Aktienanalyse Atoss Software AG

Home-Office, Kurzarbeit oder das Management flexibler Arbeitszeiten – nicht zuletzt durch Corona wurde Unternehmen nochmals bewusst, dass eine kluge Mitarbeitersteuerung und gute Personalplanung entscheidende Wettbewerbsvorteile sind. Die Atoss Software AG aus München hilft diesen Unternehmen dabei, ihre Mitarbeiter intelligent zu steuern und optimal einzusetzen. Hier liegt für die Unternehmen ein enormes Potential vor, stellen Personalkosten oftmals den größten Kostenblock dar. Der Aktienkurs von Atoss hat sich seit Ausbruch der Corona-Krise mehr als verdreifacht. Aber kann Atoss auch langfristig profitieren? Das schauen wir uns heute in der Atoss Aktienanalyse näher an.

Die Atoss Aktie im Überblick

  • Name: ATOSS Software AG
  • Symbol: AOF
  • Sektor: Technologie
  • Kurs in EUR: 188
  • Börsenwert in Mrd. EUR: 1,45
  • KGV 2021 / 2022: 109 / 99
  • Dividendenrendite: 0,91%
  • Free Cashflow Rendite 2021: 1,36%
  • Aktienliebe Score: 71,01%
Kursentwicklung der Atoss Aktie – Quelle: aktienfinder.net

Das Geschäftsmodell

Unternehmensgeschichte

Die Unternehmensgeschichte von Atoss beginnt im Jahr 1987. Gerade einmal fünf Mitarbeiter arbeiten in einem Hinterhofbüro an einer Standardsoftware für Arbeitszeitmanagement. Im Jahr 1991 konnte Atoss mit der Deutschen Bahn und der Bayer AG die ersten Großkunden gewinnen.

Im Jahr 2000 geht Atoss an die Börse. Seit dem 01. Juli 2021 ist ATOSS im SDAX gelistet.

Das Unternehmen wächst und baut stetig sein Produktangebot aus. Atoss wird im Zeitablauf immer mehr als nur ein Anbieter von Standardsoftware. Heute ist Atoss ein bekannter Player im Markt für Workforce Management. Mehr als 10.000 Kunden in 52 Ländern nutzen die Lösungen von Atoss.

Was macht Atoss?

Fachkräftemangel ist ein Wort, dass man auch trotz Corona immer häufiger hört. Unternehmen sind daher zunehmend gezwungen, die vorhandenen Personalkapazitäten intelligenter einzusetzen. Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, müssen sich Unternehmen jederzeit schnell und agil an sich ändernde Rahmenbedingungen anpassen können. Diejenigen Firmen, denen dies durch intelligente Personalplanung gelingt, haben einen großen Wettbewerbsvorteil, da sie höheren Output bei gleichzeitig geringeren Personalkosten erzielen.

Atoss hilft Unternehmen mit seinen Lösungen dabei, auf Bedarfsschwankungen zu reagieren und das Arbeitsaufkommen sowie die Arbeitszeiten zu jeder Zeit bestmöglich zu synchronisieren und kostenoptimiert zu disponieren. Intelligentes Arbeitszeitmanagement, bedarfsoptimierte Einsatzplanung und exakte Personalbedarfsermittlung vermeiden teure Überstunden oder Leerlaufzeiten. Der Abnehmerkreis ist groß, die Software ist branchenübergreifend einsetzbar:

  • Industrieunternehmen können mit der Software von Atoss volatile Auftragslagen steuern.
  • Handelsunternehmen können wechselnde Kundenfrequenzen managen.
  • Call Center koordinieren ihre Mitarbeiter anhand des Anrufvolumens.
  • Schwankendes Patientenaufkommen im Gesundheitswesen können gesteuert werden.
  • Saisonale Peaks in der Logistik können ausgeglichen werden.

Die Unternehmensgröße spielt keine Rolle, sowohl Startups als auch Großkonzerne sollen gleichermaßen von Atoss Workforce Management Lösungen profitieren können. Zu den Kunden gehören mitunter klanghafte Namen wie die Deutsche Bahn, RWE, Edeka, Shell oder die Lufthansa.

Atoss erzielt größtenteils Einnahmen aus Lizenzen für die Nutzung der Software sowie durch die entsprechende Wartung. Daneben ist Atoss noch im Beratungs- und Hardwaregeschäft tätig.

Gründer und CEO Andreas F. J. Obereder hält die Mehrheit der Anteile. Das ist die Art von gründergeführten Unternehmen, die ich so liebe – kann man in solchen Fällen doch grundsätzlich davon ausgehen, dass sich die strategischen Unternehmensentscheidungen immer eher an langfristigen Interessen orientieren.

