MIPS AB – Gut für den Kopf, gut fürs depot

Beim heutigen Artikel handelt es sich um ein Update meiner Analyse aus dem September letzten Jahres. Ich bin bereits damals zu der Einschätzung gekommen, dass die MIPS Aktie für mich kaufenswert war. Ich hatte nach meinem Artikel deshalb zugeschlagen und die Aktie mit ins Depot gelegt. Heute liege ich gut 80% im Plus – die Aktie hat sich also fast verdoppelt. Grund genug, mir die aktuelle Bewertung nochmals genau anzuschauen und zu prüfen, ob die Aktie nun überbewertet ist oder ich sie weiterhin halten sollte.

MIPS AB Aktienanalyse

Inhaltsverzeichnis

Das in Schweden ansässige Unternehmen MIPS AB sorgt mit seinen Produkten für die Sicherheit von Helmen und den Schutz des Gehirns bei Stürzen. Durch die einzigartige MIPS Brain Protection System (BPS) Technologie können Mountainbiker, Motorradfahrer, Skifahrer aber auch Soldaten und Polizisten bei abgewinkelten Schlägen auf den Kopf oder Stürzen besser vor Gehirnschäden geschützt werden. BPS wurde von Wissenschaftlern entwickelt und wird heute in mehr als 70 Helmmarken verwendet – Tendenz weiter steigend.

1. Die Aktie im Überblick

NameMIPS AB
SymbolMIPS
SektorZyklischer Konsum
Kurs in SEK623,50
Börsenwert in Mio. SEK16.011
KGV 2021 / 202280 / 61
Dividendenrendite 20210,71%
Aktienliebe Score89,77%

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Unternehmensgeschichte. Danach schauen wir genauer, worum es sich bei der MIPS BPS Technologie überhaupt handelt, wie die Strategie des Unternehmens aussieht und wie MIPS AB sein Geld verdient. Abschließend geben wir noch einen kurzen Abriss darüber, welche Auswirkungen Covid 19 kurz- und langfristig auf die Geschäftsentwicklung hat.

Unternehmensgeschichte

Im Jahr 1995 wurde die MIPS BPS Technologie von Wissenschaftlern der Königlich Technischen Hochschule und einem Hirnchirurgen des Karolinska-Instituts in Stockholm (Schweden) entwickelt.

BPS steht für Brain Protection System (dt. „Gehirnschutzsystem“), MIPS steht für Multi-directional Impact Protection System (dt. „Multi-direktionales Aufprallschutzsystem“). Mit dieser Technologie wird es dem Kopf ermöglicht, im Helm zu gleiten. Bei einem schrägen Aufprall können somit schädliche Rotationskräfte reduziert werden, die ansonsten schnell zu Gehirnerschütterungen oder anderen schweren Hirnverletzungen führen können.

Nach erfolgreicher Testphase wird MIPS AB im Jahr 2001 gegründet. 2015 erreicht das Unternehmen die Schwelle der Profitabilität und wird am 23. März 2017 an die Börse in Stockholm gebracht.

Quelle: Investorenpräsentation MIPS AB zum Capital Markets Day 2019

Die MIPS BPS Technologie

Rotationsbewegungen können bei Aufprällen schädlich für das Gehirn sein. Diese entstehen, wenn sich das Gehirn weiterbewegt oder dehnt, nachdem der Kopf bei einem schrägen Aufprall zu einem schnellen und plötzlichen Halt gekommen ist. Helme ohne MIPS-Technologie bieten zwar auch Schutz, allerdings jedoch nur bei linearen Aufprallszenarien (also wenn der Kopf nicht schräg, sondern gerade auf einen Gegenstand/Untergrund auftrifft). Dies kommt in der Praxis jedoch fast nie vor. Hirnschäden und umfangreichere Kopfverletzungen können die Folge sein.

