Aktienanalyse Lockheed Martin

Lockheed Martin war die erste Aktienanalyse, die ich auf Aktienliebe im April 2020 veröffentlicht habe. In der Zwischenzeit hat sich einiges verändert. Grund genug also, die Aktienanalyse zu aktualisieren. Diejenigen von euch, die um Aktien aus dem Rüstungsbereich einen weiten Bogen machen, sollten sich lieber eine andere Analyse anschauen. Wer jedoch Rüstungsunternehmen bei der Geldanlage nicht grundsätzlich ausschließt, dem wünsche ich viel Spaß bei der aktualisierten Aktienanalyse zu Lockheed Martin.

Die Aktie im Überblick

Viele Anleger haben ethische Bedenken in Rüstungskonzerne zu investieren. Möchte man sich am langfristigen Erfolg von Unternehmen beteiligen, die ihr Geld mit dem Verkauf von Waffen erwirtschaften? Diese Bedenken sind durchaus legitim, sollten aber im Folgenden nicht Gegenstand der Lockheed Martin Aktienanalyse sein. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er sein Geld investiert.

NameLOCKHEED MARTIN CORPORATION
SymbolLMT
SektorIndustrie
Kurs in USD381,49
Börsenwert in Mrd. USD106,03
KGV 2021 / 202214 / 14
Dividendenrendite 2,78%
Free Cashflow Rendite 20216,85%
Aktienliebe Score81,28%

Das Geschäftsmodell

Was macht Lockheed Martin?

Die Lockheed Martin Corporation wurde im März 1995 gegründet und ist ein Zusammenschluss der Unternehmen Lockheed Corporation und Martin Marietta Corporation. 

Heute ist Lockheed einer der größten Rüstungskonzerne der Welt und hat sich auf die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Luft-, U-Boot- und Raumfahrtsystemen spezialisiert.

Flaggschiff des Unternehmens ist die Produktion des F-35 – ein Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug. Es ist kein normales Kampfflugzeug, sondern voll mit Technik und Innovationen:

  • So verfügt die F-35 über ausgeprägte Tarnkappeneigenschaften, welche im Vergleich zu konventionellen Mehrzweckkampfflugzeugen die Reichweite feindlicher Aufklärungstechnik auf einen Bruchteil reduziert. Auf diese Weise kann die Bedrohung durch immer weiter reichende Lenkwaffen und Sensoren weitestgehend neutralisiert werden.
  • Des Weiteren verfügt die Maschine über mehrere leistungsfähige Sensoren, Datenlinks und Benutzerschnittstellen. Durch das Zusammenwirken dieser Technologien sollen feindliche Kräfte bereits auf große Distanz geortet und bekämpft werden können, noch bevor diese die F-35 selbst erfassen können.
  • Die F-35 ist zudem das erste US-Kampfflugzeug, das als Serienmaschine über eine Sprachsteuerung verfügt.
  • Der Piloten wird durch einen neuen Landemodus “Delta Flight Path” in der kritischen Phase, also die letzten Sekunden einer Landung auf einem Flugzeugträger, durch eine teilweise Automatisierung unterstützt. 
  • Die F-35 verfügt zudem über eine hochintegrierte modulare Avionik. Hierbei werden alle Daten der Sensoren und Systeme sehr früh in einem zentralen Rechensystem zusammengeführt. Das primäre Ziel ist hierbei ein bestmögliches Situationsbewusstsein für den Piloten, der möglichst wenig Zeit mit Dateninterpretation und Systembedienung verbringen soll um sich so auf die Analyse der taktischen Situation und die Entscheidungsfindung konzentrieren zu können.

Lockheed Martin arbeitet derzeit verstärkt an der Entwicklung von Laserwaffen. Hier könnte in den kommenden Jahren die Nachfrage stark ansteigen, bieten Laserwaffen sehr viele Vorteile gegenüber konventionellen Waffensystemen. So sind Laserwaffen präziser, schneller (annähernde Lichtgeschwindigkeit) und kostengünstiger einsetzbar.

Lockheed Martin Aktienanalyse

Management

Seit März 2021 ist James Taiclet der CEO von Lockheed Martin. Er war vorher bereits im Aufsichtsrat von Lockheed Martin.

Er hat einen Master-Abschluss der Princeton University und ist zudem Absolvent der US Air Force Academy mit Abschlüssen in Ingenieurwissenschaften und internationalen Beziehungen.