Management

CEO ist Andreas F.J. Obereder. Er hat das Unternehmen im Jahr 1987 gegründet und aufgebaut. Er besitzt rund 3,9 Mio. Aktien der Atoss Software AG und hat damit ordentlich „Skin in the Game“. Das entspricht 50% der Anteile.

Umsatzverteilung

Atoss erwirtschaftet den Großteil seiner Umsätze mit der Software-Lösung Staff Efficiency Suite. Deutschland ist der Hauptmarkt von Atoss.

Die Atoss Staff Efficiency Suite unterstützt Unternehmen dabei, effizientere Personalprozesse einzuführen und dadurch mehr Transparenz zu erlangen. Die Lösung ist cloudbasiert und sichert Atoss Abo-Einnahmen. Unternehmen können sicherstellen, dass genau die richtigen Mitarbeiter zur richtigen Zeit vor Ort sind und die teuren Mitarbeiter effizient disponiert werden. Diese Lösung ist vor allem für große Unternehmen sowie Unternehmen mit sehr komplexen Personaleinsätzen gedacht. Die Atoss Time Control ist eher für kleinere und mittlere Unternehmen geeignet.

Strategie

Atoss investiert nach eigenenen Angaben jährlich 20 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Man möchte sicherstellen, bei der Software immer vorne mit dabei zu sein. Laut EU Industrial R&D Investment Scoreboard gehört Atoss zu den 100 investitionsstärksten Software-Unternehmen Europas.

Chancen und Risiken

Wie bei jeder Aktienanalyse schaue ich mir im Folgenden die Chancen und Risiken der Atoss Aktie an.

Chancen

  • Wachsender Bedarf der Unternehmen an Workforce Lösungen: Durch effiziente Personaleinsatzplanung können Unternehmen ihre teuren Personalkosten senken. Dieses Thema gewinnt zunehmend an Bedeutung.
  • Hohes Wachstum, hohe Profitabilität: Die Wachstumsaussichten für Atoss stimmen und liegen im zweistelligen Bereich. Zudem arbeitet das Unternehmen sehr profitabel (EBIT Marge > 25%). Wie bei vielen Software-Produkten besteht ein hohes Skalierungspotential: Die Software steht – werden neue Kunden gewonnen, fließen die Einnahmen fast vollständig in den Gewinn, muss man diesen „nur“ die Software bereitstellen. Hohe Kosten entstehen hierfür regelmäßig nicht.

Risiken

  • Marktrisiko: Atoss agiert in einem wettbewerbsintensiven Markt, der technologische Fortschritt ist rasant. Es könnten jederzeit neue Anbieter mit besseren und innovativeren Produkten auf den Markt kommen. Um diesem Risiko zu begegnen, investiert Atoss fortlaufend in seine Software bzw. Technologie. Von großem Vorteil hierbei ist es, dass Atoss nicht verschuldet ist und eine hohe Eigenkapitalausstattung besitzt.
  • Cybersicherheit: Ein großes Risiko droht bei erfolgreichen Cyberangriffen. So ist es zumindest denkbar, dass sensible interne Daten gestohlen werden oder das gesamte System lahmgelegt wird. Der Schaden wäre immens. Atoss ist sich dieses Risikos bewusst und gibt jährlich viel Geld für entsprechende Schutzmaßnahmen aus.
  • Personal: Fachkräfte im deutschen IT-Markt sind hart umworben. Sollten auf einen Schlag viele Mitarbeiter durch Konkurrenten abgeworben werden, könnte dies das Unternehmen hart treffen.
  • Bewertung: Mit einem 20er KGV von 64 liegt die Bewertung höher als im historischen Durchschnitt – die Aktie ist sicherlich derzeit kein Schnäppchen. Qualität hat jedoch seinen Preis. Hinzukommt ein angenommenes EBIT Wachstum von 18% p.a. in den kommenden drei Jahren.

Aktienliebe Score

Hier geht es wie immer um die konkreten Zahlen der Atoss Aktienanalyse. Die Atoss Aktie erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 71%. Das ist lediglich ein mittelmäßiger Score. Atoss fällt damit grundsätzlich nicht (mehr) in mein Beuteschema. Ich investiere gerne in Unternehmen mit einem Aktienliebe Score von 80% oder mehr. Schauen wir uns einmal genauer an, weshalb Atoss Punkte in der Scorecard verliert.

