LVMH – Qualität hat seinen Preis

LVMH ist der größte Anbieter von Luxusgütern. Die Marken stehen für höchste Qualität und sind ein Statussymbol. Wer Produkte von Louis Vuitton und den ganzen anderen Marken haben möchte, muss mitunter hohe Beträge auf den Tisch legen. Dies gilt auch für die Aktie, die aktuell ebenfalls sehr hoch bewertet ist. Warum ich persönlich LVMH trotzdem kaufen würde, liest du in meiner heutigen Aktienanalyse.

Die Aktie im Überblick

NameLVMH Moet Hennessy Louis Vuitton SE
SymbolMC
SektorZyklischer Konsum
Kurs in EUR631,60
Börsenwert in Mrd. EUR318
KGV 2021 / 202237 / 32
Dividendenrendite 20211,10%
Aktienliebe Score97,66%

Der Chart der LVMH Aktie ist äußerst beeindruckend. Richtig an Fahrt hat er ab dem Jahr 2016 aufgenommen und kennt seither nur noch eine Richtung.

Quelle: http://www.aktienfinder.net

Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Was macht LVMH?

LVMH steht für „Louis Vuitton Moet Hennessy“ und ist der weltweit führende Anbieter von Luxusprodukten. Neben Mode und Lederwaren ist LVMH bekannt für Weine und Spirituosen, Parfums und Kosmetika sowie Uhren und Schmuck.

Das Unternehmen hat rund 70 Marken und über 3.950 Filialen auf der ganzen Welt. Kunden weltweit lieben die Marken Louis Vuitton, Fendi, Christian Dior, Guerlain, Givenchy oder Kenzo.

Mit einer Marktkapitalisierung von ca. 308,6 Milliarden Euro ist LVMH das wertvollste europäische Unternehmen.

LVMH setzt auf Qualität und Exklusivität. So werden Produkte streng limitiert und ohne Rabatte verkauft. Diese Strategie sorgt dafür, dass das Angebot klein bleibt und die Kunden immer bereit sind, die hohe Preise dafür zu zahlen. Zudem verlieren viele Luxusprodukte kaum an Wert, einige werden im Zeitablauf sogar immer wertvoller.

Wer Produkte von LVMH kauft weiß, dass man hierfür zwar viel Geld ausgeben muss, gleichzeitig aber eine Top-Qualität erhält und gleichzeitig ein einzigartiges Einkaufserlebnis erfährt.

Umsatzverteilung

Über 40% des Umsatzes wird in Asien (inkl. Japan) erwirtschaftet. LVMH profitiert damit vom Aufschwung der Schwellenländer und besonders von China. Die Mittelschicht wächst und möchte auch zunehmend Luxusartikel haben. Zudem gibt es jedes Jahr mehr Millionäre, für die die Luxusprodukte von LVMH Statussymbole darstellen.

Umsatz nach Geschäftsbereich
Umsatz nach Region

Management

Der französische Unternehmer Bernard Arnault ist seit 1989 Vorsitzender des Vorstandes und Großaktionär von LVMH. Die Familie Arnault hält rund 47,5% der Anteile des Konzerns. Arnault gehört aufgrund seiner Beteiligung an LVMH zu den reichsten Menschen der Welt. Er ist verheiratet und hat 5 Kinder.

Arnault wurde am 5. März 1949 in Roubaix, Frankreich, in eine Industriefamilie geboren und besuchte das Lycée von Roubaix und das Lycée von Faidherbe in Lille. Anschließend studierte er an der Ecole Polytechnique.

Er begann als Ingenieur bei der Baufirma Ferret-Savinel. 1989 wurde Arnault Mehrheitsaktionär von LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton und gründete die weltweit führende Luxusproduktgruppe. Arnault ist seither Vorsitzender und CEO des Unternehmens.

Konkurrenz

LVMH besteht aus vielen traditionsreichen Marken. Zudem ist man in vielen Bereichen tätig: Mode, Schmuck, Lederwaren und Getränke etc.. Es gibt daher nicht den einen Konkurrenten, der mit LVHM vergleichbar ist. Im Luxusgüterbereich zählen aber wohl Kering (Gucci) und Prada zu den größten Konkurrenten.

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Chancen und Risiken

Chancen

Größter Hersteller von Luxusgütern mit bekannten und sehr starken Marken: Die Marken sind bekannt und stehen für Luxus. Wer LVMH Produkte kauft kann sicher sein, dass andere diesen Luxus erkennen. LVMH steht seit vielen Jahren für höchste Qualität. Damit hat LVMH einen riesigen Burggraben.

Zusätzliches Wachstum durch Übernahme von Tiffany & Co: Bei Schmuck war LVMH bislang nicht sehr gut aufgestellt. Das ändert sich nun. Zudem kann durch diese Übernahme die Präsenz auf dem wichtigen US-Markt weiter ausgebaut werden. Eine sehr gute Diversifikation, wie ich finde. 