Gute Helme werden daher mit der MIPS-Technologie ausgestattet. Diese sorgt dafür, dass die Rotationskräfte bei einem Schrägaufprall abgefangen bzw. absorbiert werden. Damit sinkt die Verletzungsgefahr für das Gehirn. Das System besteht aus einer reibungsarmen Kunststoffschale, die über dehnbare Halterungen schwimmend in der Schale des Helms angebracht wird. Bei einem Sturz soll sie sich gegen die Helmschale verschieben und die Rotationsenergie auffangen bzw. vermindern. Der Kopf kann so im Helm gleiten.

Quelle: Investorenpräsentation MIPS AB zum Capital Markets Day 2019

Heute ist es ein Qualitätsmerkmal für Helme geworden, wenn sie die MIPS-Technologie vorweisen. MIPS AB stattet Helmhersteller verschiedener Sektoren mit seiner Technologie aus:

  • Sport: Fahrrad, Skisport, Hockey u.a.
  • Motor: Motorradhelme, Rennsport u.a.
  • Sicherheit: Industrie, Militär, Polizei und Feuerwehr u.a.
Quelle: Investorenpräsentation MIPS AB zum Capital Markets Day 2019

Strategie

Vor unserer Analyse haben wir noch nichts von MIPS AB und der Technologie gehört. Wir denken, das geht vielen von euch auch so. MIPS möchte daher zur Steigerung der Bekanntheit 5-7% des Umsatzes in die MIPS Marke investieren. Alle Helme, die mit der MIPS-Technologie ausgestattet sind, müssen beispielsweise das gelbe MIPS Logo aufweisen. Es ist die Vision des Unternehmens, dass Kunden bei Helmkäufen vorab immer darauf achten, ob das gelbe MIPS-Logo auf dem Helm ersichtlich ist, da dieses mehr Sicherheit verspricht. Kunden sollten dann nur noch Helme mit dieser Technologie kaufen – wer möchte schon an der Sicherheit sparen?

Weitere 5-7% der Umsätze sollen jährlich in Forschung investiert werden. Man möchte so die Position als führender Anbieter von Sicherheitssystemen für Helme sichern.

MIPS schätzt seinen Marktanteil heute auf rund drei Prozent. Bis 2025 soll er auf 14 Prozent ausgeweitet werden.

Umsatz

MIPS AB berichtet in zwei Geschäftsbereichen, wobei das Hauptgeschäft die Produktion und Lieferung der MIPS-Komponenten darstellt. Mit 4% Umsatzanteil können die Services (also die Implementation der Technologie) vernachlässigt werden.

Der Großteil der Umsätze (knapp 70%) wird in Nordamerika erwirtschaftet, immerhin noch knapp 25% in Europa (inkl. Schweden). Es fällt jedoch auf, dass im sich dynamisch entwickelnden Asien (insbesondere China) bislang nur 5% der Umsätze erwirtschaftet werden. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass hier ein enormes Wachstumspotential liegt.

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3. Aktienliebe Score

MIPS AB erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Spitzenwert von 90%. Grundsätzlich finde ich persönlich Unternehmen ab einem Score von 80% interessant. Schauen wir uns Qualität und Renditeerwartung wie immer genauer an.

Qualität: 90%

Wachstum

Umsatz und Gewinn wachsen extrem stark. In den letzten Jahren konnte MIPS mit 70% bzw. 57% p.a. zulegen. Auch in den kommenden drei Jahren gehen die Schätzungen davon aus, dass Umsatz und Gewinn weiterhin mit über 30% p.a. steigen werden. Dies zeigt, wie groß das Potential von MIPS ist.

Risiko und Profitabilität

MIPS erfüllt fast alle Anforderungen, die ich an eine gute Aktie habe. Das Unternehmen verfügt über keine Nettoschulden, die Gewinne wachsen konstant Jahr für Jahr. Der maximale Drawdown (Gewinnrückgang bezogen auf den Vorjahresgewinn) liegt bei 0%. Das bedeutet, MIPS konnte jedes Jahr den Gewinn im Vergleich zum Vorjahr steigern,

Beeindruckend ist die operative Gewinnmarge von fast 50%. Das ist unglaublich und zeigt, wie stark die Position von MIPS aufgrund ihrer einzigartigen Technologie ist. Von jedem erwirtschafteten Euro Umsatz bleiben rund 50 Cent als Gewinn im Unternehmen. Diese hohe Marge deutet zudem auf den Burggraben des Unternehmens hin.

