungen verbunden. Schadenersatzzahlungen wegen Glyphosat dürften damit die Finanzsituation noch verschärfen. Angesichts der angekündigten Zinserhöhungen der Notenbanken wird Bayer in Zukunft höhere Zinsen für das Fremdkapital zahlen müssen. Dies geht zulasten der Gewinne.

Rechtsstreitigkeiten im Pharmageschäft: Wer medizinische Produkte verkauft, muss immer mit Klagen rechnen. Medikamente entfalten oftmals Nebenwirkungen, die teilweise auch erst Jahrzehnte später offensichtlich werden.


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Fundamentale Analyse

Kommen wir nun zum nächsten Abschnitt der Bayer-Aktienanalyse. Hier prüfen wir, ob die Bayer-Aktie aufgrund der Kennzahlen aktuell ein Kauf sein könnte.

Aktienliebe Scorecard

Mit der Aktienliebe Scorecard messen wir die Qualität der Kennzahlen sowie die aktuelle Bewertung. Beides ist gleichgewichtet und soll mit einer Kennzahl eine Indikation dazu geben, ob die Aktie aktuell kaufenswert ist oder nicht. Üblicherweise finden wir besonders diejenigen Unternehmen interessant, die mindestens 80% oder mehr in der Scorecard erreichen.

Bayer Aktienanalyse

Die Bayer AG erreicht nur 68%, Punkte gehen vor allem aufgrund des eher langsamen Wachstums sowie der relativ hohen Verschuldung verloren. Aber schauen wir uns die vier Kategorien der Scorecard nochmals genauer an.

Wachstum

Bayer veröffentlicht alternative Leistungskennzahlen, u.a. für den operativen Gewinn (EBIT). Das EBIT vor Sondereinflüssen soll die Entwicklung des operativen Ergebnisses ohne Sondereinflüsse aufzeigen. Hierzu zählen u. a. Akquisitionskosten, Desinvestitionen, Rechtsfälle, Restrukturierungen, Integrationskosten, Wertminderungen oder Wertaufholungen. Derartige Sondereffekte werden dann bei der Berechnung des EBITs vor Sondereinflüssen ausgeklammert.

Normalerweise beachte ich solche Anpassungen nicht bei meinen Analysen, da sich Unternehmen oftmals damit schönrechnen. Bei Bayer halte ich die Ausklammerung der Sondereffekte allerdings für sinnvoll. In der Aktienliebe Scorecard habe ich mich bewusst dafür entschieden, vom operativen Gewinn abzusehen, da mir diese Kennzahl zeigt, wie es um das Geschäft des Unternehmens bestellt ist. Der Gewinn bei Bayer ist allerdings aufgrund der hohen Zuführung zu den Rückstellungen aufgrund der Glyphosat-Klagen verzerrt. Denn ohne diese ist das Geschäft deutlich profitabler. Ich beziehe ich mich daher auf den EBIT vor Sondereinflüssen.

In den letzten 5 Jahren war der Umsatz leicht rückläufig. Und auch der Gewinn ist kaum gewachsen. Dies soll sich nach den Schätzungen der Analysten in den kommenden drei Jahren ändern. Sie gehen von einem durchschnittlichen Wachstum von 4-8% p.a. aus. Dies entspricht in etwa dem erwarteten Marktwachstum.

Bayer Aktienanalyse

Risiko

Der Zukauf von Monsanto war die bislang größte Übernahme durch einen deutschen Konzern. Der Kaufpreis lag bei 66 Milliarden US-Dollar (60 Milliarden Euro). Bayer wurde damit zur weltweiten Nummer eins im Agrochemie-Geschäft. Um die Übernahme stemmen zu können musste viel Fremdkapital aufgenommen werden. Damit erklärt sich die stark erhöhte Verschuldung. Diese liegt oberhalb des vierfachen Jahresgewinns. Daher gibt es hier großen Punktabzug.

Positiv hervorzuheben sind die Kontinuität sowie die Stabilität der Gewinne des Kerngeschäfts. Schaut man auf den Nettogewinn, so verblieb im letzten Jahr zwar unter dem Strich ein Verlust. Dies hängt aber mit den Sondereffekten aufgrund der Glyphosat-Klagen zusammen. Im Kerngeschäft ist Bayer sehr konstant.

Profitabilität

Die Eigenkapitalrendite (also die Verzinsung des Kapitals der Aktionäre) im Dreijahresschnitt ist aufgrund des mit Verlust abgeschlossenen Jahres 2020 im negativen Bereich. Daher gibt es auch hier Abzug. Die EBIT Marge ist mit 18% sehr schön und zeigt, dass Bayer sehr profitabel arbeitet.

