Air Liquide – Dividendencheck

Viele Privatanleger verfolgen beim Vermögensaufbau eine Dividendenstrategie. Es ist sehr motivierend, wenn regelmäßig Dividenden auf dem Konto gutgeschrieben werden, die idealerweise von Jahr zu Jahr auch noch mehr werden. Im Rahmen eines neuen Formates schaue ich mir regelmäßig Dividendenaktien an und prüfe, ob diese für mein Dividendendepot besonders geeignet erscheinen.

Inhaltsverzeichnis
  1. Die Aktie im Überblick
  2. Was macht Air Liquide?
  3. Dividendenkennzahlen
    1. Überblick
    2. Auszahlungen
    3. Dividendenwachstum
    4. Ausschüttungsquote und Stabilität
    5. Dividendenrendite
  4. Quellensteuer
    1. Grundsätzliches
    2. Das Problem
    3. Die Lösung?
  5. Fazit

1. Die Aktie im Überblick

LandFrankreich
SektorGrundstoffe
ISINFR0000120073
Börsenwert66,44 Milliarden EUR
Aktienkurs140,44 EUR
Innerhalb der letzten 12 Monate konnte die Air Liquide Aktie um 18,24% zulegen. Auf Sicht von 5 Jahren betragen die Kursgewinne 62,32%. Quelle: http://www.aktienfinder.net

2. Was macht Air Liquide?

Air Liquide ist eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich von Industriegasen. Der Firmensitz liegt in Frankreich, Paris.

Gase kommen bei zahlreichen Anwendungen zum Einsatz. Air Liquide beliefert beispielsweise die Halbleiterhersteller der Elektronikindustrie mit technischen Gasen, mit Flüssigchemikalien und Abfülleinrichtungen. Gase kommen ebenfalls im medizinischen Bereich zum Einsatz. Im Krankenhaus übernimmt Air Liquide beispielsweise die Versorgung mit medizinischem Sauerstoff und anderen Gasen, z.B. Lachgas. Besondere Fantasie bekommt die Aktie aufgrund des aufkommenden Wasserstofftrends in der Industrie.

Größter Konkurrent ist die Linde PLC, die ich mir vor kurzem genauer angeschaut habe. Die Analyse zu Linde findest du hier.

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3. Dividendenkennzahlen

Überblick

Dividendenrendite1,98%
Auszahlungen/Jahr1
Steigert seit2 Jahren
Keine Senkung seit12 Jahren
Stabilität der Dividende0,98 (max. 1,0)
Jährlicher
Dividendenzuwachs
1,94 % (5 Jahre)
4,1 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote53,5 % (auf den Gewinn/FFO)
56,1 % (auf den Free Cash Flow)

Auszahlungen

Air Liquide schüttet 1 Mal im Jahr eine Dividende aus. Die Dividende wird im Mai gezahlt.

Ex-DatumZahltagBetrag
17.05.202119.05.20212,75 EUR
11.05.202013.05.20202,70 EUR
20.05.201922.05.20192,65 EUR
28.05.201830.05.20182,65 EUR
15.05.201717.05.20172,60 EUR
23.05.201625.05.20162,53 EUR
18.05.201520.05.20152,48 EUR
16.05.201421.05.20142,26 EUR

Dividendenwachstum

Air Liquide hat in den letzten beiden Jahren die Dividende gesteigert. Da die Dividende im Jahr 2019 lediglich konstant bei 2,65 Euro gehalten wurde, ist der Track Record hier unterbrochen worden. Immerhin wurde die Dividende in den letzten 12 Jahren nie gesenkt.

Mit gut 2% wuchs die Dividende in den letzten 5 Jahren nur schwach. Blickt man auf die Steigerung der letzten 10 Jahre, so ergibt sich immerhin eine Wachstumsrate von 4% p.a..

Quelle: http://www.aktienfinder.net

Ausschüttungsquote und Stabilität

Die Ausschüttungsquote bezogen auf den Gewinn beträgt 53,5% und liegt damit im Optimalbereich. Bezogen auf den Free-Cash-Flow liegt sie ebenfalls bei soliden 56,1%. 

Air Liquide ist eine sehr solider Dividendenzahler. Die Stabilität der Dividende liegt bei 0,98 (max. 1,0). Dies bedeutet, dass Air Liquide sehr konstant jedes Jahr mehr Dividende zahlt.

Dividendenrendite

Mit aktuell knapp 2% ist Air Liquide – vor allem aufgrund der hohen Stabilität der Dividende – durchaus interessant für Dividendeninvestoren.

Aktuell liegt die Dividendenrendite in etwas im Durchschnitt der letzten 12 Monate (2,03%). In der Vergangenheit lag die Rendite allerdings auch schon deutlich darüber – historisch gesehen ist die Dividendenrendite aktuell auf einem sehr geringen Niveau.