Profitiert vom Aufschwung der Schwellenländer bzw. Chinas: Mit zunehmendem Reichtum steigt auch die Nachfrage nach Luxusartikeln. Diese Entwicklung kann man aktuell sehr stark auf dem chinesischen Markt sehen. Bereits heute ist Asien der wichtigste Markt für LVMH.

Stabiles Wachstum und stetig steigende Nachfrage: Mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020 wachsen Umsatz und Gewinn wie an der Schnur gezogen. Jedes Jahr kann konstant mehr verkauft werden. LVMH achtet darauf, dass das Angebot limitiert ist. Sicherlich könnte man auch den Markt mit Handtaschen und Co. fluten und ordentliche Rabatte anbieten. Die strategische Ausrichtung sorgt aber dafür, dass LVMH bei Kunden als absolutes Luxusunternehmen wahrgenommen wird.

Risiken

Entstehen neuer Marken, insbesondere im asiatischen Markt: Mode wandelt sich. Es könnte daher grundsätzlich dazu kommen, dass neue Marken die altbekannten von LVMH verdrängen. Dieses Risiko schätze ich aufgrund der langen Tradition allerdings eher als gering ein.

Nachhaltige Wirtschaftskrise: Unmittelbar nach dem Ausbruch der Corona-Krise konnte man beobachten, wie die Aktienkurse der Luxusgüterhersteller in den Keller sanken. Die Angst war groß, dass es zu einer langen und schweren Wirtschaftskrise kommt, die die Nachfrage nach Luxusartikel einbrechen lässt. Wenn die Leute arbeitslos werden oder ihr Vermögen an Wert verliert, muss man das Geld auf lebenswichtige Dinge konzentrieren – Luxus zählt nicht dazu.

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Aktienliebe Score

Bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard kommt LVMH auf einen beachtlichen Score von 98%. Dieses erreichen nicht viele Unternehmen. LVMH stellt damit ein Qualitätsunternehmen dar, dass zudem eine überdurchschnittliche Renditeerwartung hat. Ich selbst investiere überwiegend in Unternehmen mit einem Score von 80% oder mehr. Schauen wir uns wie immer die Qualitäts- und Renditefaktoren genauer an:

Qualität: 95%

Wachstum

Umsatz und Gewinn wachsen wie an der Schnur gezogen von links unten nach rechts oben. Im Jahr 2020 sieht man die Auswirkungen der Corona-Pandemie, als die LVMH-Geschäfte zeitweise geschlossen waren. In den kommenden drei Jahren wird dieser Effekt mehr als ausgeglichen. Aufgrund des Umsatz- und Gewinneinbruchs gehen LVMH hier ein paar Prozentpunkte in meiner Scorecard verloren, da das Wachstum im Zeitraum 2010 – 2020 knapp unter 10% p.a. liegt.

Risiko und Profitabilität

Auch bei den Risiko- und Profitabilitätskennzahlen überzeugt LVMH. Die Verschuldung ist mit dem 1,4-fachen des operativen Jahresgewinns im grünen Bereich. Zudem sind die Gewinne stabil und nie mehr als 50% im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Selbst in der Corona-Pandemie betrug der maximale Drawdown – also der Gewinnrückgang – nur 28%.

Die Profitabilität ist sehr gut. Mit einer Eigenkapitalrendite von über 15% und einer starken Gewinnmarge von jenseits der 20% erhält LVHM die volle Punktzahl.

Langfristige Renditeerwartung: 100%

Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free-Cashflow-Rendite (FCF-Rendite)

Die FCF-Rendite beträgt derzeit 2,59%. Das ist der Betrag, der dem Unternehmen für Dividenden, Aktienrückkäufe oder zur Schuldentilgung zur Verfügung steht. Sofern der gesamte FCF ausgeschüttet werden würde, entspräche die FCF-Rendite der maximal möglichen Dividendenrendite.

Das langfristige Gewinnwachstum schätze ich aufgrund der erwarteten Entwicklung in den kommenden drei Jahren bei Umsatz und Gewinn auf 10%. Dies ergibt sich aus dem Mittelwert von erwartetem Umsatz- und Gewinnwachstum der kommenden drei Jahre abzüglich einer Sicherheitsmarge von 10%, maximal aber 10% insgesamt.

Demnach ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von fast 12,59%. Dies ist eine außerordentlich hohe Renditeerwartung, vor allem, wenn man das solide und risikoarme Geschäftsmodell berücksichtigt.

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Bewertung

Langfristig sehe ich persönlich die LVMH-Aktie als lohnendes Investment an. Aber wie steht es aktuell um die Bewertung? Hierfür ziehe ich verschiedene Verfahren heran. Diese können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Sie hängen zudem stark von den getroffenen Annahmen ab. Sofern du andere Wachstumswerte für realistischer hältst, können die Bewertungsverfahren natürlich komplett andere Ergebnisse liefern.

Historischer Vergleich

Historisch gesehen ist die Aktie aktuell hoch bewertet. Sowohl das aktuelle KGV als auch das KUV liegen mehr als 10% über dem Schnitt der letzten 10 Jahre. Die Dividendenrendite ist aktuell nur halb so hoch.