Taiclet begann seine Karriere als Offizier und Pilot der US Air Force. Er diente u.a. im Golfkrieg und war Pilot in einem der ersten Transportflugzeuge, welche die US-Streitkräfte während der Operation Desert Shield in Saudi-Arabien einsetzten (übrigens einer Lockheed C -141B).

Vor seinem Wechsel zu Lockheed Martin war Taiclet CEO bei der American Tower Corporation, einem der größten börsennotierten Telekommunikationsunternehmen in den USA. Außerdem war Taiclet Präsident von Allied Signal, später Honeywell Aerospace Services, wo er u.a. für die Bereiche Flugzeugtriebwerke, Raumfahrtbetrieb und technische Dienstleistungen verantwortlich war. 

Umsatzverteilung

Lockheed Martin ist in vier Segmenten tätig:

  • Produktion und Verkauf von Militär- und Zivilflugzeugen, hauptsächlich für Regierungsorganisationen, machen 40,2% des Gesamtumsatzes aus.
  • Das Geschäft mit elektronischen und taktischen U-Boot-Systemen umfasst Avioniksysteme, Radare, Sensoren, Ausbildungssysteme und Simulatoren, optische Systeme, Überwachungs- und Aufklärungssysteme usw. und trägt rund 24,5% zum Gesamtumsatz bei.
  • Der Verkauf von Satellitensystemen, Raketensystemen und Raumtransportsystemen für die Luft- und Raumfahrt steuert 18,2% zum Umsatz bei.
  • Der Verkauf von Verteidigungssystemen, wie z.B. Luft- und Raketenabwehrsysteme, taktische Raketen, Präzisionsschlagwaffensysteme, Feuerleitsysteme usw. besitzen einen Anteil von 17,2%.
Lockheed Martin Aktienanalyse

3/4 des Umsatzes kommen aus dem US-Geschäft. Die übrigen 25% kommen aus Europa, Asien-Pazifik und dem Mittleren Osten.

Branche

Der Markt für Rüstungsgüter unterscheidet sich von anderen Märkten. In den meisten Industrieländern ist der Staat der wichtigste, wenn nicht gar der einzige zulässige Kunde. So gibt es Gesetze und Regularien, die klar definieren, in welchem Handlungsfeld sich die Rüstungsindustrie bewegen darf. So besagt beispielsweise das Kriegswaffenkontrollgesetz in Deutschland, dass bestimmte Waffen nur mit Genehmigung der Bundesregierung hergestellt, befördert und in den Verkehr gebracht werden dürfen. 

In den USA läuft es seit Jahrzehnten rund für die Rüstungsunternehmen. Die Branche profitierte in den letzten Jahren u.a. vom harten Kurs der Trump-Regierung. Aber auch unter der Biden Regierung gehe ich nicht davon aus, dass die Militärausgaben deutlich reduziert werden. Die USA fühlt sich vom Aufstieg Chinas und dessen klarer Formulierung des Machtanspruches bedroht.

Laut einer Aufstellung der Denkfabrik Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) machten die amerikanischen Ausgaben für das Militär 36% der weltweiten Verteidigungsaufwendungen aus. 

Lockheed Martin Aktienanalyse

Prognosen gehen davon aus, dass der amerikanische Verteidigungshaushalt in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Die großen US-Waffenhersteller könnten daher gemessen an der US-Gesamtwirtschaft ein deutlich überdurchschnittliches Wachstum erzielen. 

Lockheed Martin Aktienanalyse

Auch Corona hat nicht dazu geführt, dass die weltweiten Ausgaben für Rüstung und Verteidigung rückläufig waren. Ganz im Gegenteil: Die Ausgaben haben weiter zugelegt.

In den letzten Jahren konnte man eine zunehmende Konsolidierung in der Rüstungsbranche beobachten. Beispielhaft sei hier die Übernahme von Sikorsky Aircraft durch Lockheed Martin im Jahr 2015 genannt. Die zunehmende Konzentration in der Rüstungs- und Luftfahrtbranche hat zur Konsequenz, dass bei Ausschreibungen im Militärsektor vielfach nur noch wenige Anbieter mitbieten. Dies sorgt für eine große Preissetzungsmacht der Firmen. Dies gilt umso mehr, da wohl nicht damit zu rechnen ist, dass die US Regierung stattdessen auf Produkte ausländischer Firmen zurückgreifen wird.

Wettbewerber

Lockheed Martin war lange Zeit das größte Rüstungsunternehmen der Welt. In den letzten Jahren hat der US-Wettbewerber Raytheon Lockheed allerdings den Rang abgelaufen.

