Vestas – frischer Wind für das Depot?

Mit dem „Green Deal“ setzt die EU auf klimafreundliche Technologien. Und auch der neue US-Präsident möchte den Ausbau regenerativer Energien vorantreiben. Hiervon profitieren die Hersteller von Windturbinen sowie deren Zulieferer. Die Windkraft gilt als Schlüsseltechnologie für den erfolgreichen Klimawandel. Heute schaue ich mir den Markführer in diesem Bereich an. Lohnt sich jetzt noch der Einstieg?

Vestas Aktienanalyse

Inhaltsverzeichnis
  1. Die Aktie im Überblick
  2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp
    1. Was macht Vestas
    2. Umsatzverteilung
    3. Management / CEO
    4. Branche und Markt
    5. Wettbewerber
  3. Chancen und Risiken
  4. Aktienliebe Score
  5. Bewertung
  6. Die Dividende
  7. Fazit

1. Die Aktie im Überblick

NameVestas Wind Systems A/S
SymbolVWS
SektorIndustrie
Kurs in EUR177,38
Börsenwert in Mrd. EUR31,64
KGV 2021 / 202242 / 35
Dividendenrendite 20210,70%
Aktienliebe Score69,30%

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Was macht Vestas?

Der Marktführer im Bereich Windkraft kommt aus Dänemark. Vestas ist der weltweit größte Hersteller von Anlagen zur Gewinnung von Windenergie. Mit über 25.000 Mitarbeitern ist man in 82 Ländern aktiv.

Vestas ist ein Pure Player im Bereich der Windkraftanlagen. Mit seinen Windrädern trägt das Unternehmen zu einer klimafreundlicheren Energiestrategie bei. Und es läuft derzeit einfach rund bei Vestas. So konnte das Unternehmen zum Quartalsende noch zahlreiche Neuaufträge melden. Neben der Neuinstallation zahlreicher Anlagen geht es dabei auch um langfristige Serviceverträge.

Umsatzverteilung

86% der Umsätze stammen aus dem Bau und Verkauf von Windturbinen und Anlagen zur Gewinnung von Windenergie. Dieser Bereich ist im Geschäftsjahr 2020 um gut 24% gewachsen – klar, die Nachfrage nach neuen Windrädern ist groß. Noch spannender finde ich aber den bislang mit 14% kleinen Dienstleistungsanteil. Hier verdient Vestas durch langfristige Wartungsverträge für die errichteten Anlagen. Sollte die Nachfrage nach neuen Windanlagen nachlassen, wird dieser Geschäftsbereich für konstante und gut planbare Umsätze sorgen.

Geographisch gesehen ist die USA der wohl wichtigste Markt für Vestas, steht er doch für 45% der Umsätze. 35% werden in der EMA (Europe, Middle East, Africa) erwirtschaftet – hinzu kommen noch 6,5% aus dem Heimatland Dänemark.

Management / CEO

CEO ist der 54-jährige Henrik Andersen. Seit 2019 ist er CEO von Vestas. Er hat International Business (Diplom) sowie Rechtswissenschaften (Master) an der Universität in Arhus studiert. Bis heute konnte er viel Erfahrung in den folgenden Positionen sammeln:

2016-2019  Group President & CEO, Hempel A/S (DK)
2013-2015  Group Chief Operating Officer, EMEA, ISS A/S (DK)
2011-2013  Group Chief Financial Officer, ISS A/S (DK)
2009-2011  Country Manager, ISS A/S (UK)
2000-2009  Various management positions in the ISS Group
1995-2000  Director Corporate Clients, Jyske Markets, Jyske Bank A/S (DK)
1986-1995  Various positions, Jyske Bank A/S and Sparekassen SDS (DK)

Henrik Andersen hält aktuell selbst Aktien von Vestas im Wert von knapp 2 Mio. EUR.

Branche und Markt

Windenergie wird bereits seit dem Altertum genutzt. So wurde mittels Windmühlen gewonnene mechanische Energie genutzt um beispielsweise Korn zu Mehl zu mahlen, Grundwasser an die Erdoberfläche zu fördern oder auch Sägewerke zu betreiben. Heute ist die Windkraft eine der Schlüsseltechnologien für die zukünftige Energieversorgung. Der Energieträger Wind ist kostenlos und unbegrenzt verfügbar. Und vor allem ist die Windenergie „sauber“ – es wird kein CO2 freigesetzt.

Nach Angaben des Verbraucherportals Verivox machen erneuerbare Energien bereits knapp 65% im Energiemix in Deutschland aus. Die Windenergie stellt dabei mit einem Gesamtanteil von über 48% den größten Energieposten dar.

Auch wenn es vielen nicht schnell genug vorangeht, zählt Deutschland sicherlich zu den Ländern, die den Ausbau der Windkraft in den letzten Jahren stark vorangetrieben haben. Nun ziehen jedoch auch viele andere Länder nach. So wurde in den USA, entgegen der Ankündigungen des Ex-Präsidenten Trump, so viele Kohlekraftwerke stillgelegt wie nie zuvor. Im Gegenzug wurde sogar ein neuer Rekord bei neu errichteten Windkraftanlagen aufgestellt.

