Aktienanalyse Union Pacific

In der heutigen Aktienanalyse geht es um Union Pacific. Anders als bei uns in Deutschland genießt die größte US-amerikanische Eisenbahngesellschaft in den USA einen hervorragenden Ruf. Allerdings ist Union Pacific auch hauptsächlich im Gütertransport tätig. Union Pacific sorgt dafür, dass Waren quer durch die USA transportiert werden und somit kostengünstig und umweltfreundlich dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Es handelt sich um ein sehr solides Geschäftsmodell mit tiefem Burggraben. Sollte ich mir die Aktie daher ins Depot legen? Oder ist sie derzeit vielleicht zu teuer?

Die Aktie im Überblick

NameUNION PACIFIC CORPORATION
SymbolUNP
SektorIndustrie
Kurs in USD216,55
Börsenwert in Mrd. USD141,22
KGV 2021 / 202222 / 20
Dividendenrendite 1,89%
Free Cashflow Rendite 20214,36%
Aktienliebe Score62,79%

Der Aktienkurs hat sich in den letzten Jahren – mit Ausnahme des Jahres 2015 und der Corona-Delle – fantastisch entwickelt. Anleger konnten in den vergangenen 10 Jahren fast 400% Kursgewinn erzielen, hinzu kommt noch die Dividende. Für ein so solides Investment ist das eine beeindruckende Performance.

Quelle: http://www.aktienfinder.net

Das Geschäftsmodell

Kurzer Blick in die Unternehmensgeschichte

Die Union Pacific Railroad wurde im Jahr 1862 nach einem Beschluss des Kongresses gegründet. Ziel war es, eine transkontinentale Eisenbahnstrecke aufzubauen, um die Siedlungsgebiete im Osten und Westen der USA zu verbinden. Seither wurde das Schienennetz kontinuierlich ausgebaut und durch Zukäufe stetig vergrößert. Der Personenfernverkehr wurde im Jahr 1971 verkauft. Heute ist Union Pacific fast ausschließlich im Güterverkehr tätig.

Was macht Union Pacific?

Union Pacific ist die größte US-amerikanische Eisenbahngesellschaft. Ende 2020 verfügte Union Pacific über das größte Eisenbahnnetz Nordamerikas (83.353 km) und eine Flotte von über 7.500 Lokomotiven, 52.900 Güterwagen und 52.900 Containern.

Die USA zählen flächenmäßig zu den größten Ländern der Welt. Die Entfernungen sind groß. Für den Transport von Waren und Gütern stellt die Eisenbahn daher oftmals die günstigste und umweltfreundlichste Alternative dar.

Union Pacific erwirtschaftet seine Umsätze mit dem Schienentransport von Fahrzeugen, Industrieprodukten wie beispielsweise Holz, Chemikalien oder Metallen und landwirtschaftlichen Produkten wie Getreide, Düngemittel, Nahrungsmittel oder Getränke. Außerdem werden auch Kohle, Öl und Gas transportiert.

Management

Aktienanalyse Union Pacific

Seit 2015 ist Lance M. Fritz der CEO von Union Pacific. Er begann seine Karriere bei Union Pacific im Juli 2000 als Vice President und General Manager-Energy in der Marketing- und Vertriebsabteilung des Unternehmens.

Vorher arbeitete Fritz für Fiskars Inc., Cooper Industries und General Electric. Er ist Absolvent der Bucknell University und hat einen Master-Abschluss in Management der Kellogg School of Management der Northwestern University.

Umsatzverteilung

Der Schienentransport von Industrieprodukten steht für 34% des Umsatzes. Der Transport von landwirtschaftlichen Produkten, Lebensmitteln, Düngemitteln und Kohle macht gut 30,5% des Umsatzes aus. Fahrzeuge tragen 29% zum Gesamtumsatz bei.

90% der Umsätze werden in den USA erwirtschaftet, rund 10% stammen aus dem Mexiko-Geschäft.

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Wettbewerber

Das riesige Schienennetz befindet sich vollständig im Besitz von Union Pacific. Es überzieht das gesamte Land, ähnlich eines Blutkreislaufes.

Aktienanalyse Union Pacific
Quelle: Investor Relations Union Pacific

Es gibt kaum bestehende Konkurrenz. Nur die BNSF Railroad transportiert ebenso Güter auf der Schiene und hat ein vergleichbares Schienennetzt. BNSF Railroad ist übrigens für uns Privatanleger nicht investierbar, da sich das Unternehmen vollständig im Besitz von Warren Buffetts Berkshire Hathaway befindet. Es handelt sich somit um ein Duopol, das beiden Unternehmen gute Gewinne im Schienenfrachtverkehr sichert. Neue Konkurrenz kann auch nicht mehr in den Markt eindringen, da hierfür ein vergleichbares Schienennetz erforderlich wäre und ein Neubau mit enormen Kosten verbunden ist.

Der Schienenfrachtverkehr steht natürlich in Konkurrenz zu anderen Frachtarten wie beispielsweise dem Transport über LKWs oder Flugzeuge. Allerdings ist der Schienenfrachtverkehr umweltfreundlicher und oftmals kostengünstiger.