Wachstum

Die Entwicklung beim Umsatz ist mustergültig und zeigt eine ganz tolle Wachstumsstory aus Deutschland – und das im Technologie Sektor. Der Umsatz wächst wie an der Schnur gezogen mit rund 14% p.a.. Auch der Gewinn (EBIT) wächst. Aufgrund der Corona Pandemie erlebte Atoss einen Gewinnsprung im Jahr 2020. Daher liegt das Wachstum der letzten 5 Jahre mit 18% höher als in den kommenden drei Jahren erwartet wird (gut 10%). Insgesamt kann die Atoss Aktie beim Wachstum überzeugen und erhält einen Wachstumsscore von 99,55%.

Risiko und Profitabilität

Atoss ist nicht verschuldet und konnte in den letzten 5 Jahren jedes Jahr einen Gewinn erwirtschaften. Der maximale Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahr ist mit 2% minimal und zeigt, dass Atoss ein echtes Wachstumsunternehmen ist. Atoss ist zudem sehr profitabel und erwirtschaftet einen Eigenkapitalrendite von 52%! Das ist wirklich sehr gut. Auch die operative Gewinnmarge liegt mit 27% deutlich über meinen geforderten 10%.

Bewertung der Atoss Aktie

Tja – irgendwo muss der Haken ja liegen. Die Qualitätsparameter zeigen, dass Atoss eine echte Qualitätsaktie ist. Diese hohe Qualität muss leider sehr teuer bezahlt werden. Mit einem Bewertungsscore von nur 42% erscheint die Atoss Aktie aktuell viel zu teuer.

Um die aktuelle Bewertung zu bestimmen, nutze ich ein einfaches Discounted Cashflow Modell. Hierbei habe ich das von Analysten erwartete Nettoergebnis für 2023 zugrunde gelegt. Ich unterstelle, dass das Nettoergebnis zunächst mit 13% weiter wächst. Wie immer habe ich vereinfachend angenommen, dass das Wachstum alle 5 Jahre um 25% abnimmt.

Bei diesen Annahmen ergibt sich eine Renditeerwartung von 5,27% – das ist deutlich weniger als bei vielen anderen guten Aktien und zeigt, wie hoch Atoss aktuell bewertet ist.

Dies zeigt sich auch beim Kennzahlenvergleich anhand historischer Daten. Das KGV liegt aktuell bei 109! Das muss man sich einmal vorstellen. Investoren bezahlen den 109-fachen Gewinn für eine Aktie, die mit 10% beim EBIT wächst!

Auch das KUV ist m.E. unglaublich hoch und liegt mit 14,9 dreimal so hoch wie in den letzten 5 Jahren. Die Dividendenrendite ist nur halb so hoch.

Die Dividende

Im Januar 2020 hat der Vorstand beschlossen, dass die zukünftige Ausschüttungsquote von 50% in der Vergangenheit auf 75% angehoben werden soll. Atoss bekennt sich klar zur Dividende. Dividendeninvestoren sollten sich daher über hohe und stetig mit dem Gewinn wachsende Dividenden freuen können.

  • Dividendenrendite: 0,90%
  • Dividenden im Jahr: 1
  • Steigert seit: 7 Jahren
  • Keine Senkung seit: 14 Jahren
  • Stabilität Dividende: 0,85 von 1,0
  • Pay-Out Gewinn: 74,9%
  • Pay-Out Free-CF: 70,2%
  • Steigerung 5 Jahre: 31,94%
  • Steigerung 10 Jahre: 19,8%

Fazit zur Atoss Aktienanalyse

Klasse Unternehmen, tolle Aktie, aber leider viel zu teuer. So lautet mein Fazit der Atoss Aktienanalyse. Die Atoss Aktie hat in den letzten Jahren beim Aktienkurs viel stärker zugelegt, als das Wachstum. Investoren sprechen dem Unternehmen aktuell ein sehr hohes Multiple zu. Das kann sich aber auch ändern. Die Chancen nach oben sind daher für mich deutlich geringer als das Risiko eines deutlichen Rücksetzers bzw. einer sehr langen Seitwärtsphase. Ich habe die Aktie selbst im Depot, werde sie im Nachgang zu dieser Aktienanalyse jedoch verkaufen.

Die Atoss Aktie ist aktuell auch noch im Wikifolio enthalten und hat dort zu einer guten Performance beigetragen. Aufgrund des nunmehr vergleichsweise geringen Scores wird Atoss aber nun durch eine Aktie mit einem deutlich besseren Score ausgetauscht. Hierzu wird es sicherlich auch bald einen gesonderten Artikel geben.

Wie immer gilt: Do your own research 😉

Viel Erfolg beim Investieren und liebe Grüße

Dein Norman

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder eine sonstige Beratung. Es handelt sich lediglich um meine persönliche Meinung.

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Quellen