Dennoch profitiert Lockheed von einem Jahrzehnte lang gewachsenen Netzwerk bis in die höchsten Kreise der US-Regierung und kann weiter wachsen.

Andere Konkurrenten sind Northrop Grumman und L3Harris Technologies – beide sind aber deutlich kleiner als Lockheed Martin.

Aktienliebe Awards

Aktienliebe Awards werden immer dann vergeben, wenn das Geschäftsmodell besondere Chancen für Anleger bietet. Lockheed Martin bekommt in meiner Aktienanalyse für sein Geschäftsmodell einen Aktienliebe Award:

BlackRock Aktienanalyse

Lockheed Martin ist hervorragend vernetzt bis in die höchsten Regierungskreise. Die starke Lobby-Arbeit gelingt es dem Unternehmen, die Auftragspipeline gefüllt zu halten. Zudem ist wohl davon auszugehen, dass die US-Regierung als größter Kunde wohl nicht bei ausländischer Konkurrenz einkaufen wird.

Chancen und Risiken

Wie bei jeder Aktienanalyse schaue ich mit im Folgenden die Chancen und Risiken der Lockheed Martin – Aktie an.

Chancen

  • Top Positionierung, gute Beziehungen: Man sagt, dass Lockheed Martin über exzellente Beziehung bis ins Weiße Haus verfügt. Diese guten Beziehungen sichern eine langfristige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem größten und wichtigsten Kunden des Unternehmens: Der US-Regierung.
  • Raumfahrt: Die Raumfahrt steht vor einem Wandel. Tesla Chef Elon Musk setzt alles daran, mit seinem privaten Unternehmen SpaceX die Raumfahrt zu revolutionieren. Er plant, die Raumfahrt zu einem kommerziellen Geschäft zu machen. Der Weltraumtourismus soll zu erschwinglichen Preisen möglich sein. Das dürfte die Anzahl der Raketenstarts, um Satelliten ins All zu bringen, spürbar erhöhen. Lockheed Martin ist ebenfalls im Geschäft mit der Raumfahrt tätig und könnte von einem zunehmenden Trend profitieren.
  • Lasertechnologie: Diese arbeitet präziser, schneller, zuverlässiger und kostengünstiger – ein enormes Wachstumspotential
  • Intelligente Kampfsysteme / Drohnen: Die Zeiten, wo Kriege auf dem Schlachtfeld mit Soldaten ausgefochten werden, sind lange vorbei. Intelligente Waffensystem und vor allem Drohnen sind die Zukunft der Kriegsführung. Bei Drohnen handelt es sich um unbemannte Luftfahrzeuge, die ohne eine sich an Board befindliche Besatzung entweder autark oder durch eine Fernsteuerung betrieben werden können. Drohnen kommen jedoch zunehmend auch in anderen Bereichen zum Einsatz. Beispielsweise etabliert sich ein Trend bei Logistikunternehmen und in der Landwirtschaft. Die Drohnen werden beispielsweise zur großflächigen Überwachung oder Analyse eingesetzt. Logistikunternehmen erhoffen sich nach entsprechender Deregulierung seitens der Gesetzgebung Pakete zustellen zu können.

Risiken

  • Sinkende Rüstungsausgaben der US-Regierung: Die Bewältigung der Corona-Krise wird einen hohen Preis haben. War die US-Staatsverschuldung bereits vorher auf Rekordhoch, so verschärfen die Hilfspaket und Konjunkturmaßnahmen der Trump- und jetzt der Biden-Regierung die Situation. Eine Reduktion der Militärausgaben könnte helfen, die Verschuldung zumindest etwas zurückzufahren.
  • Klagen und Haftung: Das Beispiel der Boeing 737 Max zeigt, wie schnell ein solide erscheinendes Unternehmen ins Abseits geraten kann, wenn die Produkte nicht so funktionieren wie erwartet. So kann es natürlich auch bei den Rüstungsprodukten von Lockheed Martin zu Qualitätsmängeln kommen, die der Reputation des Unternehmens nachhaltig Schaden zufügen könnten.

Aktienliebe Score

Kommen wir nun zu den harten Zahlen in dieser Aktienanalyse zu Lockheed Martin. Das Unternehmen erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 81%. Ich persönlich investiere gerne in Unternehmen mit einem Score von 80% oder mehr. Schauen wir uns Qualität und Renditeerwartung einmal genauer an.