Lediglich aufgrund der Tatsache, dass mir nur Daten für die letzten 9 Jahre vorliegen, ist das Kriterium der Gewinnkontinuität nicht ganz erfüllt.

Langfristige Renditeerwartung: 90%

Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free-Cashflow-Rendite (FCF-Rendite)

Die FCF-Rendite beträgt derzeit 1,19%. Das ist der Betrag, der dem Unternehmen für Dividenden, Aktienrückkäufe oder zur Schuldentilgung zur Verfügung steht. Sofern der gesamte FCF ausgeschüttet werden würde, entspräche die FCF-Rendite der maximal möglichen Dividendenrendite.

Das langfristige Gewinnwachstum schätze ich aufgrund der erwarteten Entwicklung in den kommenden drei Jahren bei Umsatz und Gewinn (s.o.) auf deutlich mehr als 10%. Dies ist der maximale Betrag, den ich in meiner Scorecard bei der Ermittlung der Renditeerwartung berücksichtige.

Demnach ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von rund 11,19%. Dies ist eine überdurchschnittliche Renditeerwartung, zumal ich das Wachstum mit 10% p.a. sehr konservativ berücksichtigt habe.

4. Bewertung

Für die Bewertung der Aktie ziehe ich verschiedene Verfahren heran. Diese können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Sie hängen zudem stark von den getroffenen Annahmen ab. Sofern du andere Wachstumswerte für realistischer hältst, können die Bewertungsverfahren natürlich komplett andere Ergebnisse liefern.

Historischer Vergleich

Beim historischen Vergleich zu den letzten drei Jahren erkennt man, dass die MIPS Aktie derzeit deutlich höher bewertet ist als in der Vergangenheit. Zwar liegt das KGV nur leicht über dem historischen Schnit, liegt aktuell aber unter dem Median der letzten drei Jahre. Das KUV und die Dividendenrendite deuten aber auf eine aktuelle Überbewertung hin.

Einfaches KGV-Modell

Bei diesem Modell schaue ich, wie hoch der Aktienkurs in 10 Jahren voraussichtlich sein wird und bestimme damit die jährliche Renditeerwartung.

Ausgangspunkt ist der Gewinn pro Aktie (EPS = Earings per share) des Jahres 2020. Dieser lag bei 4,93 SEK. Aufgrund der aktuellen Schätzungen für die EPS-Entwicklung unterstelle ich für das erste Szenario ein jährliches EPS-Wachstum von 31% in den nächsten 10 Jahren – basierend auf den aktuellen Analystenschätzungen. Im zweiten – eher konservativen Szenario – wird ein Wachstum von 25% p.a. angesetzt.

Für das KGV in 10 Jahren lege ich einmal das historische KGV von 70 und einmal ein faires KGV von 40 an. Nach Abzug einer Sicherheitsmarge würde MIPS unter Berücksichtigung der aktuellen Dividendenrendite eine jährliche Rendite von 24% im optimalen Szenario und 11,5% im konservativen Szenario einbringen.

Einfaches Discounted-Cashflow-Modell

Bei diesem Modell versucht man den Unternehmenswert mittels Schätzung des zukünftigen Cashflows bzw. der Gewinne zu ermitteln. Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass der Wert eines Unternehmens allen zukünftigen Cashflows bzw. Gewinnen, abgezinst auf den heutigen Tag, entspricht. Das Ergebnis hängt daher auch stark davon ab, welche Annahmen man unterstellt.

