Linde – Langfristiger Gewinner des Wasserstoffhypes

Keine Frage – das Thema Wasserstoff fasziniert weiterhin die Anleger. Auch wenn die Börsenlieblinge Plug Power, Nel ASA und Co. in den letzten Wochen korrigiert haben, bleiben die Aktien heiß. Abseits von diesem Hype könnten Privatanleger, die weniger Risiko gehen möchten und stattdessen lieber auf Qualitätswerte setzen, die im Gegensatz zu vielen kleinen Wasserstoffwerten äußerst profitabel sind, einen Blick auf die Linde PLC werfen. Und genau das tue ich heute auch…

Linde Aktienanalyse

Inhaltsverzeichnis

1. Die Aktie im Überblick

NameLINDE PUBLIC LIMITED COMPANY
SymbolLIN
SektorIndustrie
Kurs in USD271,18
Börsenwert in Mrd. USD141,35
KGV 2021 / 202235 / 31
Dividendenrendite 20211,57%
Aktienliebe Score78%
Stand26.03.2021
Quelle: AlleAktien Quantitativ

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Die Linde PLC ist seit der Fusion zwischen der Linde AG und Praxair im Jahr 2018 sowohl an der New Yorker Börse als auch an der Frankfurter Wertpapierbörse doppelt notiert. Der Unternehmenssitz ist in Irland, dennoch ist die Aktie im deutschen Leitindex DAX notiert.

Linde ist weltweit führend im Bereich der Industriegase. Die Industriegase von Linde kommen in zahlreichen Bereichen zum Einsatz. So wird beispielsweise der lebensrettende Sauerstoff für Krankenhäuser von Linde geliefert, ebenso spezielle Gase für die Elektronikfertigung. Linde liefert zudem Gasaufbereitungslösungen, um Kundenerweiterungen, Effizienzverbesserungen und Emissionsminderungen zu unterstützen.

Der Großteil des Umsatzes wird durch die Produktion und den Verkauf von Industriegasen (Industrial Gases) erwirtschaftet. Dieser Geschäftsbereich trägt rund 83% zum Gesamtumsatz bei. 10% des Umsatzes stammen aus dem Segment Oberflächentechnik (Engineeing) und 7% aus anderen Aktivitäten.

Quelle: marketscreener.com

Neuerdings gewinnt zudem das Thema Wasserstoff für saubere Kraftstoffe immer mehr an Bedeutung. Auch wenn dies aktuell noch ein Randthema bei Linde ist, verspricht dieser Bereich in den kommenden Jahren ein besonders starkes Wachstum. Egal, wer sich von den vielen kleinen und derzeit stark gehypten Unternehmen im Wasserstoffbereich durchsetzen wird: Alle brauchen diesen Rohstoff für ihr Geschäftsmodell. Und diesen liefert Linde.

Spannend finde ich in diesem Zusammenhang die Beteiligung von Linde am Wasserstoffunternehmen ITM Power PLC, an dem Linde aktuell rund 17,3% der Anteile hält. In Zusammenarbeit wird derzeit eine riesige Elektrolyse Anlage in Leuna gebaut. Hier möchte Linde ab dem Jahr 2022 bis zu 3200 Tonnen grünen Wasserstoff erzeugen.

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3. Aktienliebe Score

Linde erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen soliden Score von 78%. Grundsätzlich finde ich persönlich Unternehmen erst ab einem Score von 80% interessant. Schauen wir uns Qualität und Renditeerwartung einmal genauer an.

Qualität: 84%

Wachstum

Umsatz und Gewinn wachsen zwischen 5% und 11% pro Jahr. Der deutliche Anstieg von 2018 auf 2019 ist durch die Fusion der Linde AG mit Praxair zu erklären. Schön finde ich, dass der operative Gewinn stärker wächst als der Umsatz, vor allem gehen die Analysten in den kommenden drei Jahren davon aus. Dies deutet darauf hin, dass die geplanten Kosteneinsparungen aufgrund von Synergien beginnen zu wirken. Angesichts einer Marktkapitalisierung von rund 140 Mrd. USD ist ein Gewinnwachstum von 8% p.a. ein guter Wert.

Risiko und Profitabilität

Neben dem intakten Wachstum schneidet Linde auch in den anderen Kriterien meiner Scorecard gut ab. Die Nettoverschuldung ist solide und beträgt lediglich das 1,73-fache des operativen Gewinns. Linde könnte somit die gesamte Verschuldung schnell wieder zurückführen.