Einfaches KGV-Modell

Bei diesem Modell schaue ich, wie hoch der Aktienkurs in 10 Jahren voraussichtlich sein wird und bestimme damit die jährliche Renditeerwartung.

Ausgangspunkt ist der voraussichtliche Gewinn pro Aktie (EPS = Earings per share) des Jahres 2021. Dieser soll bei 17,10 EUR liegen. Aufgrund der aktuellen Schätzungen für die EPS-Entwicklung unterstelle ich ein jährliches EPS-Wachstum von 10% in den nächsten 10 Jahren.

Für das KGV in 10 Jahren lege ich einmal das aktuelle KGV von 36, einmal das historische KGV von 20 und zuletzt ein für mich realistisches KGV von 30 an. Nach Abzug einer Sicherheitsmarge würde LVMH unter Berücksichtigung der aktuellen Dividendenrendite eine jährliche Rendite von 4-11% p.a. einbringen. Dies ist eher unterdurchschnittlich und spricht ebenfalls aktuell für eine Überbewertung.

Einfaches Discounted Cashflow Modell

Auch das einfache Discounted Cashflow Modell deutet aktuell auf eine deutliche Unterbewertung hin. Hierbei habe ich das von Analysten erwartete Nettoergebnis für 2023 zugrunde gelegt und unterstellt, dass dieses zunächst mit 11% weiterwächst. Dies entspricht dem Wachstum beim Nettoergebnis in den letzten Jahren. Alle 5 Jahre habe ich angenommen, dass das Wachstum um 25% abnimmt.

Bei diesen konservativen Annahmen ergibt sich eine aktuelle Überbewertung von 37%.

Fazit zur Bewertung

Alle drei Bewertungsverfahren deuten aktuell auf eine Überbewertung hin. Aufgrund des soliden Geschäftsmodells und des tiefen Burggrabens ist dies aber nicht überraschend. LVHM steht für sichere Erträge und Renditen. Die Risiken scheinen überschaubar zu sein. Investoren sind daher auch bereit, beim Kauf der LVMH Aktien auf etwas Rendite zu verzichten, dafür aber höchste Qualität im Depot zu haben.

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Die Dividende

LVMH zahlt auch eine Dividende. Diese ist mit 1,1% nicht hoch, lag in der Vergangenheit aber auch schon bei über 2%. Führt man sich die jährlichen Steigerungsraten bei der Dividende von 22% in den letzten 5 Jahren vor Augen, wird die Aktie für Dividendenjäger wohl sehr attraktiv.

Das Unternehmen zahlt dreimal im Jahr eine Dividende. Ausschüttungsmonate sind April, Juli und Dezember. Infolge der Corona Krise wurde die Dividende erstmalig seit längerem nicht gesteigert, sondern sogar etwas gesenkt. In den kommenden Jahre sollte die Dividende aber wieder angehoben werden.

Dividendenrendite1,10%
Auszahlungen/Jahr3
Stabilität der Dividende0,91 (max. 1,0)
Keine Senkung seit0 Jahren
Jährlicher
Dividendenzuwachs
22,27 % (5 Jahre)
15,72 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote92,2 % (auf den Gewinn/FFO)
48,9 % (auf den Free Cash Flow)
Quelle: aktienfinder.net

Gegen LVMH als Dividendenwert spricht allerdings die französische Quellensteuer. Auch wenn Frankreich nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich nur 15% an Quellensteuer einbehalten darf, die zudem voll in Deutschland auf die Abgeltungssteuer anrechenbar ist, werden auf Dividenden französischer Unternehmen zunächst 30% an der Quelle einbehalten. Grundsätzlich haben Anleger die Möglichkeit, den Differenzbetrag beim französischen Fiskus zurückzufordern. In der Praxis ist dies jedoch aufwändig und in den meisten Fällen nicht wirtschaftlich.

In meinem Artikel zu Air Liquide habe ich das Thema nochmals sehr ausführlich dargestellt. Den Artikel findest du hier.

Würde ich die Aktie kaufen?

Ich persönlich sehe LVMH als kaufenswertes Investment an. Ich denke, dass LVMH aufgrund seiner traditionsreichen Luxusmarken eine stabile und starke Marktposition hat und dadurch auch in Zukunft weiter wachsen wird.

Mit einem Score von 98% vereint das Unternehmen alles, was ich mir von einem Investment wünsche: Wachstum, Profitabilität, hohe Renditeerwartung bei überschaubarem Risiko.

Aktuell ist die Aktie hoch bewertet. Wer investiert ist, kann sich freuen. Alle anderen könnten entweder abwarten (allerdings kann es durchaus sein, dass es keine größeren Rücksetzer bei der Aktie geben wird) oder die Aktie in einen Aktiensparplan aufnehmen. Qualität hat eben seinen Preis…

Aber wie immer gilt: Das ist nur meine persönliche Meinung – bitte beachtet den Disclaimer…

Viele Grüße

Euer Norman 🙂

Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder eine sonstige Beratung. Es handelt sich lediglich um meine persönliche Meinung.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Ich kann daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

Quellen