Netflix – Kann sich ein Einstieg jetzt noch lohnen?

Wer vor 10 Jahren in Aktien des führenden Video-Streaming Anbieters investiert hätte, könnte sich heute über eine Rendite von über 1.800% freuen. Was als kleiner DVD-Verleih begann, wurde heute zu einem der größten Unternehmen weltweit. Ich war damals leider nicht dabei. Lohnt sich heute noch ein Einstieg? Oder hat die Aktie ihren Zenit erreicht?

Inhaltsverzeichnis

1. Die Aktie im Überblick

Überblick

NameNetflix
HauptsitzUSA
WKN552484
SektorKommunikation
Aktueller Kurs555 USD
Marktkapitalisierung246 Mrd. USD
Dividendenrendite0,00%
Free Cashflow Rendite 20210,05%
KGV 202156
Qualitätsscore90,00%
Bewertungsscore75,39%
Gesamtscore82,70%
Datum16.02.2021

Aktienkurs

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Netflix ist ein US-amerikanischer Videoanbieter und zählt zu den weltweit führenden Anbietern im Streaming Markt. Netflix hat sich auf Online-Streaming für Filme und Fernsehserien spezialisiert, die im Abonnement angeboten werden.

Das US-Unternehmen wurde im Jahr 1977 in Kalifornien gegründet und agierte vorerst im Bereich Online-DVD-Verleih. Seit dem Jahr 2007 ist Netflix im Video-on-Demand-Geschäft tätig und konnte im vergangenen Jahr Umsätze in Höhe von rund 24,9 Mrd. USD verzeichnen. 

204 Millionen Kunden in über 190 Ländern schauen regelmäßig TV-Serien, Dokumentationen und Spielfilme in einer Vielzahl von Sprachen. Mitglieder können jederzeit und überall auf jedem mit dem Internet verbundenen Bildschirm so viel ansehen, wie sie möchten – und das alles ohne lästige Werbung.

Abonnenten zahlen eine monatliche Gebühr für den Zugang zu unbegrenzten On-Demand-Inhalten wie Serien, Filmen, Dokumentationen usw.. Diese können dann auf verschiedenen Endgeräten wie Computern (PC und MAC), tragbaren Telefonen, Fernsehern oder anderen Geräten (Xbox 360, PS4, Wii, Blu-Ray usw.) unbegrenzt gestreamt werden.

Netflix produziert zunehmend auch eigene Serien. Einige erfolgreiche Beispiele sind House of Cards, Marco Polo, Narcos oder Stranger Things.

Aktuelle Entwicklungen

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass die Menschen aufgrund von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen verstärkt zu Hause geblieben sind. Mit Serienhits wie “The Queen’s Gambit” und “Bridgerton” konnte Netflix davon profitieren und einen Kundenzuwachs von 8,5 Millionen auf nunmehr über 200 Millionen verzeichnen. Analysten hatten lediglich ein Plus von 6,1 Millionen Abonnenten erwartet.

Netflix wächst damit zunehmend in Ländern außerhalb der USA und Kanada, 41% der neuen Abonnenten kamen aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika.

Beeindruckend ist, dass neun der zehn am meisten gesuchten Serien weltweit von Netflix stammten, bei den Filmen sind immerhin zwei in den Top Ten:

Aufgrund von Corona kam es vorübergehend zu Produktionsstopps. Zwischenzeitlich läuft es mit der Content Creation wieder. Derzeit sind nach Angaben von Netflix über 500 Titel in Vorbereitung.

Wer in den letzten Jahren in Netflix investiert war, konnte eine beeindruckende Überperformance erzielen:

Seit Jahresbeginn hat Netflix etwa 40% an Wert gewonnen und zählt damit zu den Spitzenreitern im Technologiebereich. Im gleichen Zeitraum verlor der S&P 500 11%.

Die Zahlen überzeugen! Im ersten Quartal konnte Netflix das stärkste Abonnentenwachstum in seiner Geschichte verzeichnen. 15,8 Millionen Neukunden haben sich für das Angebot des Entertainment-Giganten entschieden. Covid-19 hat Netflix hier in die Karten gespielt. Im März explodierten die Kundenzahlen, da zahlreiche Menschen aufgrund der Ausgangsbeschränkungen über die beliebten Inhalte des Unternehmens dankbar waren.

Glücklicherweise sehen wir nun aber zunehmend Lockerungen in den verschiedenen Staaten. Schulen und Kitas öffnen wieder, ebenso Geschäfte, Restaurants und Bars. Die Frage ist also, wie sich zukünftig die Nutzerzahlen bei Netflix entwickeln werden. Führen die schrittweisen Lockerungen dazu, dass die Kunden ihren Abonnementvertrag wieder kündigen?

Konkurrenz

Ich hatte mir kürzlich die Aktie von Walt Disney näher angeschaut. Die Aktie wurde aufgrund der Einführung von Disney+ zunächst stark gehypt. Nun sind jedoch viele enttäuscht von dem geringen Angebot, welches sicherlich aber noch ausgebaut wird. Klar ist aber auch, dass es viel länger dauern wird als gedacht, bis Disney im Video-Streaming-Markt Netflix seine führende Position streitig machen kann.