Des Weiteren beträgt der maximale Drawdown – Gewinnrückgang bezogen auf den Vorjahresgewinn – nur 11%. Dies zeigt, wie solide die Aktie ist und wie gut planbar die Umsätze bzw. Gewinne. Darauf zielt auch die Gewinnkontinuität ab. Linde ist es gelungen, in den letzten 10 Jahren immer einen positiven operativen Gewinn zu erwirtschaften.

Ebenfalls positiv ist die ansehnliche operative Gewinnmarge (EBIT-Marge) von 22%. Von jedem eingenommenen Euro bleiben 22% als Gewinn bei Linde hängen. Eine hohe Marge zeigt immer, wie hoch die Preissetzungsmacht des Unternehmens ist und deutet auf einen Burggraben hin, der das Unternehmen u.a. vor Konkurrenz schützt.

Einzig die geringe Eigenkapitalrendite, also die Verzinsung des Kapitals der Aktionäre, von unter 10% sorgt für Punktabzug.

Langfristige Renditeerwartung: 72%

Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free-Cashflow-Rendite (FCF-Rendite)

Die FCF-Rendite beträgt derzeit 2,99%. Das ist der Betrag, der dem Unternehmen für Dividenden, Aktienrückkäufe oder zur Schuldentilgung zur Verfügung steht. Sofern der gesamte FCF ausgeschüttet werden würde, entspräche die FCF-Rendite der maximal möglichen Dividendenrendite.

Das langfristige Gewinnwachstum schätze ich aufgrund der erwarteten Entwicklung in den kommenden drei Jahren bei Umsatz und Gewinn (s.o.) auf ca. 6%. Dies ergibt sich aus dem Mittelwert von erwartetem Umsatz- und Gewinnwachstum der kommenden drei Jahre abzüglich einer Sicherheitsmarge von 10%.

Demnach ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von rund 9%. Dies ist eine durchschnittliche Renditeerwartung, die grundsätzlich auch mit einem ETF erreicht werden könnte.

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4. Bewertung

Für die Bewertung der Aktie ziehe ich verschiedene Verfahren heran. Diese können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Sie hängen zudem stark von den getroffenen Annahmen ab. Sofern du andere Wachstumswerte für realistischer hältst, können die Bewertungsverfahren natürlich komplett andere Ergebnisse liefern.

Historischer Vergleich

Beim historischen Vergleich zu den letzten drei Jahren ergibt sich kein einheitliches Bild. Das KGV liegt aktuell unter dem Median der letzten drei Jahre. Das KUV und die Dividendenrendite deuten aber auf eine aktuelle Überbewertung hin.

Einfaches KGV-Modell

Bei diesem Modell schaue ich, wie hoch der Aktienkurs in 10 Jahren voraussichtlich sein wird und bestimme damit die jährliche Renditeerwartung.

Ausgangspunkt ist der Gewinn pro Aktie (EPS = Earings per share) des Jahres 2020. Dieser lag bei 4,71 USD. Aufgrund der aktuellen Schätzungen für die EPS-Entwicklung unterstelle ich für die ersten beiden Szenarien ein jährliches EPS-Wachstum von 20% in den nächsten 10 Jahren. Im dritten – eher konservativen Szenario wird ein Wachstum von 15% p.a. angesetzt.

Für das KGV in 10 Jahren lege ich einmal das aktuelle KGV von 35, einmal ein KGV von 30 und zuletzt ein konservativ geschätztes KGV von 25 an. Nach Abzug einer Sicherheitsmarge würde Linde unter Berücksichtigung der aktuellen Dividendenrendite eine jährliche Rendite von 15% im optimalen Szenario, 13,5% im mittleren und 7% im konservativen Szenario einbringen.

Je nachdem, welche Entwicklung man für realistisch hält, ergibt sich eine Über- oder Unterbewertung.

Einfaches Discounted-Cashflow-Modell

Bei diesem Modell versucht man den Unternehmenswert mittels Schätzung des zukünftigen Cashflows bzw. der Gewinne zu ermitteln. Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass der Wert eines Unternehmens allen zukünftigen Cashflows bzw. Gewinnen, abgezinst auf den heutigen Tag, entspricht. Das Ergebnis hängt daher auch stark davon ab, welche Annahmen man unterstellt.

Für die Jahre 2021 – 2023 gehe ich daher immer von den vorliegenden Analystenschätzungen aus und unterstelle, dass dieses Wachstum bis 2026 anhält. Anschließend unterstelle ich vereinfachend, dass Cashflows und Gewinne alle 5 Jahre um 20% zurückgehen.