Beim kürzlich stattgefundenen Online-Klimagipfel hat US-Präsident Joe Biden eine Kehrtwende bei der Klimapolitik verkündet. So will die USA bis zum Ende des Jahrzehnts seine Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2005 mindestens halbieren.

Und auch die EU triebt den Ausbau voran. So wurde das Ziel für den Anteil an erneuerbaren Energien nochmals angehoben. Einige EU-Staaten haben sich selbst sogar noch mutigeren Ziele auferlegt (z.B. Dänemark oder Schweden). Insgesamt lässt sich festhalten, dass diese Entwicklung nicht aufzuhalten ist. Immer mehr Firmen geben Klimaneutralität als Unternehmensziel an. Dies lässt sich nur dann erreichen, wenn erneuerbare Energien – und damit auch die Windkraft – weiter stark ausgebaut werden.

Unternehmen, die Windkraftanlagen errichten, profitieren von einer steigenden Nachfrage. Welche Unternehmen sind in diesem Markt aktiv?

Wettbewerber

Der Markt ist aufgrund des Wachstums attraktiv. Wettbewerber gibt es einige. Die größten Wettbewerber sind Siemens Gamesa und Goldwind aus China. Auch GE spielt eine große Rolle. In letzter Zeit rückt auch immer mehr die deutsche Nordex in den Fokus. Monatlich verkündet das Unternehmen neue positive Nachrichten.

Quelle: http://www.en-former.com
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3. Chancen und Risiken

Chancen

Energiewende: Nicht nur Deutschland setzt zunehmend auf regenerative Energien. Auch in den anderen EU Staaten, den USA und in Asien hat ein Umdenken eingesetzt. Die Nachfrage nach Windkraftanalagen steigt und ist auf Jahrzehnte gesichert.

Gute Positionierung: Vestas ist Marktführer und hat einen guten und anerkannten Namen, der für Qualität und Erfahrung steht.

Wachsendes Service-Geschäft: Derzeit boomt noch der Anlagenbau. Dieser ist jedoch konjunkturabhängig und projektbezogen. Zukünftig wird wohl das Service-Geschäft an Bedeutung gewinnen und für sichere und gut planbare Einnahmen sorgen – vergleichbar eines Abo-Modells.

Risiken

Günstigere Konkurrenz aus China verdrängt europäische Anbieter: Viele wissen es vielleicht noch, dass deutsche Unternehmen einmal führend bei der Produktion von Solarzellen waren (Solarworld, Q-Cells und Co.). Dann kam die günstigere Konkurrenz aus China und verdrängte die Platzhirsche. Es könnte also auch sein, dass das Gleiche bei den Windkraftherstellern geschieht. Der Markt ist lukrativ und könnte weitere Player auf den Plan rufen. Ich schätze dieses Risiko insgesamt als mittel ein.

Neuere und effizientere Technologien verdrängen die Windkraft: Im Bereich regenerativer Energien stehen wir noch am Anfang. Erst nach und nach hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir zukünftig fast vollständig auf Wind- und Solarenergie sowie andere regenerative Lösungen umstellen müssen, wenn wir die weltweite Klimaerwärmung in den Griff bekommen möchten. Viele Firmen forschen an weiteren Alternativen. Sollte eine Technologie auf den Markt kommen, die effizienter und günstiger ist als Windkraft, würde das Geschäftsmodell von Vestas von heute auf morgen vollständig disruptiert werden. Ich schätze dieses Risiko als gering ein.

4. Aktienliebe Score

Jetzt schauen wir uns wie immer die harten Zahlen an. Vestas erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 69%. Damit kommt die Aktie für mich persönlich als Investment grundsätzlich nicht in Betracht, denn ich investiere gerne in Unternehmen mit einem Score von 80% oder mehr. Schauen wir uns dennoch Qualitätsparameter und Renditeerwartung einmal genauer an.

Qualität: 60%

Wachstum

Das Wachstum in den letzten 10 Jahren war gut, sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Gewinn konnte Vestas ca. 8% p.a. zulegen. Der Umsatz soll laut Analystenschätzungen in den kommenden drei Jahren nur um gut 4% p.a. steigen. Dies finde ich persönlich eher enttäuschend. Aufgrund von Margenverbesserungen rechnen die Analysten allerdings mit einem starken Anstieg beim operativen Gewinn.

Risiko und Profitabilität

Punktabzug gibt es aufgrund der fehlenden Gewinnkonstanz in der Vergangenheit sowie der bislang eher geringen operativen Gewinnmarge von nur 7%. Positiv ist, dass Vestas keine Nettoverschuldung hat, sondern über eine Nettoliquidität von rund 2 Mrd. EUR verfügt. Dies ist angesichts der Kapitalintensität des Geschäftsmodells ein echter Pluspunkt.