Chancen und Risiken

Wie bei jeder Aktienanalyse schaue ich mit im Folgenden die Chancen und Risiken der Union Pacific – Aktie an.

Chancen

Tiefer Burggraben: Aufgrund des großen Schienennetzes besitzt Union Pacific einen riesigen Burggraben. Neue Konkurrenten können nicht bzw. nur unter enormen Investitionskosten in den Markt eindringen.

Extrem profitabel: Aufgrund des tiefen Burggrabens und der guten Konkurrenzsituation ist es Union Pacific möglich, hohe Preise am Markt durchzusetzen. Diese zeigt sich an der unglaublich hohen operativen Gewinnmarge (EBIT-Marge) von 40%, die zudem über die Jahre kontinuierlich gesteigert wird.

Umweltfreundlich: Was ist besser? Eine Eisenbahn mit Waren beladen durch das Land fahren zu lassen oder stattdessen 200 einzelne LKWs auf die Reise zu schicken?

Kostengünstiger: Bleiben wir bei obigem Beispiel und stellt euch vor, man müsste 200 LKW-Fahrer für den Transport der gleichen Gütermenge eines Zuges bezahlen. Auch hier ist offensichtlich, was wohl günstiger ist. Zugegeben: Ganz langfristig könnte sich das ggf. ändern, sollte das autonome Fahren führ LKWs irgendwann einmal kommen. Nach meiner Einschätzung wird die allerdings noch sehr lange dauern. Bei Zügen hingegen erscheint mir diese Möglichkeit schneller umsetzbar zu sein. Autonom fahrende Züge könnten schneller kommen als wir denken.

Risiken

Konjunkturabhängigkeit: Das Geschäftsmodell ist konjunkturabhängig. In wirtschaftlichen Boomphasen werden naturgemäß mehr Güter produziert und damit auch transportiert. In schlechteren Wirtschaftsphasen leider daher auch Union Pacific an ausbleibenden Umsätzen. Insgesamt schätze ich dieses Risiko als mittel ein.

Umweltkatastrophen: Erdbeben, Wirbelstürme, Waldbrände und andere Naturkatastrophen haben nach meiner Einschätzung in den letzten Jahren zugenommen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die Schienennetze von Union Pacific zukünftig häufiger beschädigt werden und somit Transportausfälle sowie höhere Wartungskosten anfallen. Allerdings ist das Unternehmen äußerst profitabel und kann diese höheren Kosten locker stemmen. Gleichwohl könnten die zukünftigen Gewinne dadurch etwas geringer ausfallen. Ich schätze das Risiko daher eher als gering ein.

Alternative Transportmöglichkeiten: Wie bereits angesprochen könnten alternative und innovative Transportmöglichkeiten das Geschäftsmodell von Union Pacific disruptieren. Fraglich ist jedoch, was eine alternative Transportmöglichkeit wäre. Das autonome Fahren für mit grünem Wasserstoff betriebene LKWs wäre sicherlich so eine Alternative. Allerdings wird es nach meiner Einschätzung noch viele Jahre dauern, bis dieses Realität wird. Ich schätze dieses Risiko daher als gering ein.

Weniger Transportbedarf: Ein größeres Risiko sehe ich allerdings in der Möglichkeit, dass zukünftig insgesamt weniger Waren transportiert werden müssen. Dies kann zum einen dadurch kommen, dass infolge wirtschaftlicher Handelsspannungen (wie aktuell zwischen China und den USA) wieder mehr Produkte in heimischen Gefilden produziert werden. Zum anderen könnten Fortschritte beim 3D Druck dafür sorgen, dass Produkte zukünftig genau dort „produziert“ werden, wo sie verkauft werden sollen. Hinzukommt die Tatsache, dass Union Pacific rund 18,6% der Umsätze mit dem Transport von Kohle, Öl und Gas erzielt. Wie lange diese Energieträger noch in großem Umfang transportiert werden müssen, ist aufgrund der aufkommenden regenerativen Energien wie Wind- und Solarenergie fraglich.

Aktienliebe Score

Kommen wir nun zu den harten Zahlen in dieser Aktienanalyse zu Union Pacific. Das Unternehmen erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 63%. Ich persönlich investiere gerne in Unternehmen mit einem Score von 80% oder mehr. Schauen wir uns Qualität und Renditeerwartung einmal genauer an.

Aktienanalyse Union Pacific

Wachstum

In den abgelaufenen 5 Jahren musste Union Pacific beim Umsatz und beim Gewinn einen Rückgang hinnehmen. Dies war nicht zuletzt der Corona Pandemie und deren Folgen geschuldet.

Aktienanalyse Union Pacific

Die Analysten von gehen in den kommenden 3 Jahren davon aus, dass sich Umsatz und Gewinn wieder erholen und mit 6 bzw. 11% p.a. wachsen werden. Positiv ist die Tatsache, dass der Gewinn stärker wächst als der Umsatz – dies zeigt, dass Union Pacific von Jahr zu Jahr profitabler wird und eine stetig höhere Gewinnmarge durchsetzen kann.

