Deutsche Post – Vom steigenden Paketboom profitieren

Der Lockdown hat bei mir dazu geführt, dass ich nun nahezu alle Produkte online bestelle. Dies freut natürlich Amazon, Zalando und Co. Aber auch die Paketlieferanten profitieren stark vom boomenden E-Commerce. Eine spannende Aktie ist die Deutsche Post.

Inhaltsverzeichnis

1. Die Aktie im Überblick

Überblick

NameDeutsche Post
HauptsitzDeutschland
WKN555200
SektorIndustrie
Aktueller Kurs41,68 EUR
Marktkapitalisierung51,6 Mrd. EUR
Dividendenrendite3%
Free Cashflow Rendite4,36%
KGV18
Qualitätsscore77,15%
Bewertungsscore90,81%
Gesamtscore83,98%
Datum26.02.2021

Aktienkurs

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Die Deutsche Post AG ist 1995 aus der Deutschen Bundespost hervorgegangen. Die damalige Bundesbehörde wurde in den Postdienst, die Postbank und die Telekom als drei eigenständige Aktiengesellschaften aufgeteilt. Die Aktie ist im DAX und seit 2013 ebenfalls im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 gelistet.

Die Deutschen Post AG ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Post- und Logistikdienstleister. Unter den Marken Deutsche Post und DHL ist das Unternehmen mit Sitz in Bonn auf allen Kontinenten in mehr als 220 Ländern tätig.

Die Deutsche Post ist in 5 Geschäftsbereichen tätig.

  • Post & Paket Deutschland
  • DHL eCommerce Solutions: Hierunter fällt das internationale Paket- und E-Commerce-Geschäft
  • Express: Hierunter fallen Kurier- und Terminsendungen
  • Global Forwarding/ Freight: In diesem Geschäftsbereich geht es um Luft- und Seefracht sowie den Straßentransport
  • Supply Chain: Die Deutsche Post DHL bietet neben den Bereichen auch kundenspezifische Dienstleistungen an
Umsatzanteil 2019, Quelle: marketscreener.com

Der weltweite Onlinehandel boomt. Diese Entwicklung wurde durch den Corona-Lockdown nochmals verstärkt. Davon profitiert die Deutsche Post. Das Geschäft mit zeitgenauen internationalen Sendungen wächst dabei besonders stark.

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3. Aktienliebe Score

Die Deutsche Post erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 84%. Nach meiner Scorecard handelt es sich damit um ein kaufenswertes Unternehmen. Grundsätzlich investiere ich in Unternehmen mit einem Score von mindestens 80%. Schauen wir uns Qualitätsparameter und die Renditeerwartung einmal genauer an.

Qualität: 77 Punkte (max.100)

Umsatz- und Gewinnwachstum: 27 Punkte (von 40 möglichen Punkten)

Der Umsatz ist in den letzten 10 Jahren um 3,21% p.a. gestiegen. Auch für die kommenden 3 Jahre rechnen die Analysten mit einer vergleichbaren Steigerungsrate.

Der Gewinn hingegen wächst deutlich stärker. In den letzten 10 Jahren betrug das jährliche EBIT-Wachstum 33%. Dies liegt jedoch daran, dass im Jahr 2009 nach der Finanzkrise der Gewinn und damit die Ausgangsbasis für meine Berechnung sehr gering war. Dennoch hat sich der Gewinn sehr schön entwickelt und soll auch in den kommenden drei Jahren mit über 10% p.a. steigen.

Gewinnkontinuität und Drawdown: 20 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Die Deutsche Post konnte in den letzten 10 Jahren jedes Jahr einen Gewinn erwirtschaften. Zudem konnten die Gewinnkontinuität stabil gehalten werden. In der Vergangenheit gab es kein Jahr mit einem starken Gewinnrückgang von mehr als 50% im Vergleich zum Vorjahr. Volle Punktzahl!

Profitabilität: 10 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Die Eigenkapitalrendite liegt bei gut 19% im Durchschnitt der letzten drei Jahre. Dies ist ein hoher Wert und bringt daher volle Punktzahl. Die operative Gewinnmarge lag im Jahr 2020 bei 7% und damit unter den geforderten 10% laut meiner Scorecard. Daher gibt es lediglich 10 von 20 möglichen Punkten. Gleichwohl ist positiv festzuhalten, dass die operative Gewinnmarge im Zeitablauf stetig steigt.

Bilanz: 20 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Die Deutsche Post hat keine Nettoschulden, sondern rund 13 Mrd. EUR Cash. Die Bilanz ist top und bringt daher volle 20% in meiner Scorecard.

Renditeerwartung: 91 Punkte (max. 100)

An dieser Stelle nutze ich regelmäßig das IRR-Modell, da ich langfristig investiere und Market Timing lieber anderen überlasse. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free-Cashflow-Rendite

Die FCF-Rendite beträgt derzeit 4,36%. Die Free-Cashflow-Rendite entspräche bei einer Ausschüttungsquote von 100% der Dividendenrendite. 4,36% ist ein hoher Wert und zeigt zum einen, dass die Deutsche Post viel Cash erwirtschaftet. Andererseits zeigt sich daran, dass die Aktie im Vergleich zu anderen Unternehmen tendenziell günstig bewertet ist.

Das langfristige Gewinnwachstum schätze ich aufgrund der erwarteten Entwicklung in den kommenden drei Jahren bei Umsatz und Gewinn (s.o.) auf 7% p.a.. Demnach ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von ca. 11,36%, was in der Scorecard einen Wert von 91% bedeutet.

4. Bewertung

Für die Bewertung der Aktie ziehe ich verschiedene Verfahren heran. Diese können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen und liefern in ihrer Gesamtheit eine Indikation für die aktuelle Bewertung.