Unter diesen Annahmen ergibt sich eine deutliche Überbewertung von 50%. Danach wäre die Aktie aktuell stark überbewertet. Natürlich kann man auch ein stärkeres Wachstum unterstellen – in diesem Fall wäre die Überbewertung wohl geringer. Ich rechne hier aber lieber mit einer ordentlichen Sicherheitsmarge.

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5. Chancen und Risiken

Chancen

Starke Marktstellung: Linde ist Weltmarktführer bei Industriegasen. Neben dem französischen Unternehmen Air Liquide gibt es kaum Konkurrenz.

Wasserstoff-Fantasie: Auch ohne Wasserstoff arbeitet das Unternehmen profitabel und wächst. Sollte Wasserstoff tatsächlich in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen, bekommt man diesen Bonus on top und das Wachstum könnte deutlich anziehen. Sofern sich jedoch herausstellt, dass Wasserstoff jedoch keine große Rolle spielen wird, sollte dies auf die Linde Aktie nur eine geringe negative Auswirkung haben (ganz im Gegensatz zu den Wasserstoff Pure Plays…

Prallgefüllte Kassen: Lindes Nettoverschuldung ist gering und bietet dem Unternehmen in den kommenden Jahren genügend Spielraum, um die ein oder andere strategisch sinnvolle Übernahme zu tätigen. Ich gehe stark davon aus, dass der aktuell überhitzte Wasserstoff-Sektor in den nächsten Jahren konsolidieren wird. Wir werden viele Fusionen und Übernahmen sehen. Und vielleicht wird auch Linde zuschlagen…

Burggraben: Es gibt nur wenige große Anbieter für Industriegase. Besonders nach der Fusion it Praxair ist Linde zu einem absoluten Schwergewicht in dieser Branche gewordern und seither bestens positioniert.

Risiken

Geringeres Wachstum: Wie bereits oben erwähnt ist die Zukunft von Wasserstoff fraglich. Auch wenn aktuell viel dafür spricht, dass Wasserstoff zukünftig eine Schlüsseltechnologie wird, kann derzeit niemand abschätzen, ob dies tatsächlich der Fall sein wird. Linde wird auch ohne eine steigende Wasserstoffnachfrage seine Umsätze von Jahr zu Jahr steigern können. Allerdings werden die Wachstumsraten dann eher im mittleren einstelligen Bereich liegen, was angesichts der aktuellen Bewertung sicherlich zu fallenden bzw. lange seitwärts laufenden Kursen führen würde.

Zyklisches Geschäftsmodell: Sicherlich gibt es Unternehmen, die noch stärker vom Wirtschaftszyklus abhängen als Linde. Dennoch können sich konjunkturelle Eintrübungen auch negativ auf die Nachfrage von Industriegasen auswirken.

6. Die Dividende

Linde könnte auch für Dividendeninvestoren interessant sein. Mit einer aktuellen Dividendenrendite von gut 1,5% und einer Ausschüttungsquote im Bereich von 50-75% sorgt die Aktie für einen netten Cashflow. Zudem wird die Dividende von Jahr zu Jahr angehoben.

Quelle: aktienfinder.net
Dividendenrendite1,5%
Auszahlungen/Jahr4
Steigert seit28 Jahren
Keine Senkung seit28 Jahren
Stabilität der Dividende0,99 (max. 1,0)
Jährlicher Dividendenzuwachs5,15 % (5 Jahre)
9,74 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote86,1 % (auf den Gewinn/FFO)
53,3 % (auf den Free Cash Flow)
Quelle: aktienfinder.net
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7. Fazit

Ich persönlich glaube an das Thema Wasserstoff. Allerdings sind mit die Aktien der Unternehmen aus diesem Bereich zu sehr gehypt und ich rechne mit einer starken Korrektur. Daher finde ich die Aktie von Linde interessant. Linde ist zudem viel mehr als nur Wasserstoff. Man bekommt ein gestandenes Industrieunternehmen und zusätzlich kann man die Wasserstoff Fantasie abdecken.

Es handelt sich um eine solide Aktie für das Depot. Starke Kurssprünge, aber auch Rückgänge, erwarte ich nicht. Die Aktie eignet sich daher m.E. als defensive Depotbeimischung.

Qualität hat seinen Preis. Die Aktie scheint derzeit eher hoch bewertet zu sein. Man könnte daher auch überlegen, ob man – sofern man Linde im Depot haben möchte – die Aktie in einem Sparplan laufen lässt. So könnte man seinen Einstiegspreis strecken und damit das Risiko reduzieren, ggf. zu teuer eingestiegen zu sein.

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder eine sonstige Beratung. Es handelt sich lediglich um meine persönliche Meinung.

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Quellen