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Risiko und Profitabilität

Union Pacific erwirtschaftet jedes Jahr Gewinn. Der maximale Gewinnrückgang (Drawdown) liegt bei nur 8% und zeigt, wie solide und gut planbar das Geschäftsmodell von Union Pacific ist.

Aktienanalyse Union Pacific

Die Nettoschulden betragen das 3,1-fache des operativen Jahresgewinns. Klar – das Geschäft ist kapitalintensiv, muss viel in die Züge und das Schienennetz investiert werden. Bis zur 4-fachen Verschuldung ist dies meiner Ansicht nach noch unkritisch, allerdings muss man hier auch sehen, dass die Verschuldung in den letzten Jahren immer weiter angewachsen ist. Union Pacific hat in den letzten Jahren sehr viele eigene Aktien zurückgekauft und damit die Zahl der ausstehenden Aktien deutlich verringert. Somit wird die einzelne Aktie immer mehr wert, da der Unternehmensgewinn zukünftig auf immer weniger Aktien verteilt werden muss. Allerdings würde ich mir wünschen, das Geld zunächst dazu zu nutzen, die Verschuldung nicht weiter zu erhöhen.

Aktienanalyse Union Pacific
Verschuldung und Aktienrückkäufe, Quelle: aktienfinder.net

Die Eigenkapitalrendite – also die Verzinsung auf das Kapital der Aktionäre – beträgt fast 30% im Durchschnitt der letzten drei Jahre. Die operative Gewinnmarge ist mit über 40% ebenfalls sehr beeindruckend und soll zudem weiter gesteigert werden. Dies zeigt, wie tief der Burggraben von Union Pacific und wie profitabel das Geschäftsmodell ist.

Bewertung

Um die aktuelle Bewertung zu bestimmen, nutze ich ein einfaches Discounted Cashflow Modell. Hierbei habe ich das von Analysten erwartete Nettoergebnis für 2023 zugrunde gelegt. Außerdem unterstelle ich, dass dieses zunächst mit 7% weiter wächst. Alle 5 Jahre habe ich angenommen, dass das Wachstum um 25% abnimmt.

Bei diesen Annahmen ergibt sich eine Renditeerwartung von 7,5%, was einen Bewertungsscore von 60% bedeutet.

Aktienanalyse Union Pacific

Werfen wir außerdem noch einen kurzen Blick auf die Bewertung im historischen Vergleich. Historisch gesehen ist die Aktie aktuell eher hoch bewertet. Während das KGV aktuell nur leicht über dem Schnitt der letzten 5 Jahre liegt, deuten KUV und die Dividendenrendite auf eine historische Überbewertung hin.

Aktienanalyse Union Pacific

Die Dividende

Union Pacific könnte allerdings für Dividendenjäger interessant sein, zahlt das Unternehmen viermal pro Jahr eine Dividende an die Aktionäre aus. Diese Dividende wurde seit 22 Jahren nicht gesenkt und seit 14 Jahren mit zweistelligen Raten erhöht. Die Ausschüttungsquote liegt bei rund 50% nahezu im Idealbereich.

Dividendenrendite1,89%
Auszahlungen/Jahr4
Steigert seit14 Jahren
Keine Senkung seit22 Jahren
Stabilität der Dividende0,95 (max. 1,0)
Jährlicher
Dividendenzuwachs
13,41 % (5 Jahre)
16,01 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote45,3 % (auf den Gewinn/FFO)
44,9 % (auf den Free Cash Flow)

Fazit zur Union Pacific Aktienanalyse

Union Pacific ist die größte US-amerikanische Eisenbahngesellschaft und transportiert Waren quer durch die USA. Dem Unternehmen gehört ein riesiges Streckennetz, was für Union Pacific einen sehr tiefen Burggraben bedeutet.

Umsatz und Gewinne steigen jedes Jahr, wenn auch mit kleineren Raten. Beides ist sehr stabil und sorgt für gut planbare Cashflows. Das Geschäftsmodell ist sehr solide und die Dividende durchaus attraktiv.

Mit einem Aktienliebe Score von 63% ist Union Pacific mich persönlich derzeit allerdings nur haltenswert. Die Bewertung erscheint hoch. Die Aktie wird bei vielen Anlegern eher als Anleiheersatz gesehen, was in Zeiten von Nullzinsen wenig überraschend ist. Die Aktie ist daher im Kurs sehr gut gelaufen und dementsprechend teuer.

Wer auf der Suche nach einem soliden Investment für das Depot ist, der kann sich Union Pacific näher anschauen. Ich hingegen setzte die Aktie auf die Watchlist und würde einen Einstieg erst dann in Erwägung ziehen, wenn die Aktie rund 30% im Kurs nachgeben würde (wovon derzeit wohl eher nicht auszugehen ist ;-)).

Wie immer gilt: Do your own research 😉

Viel Erfolg beim Investieren und liebe Grüße

Dein Norman

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder eine sonstige Beratung. Es handelt sich lediglich um meine persönliche Meinung.

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Quellen