Historischer Vergleich

Ein Blick auf die aktuellen Kennzahlen im Vergleich zu den letzten drei Jahren zeigt, dass die Aktie derzeit eher hoch bewertet ist. Allerdings ist ein erwartetes KGV für 2021 von 15,6 bei einem operativen Gewinnwachstum von 11% vergleichsweise gering, wie ich finde.

20172018201920202021e
KGV18,5x14,4x16,3x18,2x15,6x
Div. Rendite2,89%4,81%3,68%3,03%3,26%
KUV0,80x0,48x0,66x0,77x0,77x
KBV3,85x2,17x2,97x3,32x3,08x
Quelle: marketscreener.com, KGV = Kurs Gewinn Verhältnis, KUV = Kurs Umsatz Verhältnis, KBV = Kurs Buchwert Verhltnis

KGV-Modell

Bei diesem Modell schaue ich, wie hoch der Aktienkurs in 10 Jahren voraussichtlich sein wird und bestimme damit die jährliche Renditeerwartung.

Ausgangspunkt ist der Gewinn pro Aktie (EPS = Earings per share) des Jahres 2019. Dieser liegt bei 2,09 EUR. Aufgrund der aktuellen Schätzungen unterstelle ich ein jährliches EPS-Wachstum von 11% in den nächsten 10 Jahren. Für das Jahr 2029 lege ich einmal ein KGV von 15,3 an, was dem historischen KGV der letzten 10 Jahre entspricht. Hierbei handelt es sich, meiner Meinung nach, um eine sehr konservative Schätzung. Nach Abzug einer Sicherheitsmarge würde die Deutsche Post unter Berücksichtigung der Dividende eine Rendite von 10,63% p.a. einbringen.

EPS 2019 in EUR2,09
Wachstum p.a.11,00%
EPS im Jahr 20295,93
KGV fair15,3
Kurs im Jahr 202990,80
Abzgl. 5% Margin of Safety86,26
Aktueller Kurs41,43
Rendite p.a.10,63%
Kurspotential108,20%

Einfaches Discounted-Cashflow-Modell

Bei diesem Modell versucht man den Unternehmenswert, mittels Schätzung des zukünftigen Cashflows bzw. der Gewinne, zu ermitteln. Diese werden auf den heutigen Tag abgezinst.

Für die Jahre 2020 – 2022 habe ich die o.g. Analystenschätzungen für Umsatz und Gewinnmarge herangezogen. Anschließend habe ich folgende Annahmen zugrunde gelegt:

UmsatzwachstumGewinnmarge
bis 20253%8%
bis 20303%9%
bis 20352%10%
bis 20402%11%

Unter diesen Annahmen ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von 9,6%. Die Aktie ist – unter diesen Annahmen – also fair bewertet. Bei einem Aktienkurs von 40,89 EUR könnten Anleger mit einer Jahresrendite von 10% rechnen.

5. Die Dividende

Die Deutsche Post ist auch für Dividendeninvestoren interessant, Die aktuelle Dividendenrendite beträgt ansehnliche 2,91% – und das bei einer Ausschüttungsquote von 57%. Hinzukommt die Tatsache, dass die Dividende kontinuierlich mit gut 7% p.a. gesteigert wird.

Dividendenrendite3,03%
Auszahlungen/Jahr1
Keine Senkung seit11 Jahren
Stabilität der Dividende0,91 (max. 1,0)
Jährlicher
Dividendenzuwachs
7,84 % (5 Jahre)
6,54 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote57,2 % (auf den Gewinn/FFO)
Dividendenentwicklung

6. Fazit

Ich halte die Aktie der Deutschen Post für kaufenswert (bitte den Disclaimer unten beachten ;-)). Mit einem Score von 84% verspricht die Aktie eine überdurchschnittliche Rendite bei vertretbarem Risiko. Aufgrund der ansehnlichen Dividende ist die Deutsche Post auch für Einkommensinvestoren mehr als interessant.

Große Kurssprünge wie bei Salesforce, Baozun und anderen Wachstumswerten erwarte ich nicht. Gleichwohl ist mit einer soliden Rendite von gut 11% p.a. zu rechnen und die Risiken halte ich aufgrund des soliden und zukunftsfähigen Geschäftsmodell für überschaubar. Die Aktie ist aufgrund des hohen Scores sicherlich auch ein Kandidat für das Wikifolio.

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Ich kann daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

Quellen

2 Kommentare

  • Eure Aktienanalysen fand ich bis jetzt immer gut, aber bei dieser gehe ich überhaupt nicht mit.

    Wo bleiben die Negativaspekte der Deutschen Post bzw. deren Geschäftsmodells?
    – Elektroscooter-Projekt gescheitert. 100M€ verbrannt.
    – Aggressive Marktübernahme durch Amazon beim Paketgeschäft
    – Sinkende Briefsendungen durch die Digitalisierung

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    • Hallo Rasp,
      danke für deine Hinweise zu den Risiken der Aktie. Ich habe hier nur eine kennzahlenbasierte Analyse vorgenommen. Für mich ist die Aktie daher sehr interessant. Du hast aber mit deinen Punkten völlig recht, wobei ich diese Risiken insgesamt als mittel einstufe: Ja – das Briefgeschäft geht zurück. Im Gegenzug wächst aber das andere Geschäft umso stärker und überkompensiert diesen Rückgang. Amazon ist stark und wird immer stärker. Die Deutsche Post ist aber ebenfalls gut aufgestellt und ich gehe nicht davon aus, dass Amazon den gesamten Markt beherrschen wird. Ich nehme die Anregung aber trotzdem mit auf und werde in der nächsten Analyse wieder mehr auf die Risiken aus meiner Sicht eingehen – danke daher nochmals für dein Feedback.
      Beste Grüße

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