Interessant ist auch, dass sich Air Liquide zur Aktionärskultur bekennt und langfristig orientierte Anleger mit einer jährlichen Bonusdividende von 10% belohnt. Wer die Aktie nämlich mehr als zwei volle Kalenderjahren hält, bekommt danach 10% mehr Dividende.

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4. Quellensteuer

Leider sind französische Aktien für Dividendenjäger nur bedingt geeignet. Dies liegt an der französischen Quellensteuer und dem komplizierten Erstattungsverfahren.

Grundsätzliches

Nach Artikel 9 des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und Frankreich sind Dividenden bei in Deutschland ansässigen Personen in Deutschland zu versteuern. Soweit – so gut. Allerdings darf Frankreich eine 15%ige Quellensteuer erheben. Diese wird auf die deutsche Steuer angerechnet. Insoweit stellt dies noch immer kein Problem dar:

Dividende100
Quellensteuer in Frankreich (15%)15%
Abgeltungsteuer in Deutschland (25% abzgl. Quellensteuer 15%)10%
Gesamtsteuerbelastung25%
Nettodividende75
Darstellung aus Vereinfachungsgründen ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer

Damit zahlt ein Anleger grundsätzlich genauso viel Steuern, als hätte er die Dividende von einer in Deutschland ansässigen Gesellschaft erhalten: 25%.

Das Problem

Obwohl Frankreich nach dem Doppelbesteuerungsabkommen 15% an Quellensteuer erheben darf, hat das Land seine Quellensteuer im Jahr 2018 sogar von 30% auf 12,8% gesenkt. Leider kommen deutsche Anleger nicht in den Genuss dieses niedrigen Quellensteuersatzes. Denn die depotführenden Banken ziehen wie bisher den Quellensteuersatz von 30% ein. Dies liegt daran, dass der reduzierte Steuersatz von 12,8% nur für Nichtfranzosen gilt.

Wertpapierlagerstellen wie Clearstream wissen aber nicht, in welchem Land der Anleger steuerpflichtig ist. Daher wird aus Sicherheitsgründen der höhere Satz von 30% abgezogen. Hinzukommt, dass bei der Anrechnung auf die deutsche Steuer nur noch 12,8% (und nicht mehr 15%) angerechnet werden.

Dividende100
Quellensteuer in Frankreich (30%)30%
Abgeltungsteuer in Deutschland (25% abzgl. Quellensteuer 12,8%)12,2%
Gesamtsteuerbelastung42,2%
Nettodividende57,8
Darstellung aus Vereinfachungsgründen ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer

Die Lösung?

Anleger können ein Antrag auf Vorabermäßigung stellen. Hiermit wird dem französischen Fiskus vor der Dividendenzahlung bescheinigt, dass ein in Deutschland ansässiger Anleger die Dividende erhält. Leider bieten die meisten deutsche Depotbanken die Vorabermäßigung nicht an. Ausnahme soll die DKB sein – hier habe ich allerdings kein Depot und damit auch keine Erfahrung.

In den anderen Fällen bleibt uns Anlegern nichts anderes übrig, als die zu viel abgeführte Quellensteuer in Höhe von 17,2% vom französischen Fiskus zurückfordern. Das mehrsprachige Erstattungsformular findet man über das Bundeszentralamt für Steuern als online ausfüllbare Variante. Beizufügen ist eine Bestätigung über den deutschen Wohnsitz vom Finanzamt.

Leider kann man den Antrag nicht selbst nach Frankreich schicken und die Rückzahlung der zu viel einbehaltenen Quellensteuer beantragen. Erstattungsanträge werden nur bearbeitet, sofern diese über die Depotbank eingereicht werden und die deutsche Lagerstelle (Clearstream) zudem bestätigt, dass die Aktien in einem deutschen Depot verwahrt werden. Und das lassen sich viele Depotbanken teuer bezahlen. Laut aktuellem Preisverzeichnis verlangt die ING derzeit 50 Euro pro Antrag. Eigentlich unglaublich, geht es hierbei lediglich um die Weiterleitung des von Anleger selbst ausgefüllten Antrages. Hinzu kommen die Gebühren von Clearstream.

Bei geringen Beträgen lohnt sich das Erstattungsverfahren daher leider nicht. Anleger müssen die höhere Besteuerung wohl leider mit einkalkulieren…

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5. Fazit

Air Liquide ist aus meiner Sicht ein sehr solides Investment. Das Unternehmen bewegt sich in einem sicheren und gleichzeitig zukunftsträchtigen Markt. Die Dividende ist attraktiv und stabil. Die Dividendensteigerungen sind allerdings gering. Hinzu kommt die Tatsache, dass Dividenden französischer Gesellschaften bei in Deutschland ansässigen Personen i. d. R. höher besteuert werden als Dividenden deutscher Unternehmen. Dies drückt auf die Rendite und sollte mit eingeplant werden.

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder eine sonstige Beratung. Es handelt sich nicht um Steuerberatung. Es handelt sich lediglich um meine persönliche Meinung.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Ich kann daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

Quellen

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