Lockheed Martin Aktienanalyse

Wachstum

Umsatz und Gewinn sind in den letzten 5 Jahren mit 7 bzw. 10% p.a. gewachsen. In den kommenden drei Jahren soll sich das Wachstum auf 4 bzw. 5% p.a. reduzieren.

Lockheed Martin Aktienanalyse

Meine Scorecard fordert 10% Wachstum, um den Höchstwert zu erreichen. Das schafft Lockheed Martin nicht. Daher gehen einige Punkte in meiner Scorecard verloren. Für das Wachstums erhält Lockheed Martin in dieser Aktienanalyse 63%.

Lockheed Martin Aktienanalyse

Risiko und Profitabilität

Bei den Risiko- und Profitabilitätskennzahlen schneidet Lockheed Martin sehr gut ab. Das Unternehmen ist kaum verschuldet, die Gewinne sind konstant und der Drawdown (also der maximale Gewinnrückgang) liegt bei 0% – das bedeutet, Lockheed Martin konnte in den letzten 5 Jahren jedes Jahr mehr Gewinn erwirtschaften.

Lockheed Martin Aktienanalyse

Die operative Gewinnmarge liegt bei 13%, in der Scorecard werden nur 10% gefordert. Die Eigenkapitalrendite – also die Verzinsung des Kapitals der Aktionäre – liegt bei 727%. Diese hohe Zahl liegt an dem durch aggressive Aktienrückkäufe stark reduzierten Eigenkapital. Damit lag die Eigenkapitalquote in 2020 bei nur 11,9%. Angesichts der geringen Nettoverschuldung ist dies aus meiner Sicht aber nicht problematisch.

Bewertung

Um die aktuelle Bewertung zu bestimmen, nutze ich ein einfaches Discounted Cashflow Modell. Hierbei habe ich das von Analysten erwartete Nettoergebnis für 2023 zugrunde gelegt. Außerdem unterstelle ich, dass dieses zunächst mit 4% weiter wächst. Alle 5 Jahre habe ich angenommen, dass das Wachstum um 25% abnimmt.

Bei diesen Annahmen ergibt sich eine Renditeerwartung von 9,35%, was einen Bewertungsscore von 75% bedeutet.

Lockheed Martin Aktienanalyse

Werfen wir außerdem noch einen kurzen Blick auf die Bewertung im historischen Vergleich. Historisch gesehen ist die Aktie aktuell fair bewertet. Sowohl das KGV, das KUV als auch die Dividendenrendite liegt im Schnitt der letzten Jahre.

Lockheed Martin Aktienanalyse

Die Dividende

Wie für amerikanische Unternehmen üblich zahlt Lockheed Martin 4 Mal im Jahr Dividende. Man ist zwar kein Dividendenaristokrat (also ein Unternehmen, das mind. 25 Jahre infolge die Dividende erhöht hat). Aber immerhin hat Lockheed Martin die Dividende 35 Jahre infolge nicht gesenkt und 18 Jahre hintereinander gesteigert.

Mit einer Ausschüttungsquote von unter 50% und einem jährlichen Dividendenzuwachs von 10% ist Lockheed Martin ein Dividendenwachstumswert und gerade für Dividendeninvestoren sehr interessant.

Auszahlungen/Jahr4
Steigert seit18 Jahren
Keine Senkung seit35 Jahren
Stabilität der Dividende0,98 (max. 1,0)
Jährlicher
Dividendenzuwachs
10,13 % (5 Jahre)
13,15 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote41,2 % (auf den Gewinn/FFO)
48,7 % (auf den Free Cash Flow)

Fazit zur Lockheed Martin Aktienanalyse

Aktien von Rüstungsunternehmen mag nicht jeder. Das ist verständlich. Dennoch lässt sich auch mit diesen Titels gutes Geld verdienen. Die Aktie von Lockheed Martin könnte daher mehr als nur einen Blick wert sein. Die Gewinne steigen konstant seit Jahren und ich rechne nicht damit, dass sich das in Zukunft ändern wird. Der Burggraben ist tief und außerdem zahlt Lockheed Martin auch eine schöne und regelmäßig steigende Dividende.

Mit einem Aktienliebe Score von 81% fällt Lockheed Martin grundsätzlich auch in mein Beuteschema. Ich hatte die Aktie selbst einmal im Depot, bin aktuell aber nicht mehr investiert.

Wie immer gilt: Do your own research 😉

Viel Erfolg beim Investieren und liebe Grüße

Dein Norman

Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder eine sonstige Beratung. Es handelt sich lediglich um meine persönliche Meinung.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Ich kann daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

Quellen