Bewertung

Schauen wir nun auf die Bewertung der Bayer-Aktie. Im Rahmen meiner Scorecard fließt diese zu 50% in den Gesamtscore mit ein. Hierfür wird ein einfaches DCF Modell genutzt. Um ein gutes Bild zur Bewertung zu erhalten, schaue ich aber später noch auf andere Verfahren.

Dem einfachen DCF (Discounted Cashflow) Modell liegt die Annahme zugrunde, dass der Unternehmenswert der Summe sämtlicher zukünftiger Gewinne entsprechen muss. Da ein Euro Gewinn in der Zukunft aufgrund der Inflation oder Opportunitätskosten weniger wert ist als ein Euro heute, werden die geschätzten zukünftigen Gewinne auf den heutigen Stichtag abgezinst (also diskontiert = discounted).

Ausgangspunkt ist das von Analysten erwartete Nettoergebnis für 2024. Ich habe angenommen, dass dieses zunächst mit nur 3% weiter wächst und sich das Wachstum dann alle 5 Jahre um 25% reduziert. Das ist angesichts der erwarteten Wachstumsraten für den Markt eine sehr konservative Schätzung. Bei diesen Annahmen ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von 11,6%, was einen Bewertungsscore von 93% bedeutet (100% werden bei 12,5% Renditeerwartung erreicht). Sofern höhere Wachstumsraten zugrunde gelegt werden, erhöht sich die ohnehin schon attraktive Renditeerwartung. nochmals.

Bayer Aktienanalyse

Weitere Bewertungsverfahren

Historischer Vergleich

Werfen wir außerdem noch einen kurzen Blick auf die Bewertung im historischen 5-Jahresvergleich. Gemessen am KGV und KUV ist die Bayer Aktie aktuell sehr günstig bewertet.

Bayer Aktienanalyse

Analysten-Schätzungen

Werfen wir schließlich noch einen Blick auf die Kursziele der Bayer-Aktie, die von den Analysten ausgegeben werden. Hier wird die Aktie im Schnitt mit „Aufstocken“ empfohlen. Der Abstand zum durchschnittlichen Kursziel liegt aktuell bei 17,5%.

Durchschnittl. EmpfehlungAUFSTOCKEN
Anzahl Analysten24
Letzter Schlusskurs58,01 €
Mittleres Kursziel68,17 €
Abstand / Durchschnittliches Kursziel17,5%
Kursziel oberes Ende der Preisspanne122,62 €
Abstand / Höchstes Kursziel111%
Kursziel unteres Ende der Preisspanne25,96 €
Abstand / Niedrigstes Ziel-55,3%
Quelle: marketscreener.com

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Dividende

Bayer ist auch für Dividendeninvestoren sehr interessant. Infolge des jüngsten Kursrückgangs beträgt die Dividendenrendite derzeit fast 4%. Die Dividendenkennzahlen sind infolge des letzten Jahres verzerrt, da hier aufgrund der hohen Zuführungen zu den Glyphosat-Rückstellungen ein Verlust erwirtschaftet wurde. Insgesamt erzielt Bayer daher nur 3 von 10 möglichen Punkten im Dividendencheck.

Dividendenrendite > 2%3,73%
Div. Wachstum 5J > 10%-6,95%
Div. Wachstum 10J > 10%2,12%
Keine Senkung seit mind. 10J0
Steigert seit mind. 10J0
Payout Gewinn < 66%196,1%
Payout FCF < 66%138,9%
Stabilität mind. 90%0,89
Fair Value Dividende > Kurs65 EUR
Max. Quellensteuer < 16%0%

Fazit der Bayer-Aktienanalyse

Wer Bayer kauft sollte daran glauben, dass sich das leidige Glyphosat-Thema mittelfristig löst. Solange das Risiko von immer neuen und teuren Klagen über der Aktie schwebt, wird sich mit Ausnahme der Dividende wohl kaum Rendite einfahren lassen.

Wir denken, dass langsam Bewegung in das Thema kommt und finden, dass die Aktie daher auf dem aktuellen Niveau sehr interessant ist. Die Bewertung ist günstig, die Wachstumsaussichten gut. Hinzu kommt eine attraktive Dividende. Mutige Anleger können daher aus unserer Sicht anfangen, erste Positionen aufzubauen (keine Anlageberatung, nur unsere persönliche Meinung – Disclaimer beachten :-))

Wir hoffen, dir hat unsere Bayer Aktienanalyse gefallen. Wir freuen uns über deine Unterstützung! Vielen Dank vorab und dir weiterhin viel Erfolg beim Investieren!

Beste Grüße

Dein Aktienliebe-Team


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Disclaimer zur Bayer-Aktienanalyse

Wir haben die Bayer-Aktienanalyse nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder eine sonstige Beratung. Es handelt sich nicht um Steuerberatung. Es handelt sich lediglich um unsere persönliche Meinung.

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