Für die Jahre 2021 – 2023 gehe ich daher immer von den vorliegenden Analystenschätzungen aus und unterstelle, dass dieses Wachstum bis 2026 anhält. Anschließend unterstelle ich vereinfachend, dass Cashflows und Gewinne alle 5 Jahre um 20% zurückgehen.

Unter diesen Annahmen ergibt sich eine deutliche Unterbewertung von 106%. Danach wäre die Aktie aktuell stark kaufenswert. Natürlich kann man auch ein schwächeres Wachstum unterstellen – in diesem Fall wäre die Unterbewertung geringer. In einer zweiten Berechnung habe ich einmal sehr konservative Annahmen für das Wachstum getroffen. So habe ich unterstellt, dass sich das Wachstum im Zeitraum 2026 – 2031 auf 17,9% p.a. halbiert. Des Weiteren bin ich von einer weiteren Halbierung ab 2031 bzw. 2035 ausgegangen. Bei diesen Annahmen wäre die Aktie derzeit leicht überbewertet.

5. Chancen und Risiken

Chancen

Einzigartige Technologie: An der Gesundheit sollte man nicht sparen. Die Technologie ist wissenschaftlich fundiert und schützt das Gehirn nachweislich besser bei Stürzen. Ich habe mir kürzlich selbst einen neuen Helm gekauft. Der Fachverkäufer sagte mir, dass er nur noch Helme mit MIPS Technologie verkauft.

Enormes Wachstumspotential: Nach eigenen Angaben des Unternehmens sind weltweit erst 3% aller Helme mit der Technologie von MIPS ausgestattet. Bis 2025 soll der Anteil auf 14 Prozent ausgeweitet werden. Gelingt es dem Unternehmen, die Bekanntheit seiner Marke zu steigern und mehr Menschen transparent zu machen, dass die Technologie von MIPS eine viel höhere Sicherheit bietet, wird sich das Geschäft und damit der Aktienkurs vervielfachen.

Risiken

Technologische Disruption: Die Technologie gilt derzeit als führend. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass Konkurrenten eine bessere Möglichkeit entwickeln, wie der Kopf bei Stürzen geschützt werden kann.

Rezession: MIPS wird dem Sektor des zyklischen Konsums zugeordnet. Corona hat bereits gezeigt, dass der Umsatz infolge sinkender Nachfrage zurückgehen kann. Eine anhaltende Rezession könnte das langfristige Wachstum etwas abschwächen. Gleichwohl kommt die Technologie in verschiedenen Helmarten zum Einsatz: Radsport, Ski oder Motorsport sind sicherlich konjunkturanfällig. An der Ausrüstung von Militär, Polizei und Feuerwehr wird hingegen wohl eher weniger gespart.

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6. Die Dividende

Seit dem Jahr 2018 wird auch eine Dividende gezahlt. Die aktuelle Dividendenrendite ist mit 0,71% allerdings noch sehr gering. Gleichwohl bekennt sich MIPS zur Dividende und hat es sich als Ziel gesetzt, jährlich 50% des Gewinns an die Aktionäre auszuschütten. Aufgrund des hohen Gewinnwachstums bedeutet dies daher, dass Investoren in den kommenden Jahren mit wachsenden Dividendenzahlungen rechnen können.

7. Fazit

Ich bin weiterhin der Meinung, dass es sich bei der MIPS AB um eine wahre Perle handelt. Die Wachstumsaussichten sind exzellent, die Kennzahlen mehr als gut. Mit einem Score von 90% ist das Unternehmen auch im Wikifolios enthalten.

Dennoch ist die Aktie aufgrund ihrer geringen Marktkapitalisierung eher als spekulative Depotbeimischung zu sehen. Anleger sollten daher erst einmal eine kleine Position aufbauen. Die Aktie ist zudem hierzulande wenig liquide, deshalb sollte die Order mit einem Limit versehen werden.

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder eine sonstige Beratung. Es handelt sich lediglich um meine persönliche Meinung.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Ich kann daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

Quellen