Langfristige Renditeerwartung: 79%

Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free-Cashflow-Rendite (FCF-Rendite)

Die FCF-Rendite beträgt derzeit 1,86%. Das ist der Betrag, der dem Unternehmen für Dividenden, Aktienrückkäufe oder zur Schuldentilgung zur Verfügung steht. Sofern der gesamte FCF ausgeschüttet werden würde, entspräche die FCF-Rendite der maximal möglichen Dividendenrendite.

Das langfristige Gewinnwachstum schätze ich aufgrund der erwarteten Entwicklung in den kommenden drei Jahren bei Umsatz und Gewinn (s.o.) auf ca. 8%. Dies ergibt sich aus dem Mittelwert von erwartetem Umsatz- und Gewinnwachstum der kommenden drei Jahre abzüglich einer Sicherheitsmarge von 10%.

Demnach ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von 9,86%. Dies ist eine gute Renditeerwartung, andere Werte versprechen m.E. aber eine deutlich höhere Erwartung bei ebenfalls höherer Qualität.

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5. Bewertung

Für die Bewertung der Aktie ziehe ich verschiedene Verfahren heran. Diese können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Sie hängen zudem stark von den getroffenen Annahmen ab. Sofern du andere Wachstumswerte für realistischer hältst, können die Bewertungsverfahren natürlich komplett andere Ergebnisse liefern.

Historischer Vergleich

Beim historischen Vergleich zu den letzten drei Jahren ergibt sich ein einheitliches Bild. Das KGV und das KUV liegen aktuell fast doppelt so hoch wie der Median der letzten 10 Jahre. Und auch die Dividendenrendite ist derzeit nur halb so hoch wie im Schnitt der letzten Jahre. Historisch gesehen ist die Aktie derzeit stark überbewertet.

Einfaches KGV-Modell

Bei diesem Modell schaue ich, wie hoch der Aktienkurs in 10 Jahren voraussichtlich sein wird und bestimme damit die jährliche Renditeerwartung.

Ausgangspunkt ist der Gewinn pro Aktie (EPS = Earings per share) des Jahres 2020. Dieser lag bei 3,89 EUR. Aufgrund der aktuellen Schätzungen der Analysten für die EPS-Entwicklung unterstelle ich für alle Szenarien ein jährliches EPS-Wachstum von 10% in den nächsten 10 Jahren.

Für das KGV in 10 Jahren lege ich einmal das aktuelle KGV von 42, einmal das historische KGV von 20 und einmal ein m.E. realistisches KGV von 30 an. Nach Abzug einer Sicherheitsmarge würde Vestas unter Berücksichtigung der aktuellen Dividendenrendite eine jährliche Rendite zwischen 2 – 10% p.a. einbringen.

Einfaches Discounted-Cashflow-Modell

Bei diesem Modell versucht man den Unternehmenswert mittels Schätzung des zukünftigen Cashflows bzw. der Gewinne zu ermitteln. Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass der Wert eines Unternehmens allen zukünftigen Cashflows bzw. Gewinnen, abgezinst auf den heutigen Tag, entspricht. Das Ergebnis hängt daher auch stark davon ab, welche Annahmen man unterstellt.

Für die Jahre 2021 – 2023 gehe ich daher immer von den vorliegenden Analystenschätzungen aus und unterstelle, dass dieses Wachstum bis 2026 auf 15% absinkt. Anschließend unterstelle ich vereinfachend, dass Cashflows und Gewinne alle 5 Jahre um 20% zurückgehen.

Ich finde diese Wachstumsannahmen bereits sehr optimistisch. Und dennoch ergibt sich eine deutliche Überbewertung von 47%.

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6. Die Dividende

Vestas zahlt auch Dividende. Mit einer aktuellen Dividendenrendite von 0,70% ist die Aktie aber wohl eher nicht so interessant für Dividendeninvestoren.

Dividendenrendite0,70%
Auszahlungen/Jahr1
Steigert seit2 Jahren
Keine Senkung seit2 Jahren
Stabilität der Dividende0,84 (max. 1,0)
Jährlicher Dividendenzuwachs5,17 % (5 Jahre)
Ausschüttungsquote29,2 % (auf den Gewinn/FFO)
61,3 % (auf den Free Cash Flow)
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7. Fazit

Windkraftanlagen sind eine Zukunftstechnologie. Das Marktwachstum ist intakt und für Vestas als Marktführer sind die Aussichten rosig.

Für mich persönlich ist die Aktie aber aktuell kein Kauf. Die Qualität ist mit einem Score von unter 70% nicht ausreichend, die Bewertung aktuell eher hoch. Die Aktie ist – wie so viele andere aus diesem Bereich – sehr gut gelaufen und aktuell überbewertet.

Sollte der Aktienkurs infolge einer stärkeren Korrektur deutlich zurückkommen, würde ich ggf. nochmals eine Investition prüfen, da mir die Branche sehr gut gefällt.

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder eine sonstige Beratung. Es handelt sich lediglich um meine persönliche Meinung.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Ich kann daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

Quellen