Auch Apple hat im November 2019 einen eigenen Streaming-Dienst Apple TV+ gestartet. In Zukunft plant auch AT&Ts Tochter WarnerMedia die Einführung von HBO Max. Auch Comcasts NBCUniversal hat einen vergleichbaren Dienst in den USA eingeführt. Amazon ist bereits mit Amazon Prime einer der größten Konkurrenten.

Um Netflix jedoch ernsthaft angreifen zu können, benötigen alle Anbieter guten Content – und dieser muss erst produziert werden. Aufgrund von Covid-19 geraten viele Projekte derzeit ins Stocken und können erst mit Verzögerung und unter höheren Kosten beendet werden. Das spielt Netflix in die Karten, da man bereits ein riesiges Angebot hat, auf das Kunden zugreifen können.

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3. Aktienliebe Score

Netflix erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 83%. Nach meiner Scorecard handelt es sich damit um eine sehr gute Aktie, die ich grundsätzlich als kaufenswert erachte. Die Aktie ist auch im Wikifolio enthalten. Schauen wir uns Qualitätsparameter und die Renditeerwartung einmal genauer an.

Qualität: 90 Punkte (max.100)

Umsatz- und Gewinnwachstum: 40 Punkte (von 40 möglichen Punkten)

In den letzten 10 Jahren sind Umsatz und Gewinn stark gewachsen – jeweils mit fast 30% pro Jahr. Dieser Trend ist weiterhin intakt. Zwar wird der Umsatz aufgrund der bereits erreichten Größe “nur” noch mit 17% p.a. steigen. Das Gewinnwachstum bleibt jedoch aufgrund der zunehmenden Profitabilität bei über 30% p.a..

Gewinnkontinuität und Drawdown: 10 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Punktabzug gibt es lediglich beim EBIT-Drawdown. Dieser ist im Jahr 2012 von 376 Mio USD im Vorjahr auf 50 Mio. USD eingebrochen. Meine Scorecard fordert jedoch, dass der Gewinn nie mehr als 50% im Vergleich zum Vorjahr zurückgeht. Daher kann Netflix hier nicht punkten. Allerdings sollte man dies auch nicht überbewerten. Immerhin konnte in den letzten 10 Jahren immer ein positiver operativer Gewinn (EBIT) erwirtschaftet werden.

Profitabilität: 10 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Die Eigenkapitalrendite liegt bei gut 28% im Durchschnitt der letzten drei Jahre. Dies ist ein hoher Wert und bringt daher volle Punktzahl. Die operative Gewinnmarge lag im Jahr 2020 bei 13% und wird auf 20% im Jahr 2021 steigen. Auch in den kommenden Jahren rechnen die Analysten mit einer weiteren Steigerung der Profitabilität. Diese positive Entwicklung bei der Gewinnmarge zeigt, dass es sich um ein hoch skalierbares Geschäftsmodell handelt.

Bilanz: 20 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Die Bilanz ist gut, Netflix ist hier solide aufgestellt. Die Nettoschulden betragen knapp 8,7 Mrd. USD, der operative Gewinn im Jahr 2021 wird wohl 6 Mrd. USD betragen. Damit benötigt Netflix 1,5 Jahre, um die Schulden aus dem operativen Gewinn zurückzuführen.

Ein Verhältnis von 4 (also 4 Jahre Tilgungsdauer) wird mithin noch als akzeptabel angesehen. Unsere Scorecard belohnt Unternehmen mit der vollen Punktzahl, die maximal ein Verhältnis von 2 aufweisen. Da Netflix mit 1,45 darunterliegt, gibt es hier die volle Punktzahl von 20%.

Renditeerwartung: 75 Punkte (max. 100)

An dieser Stelle nutze ich regelmäßig das IRR-Modell, da ich langfristig investiere und Market Timing lieber anderen überlasse. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free-Cashflow-Rendite

Die FCF-Rendite beträgt derzeit 0,05%. Das langfristige Gewinnwachstum schätze ich aufgrund der erwarteten Entwicklung in den kommenden drei Jahren bei Umsatz und Gewinn (s.o.) auf mehr als 10% (10% ist der Höchstwert, den ich in meiner Scorecard für das Gewinnwachstum ansetze). Demnach ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von etwas über 10%, was in der Scorecard einen Wert von 75% bedeutet.

4. Chancen und Risiken

Chancen

Planbare Umsätze im Abo-Modell, hoch skalierbar

Auch wenn das Abo monatlich kündbar ist, behalten es viele Kunden selbst dann, wenn sie aktuell eher weniger Netflix schauen. Der Preis ist mit einem Betrag zwischen 7,99 EUR und 17,99 EUR eher gering. Dies sorgt für eine stetig wachsende Nutzerschaft und langfristig planbare und sichere Einnahmen.

Hinzukommt die Tatsache, dass jeder zusätzliche Kunde unmittelbar die Profitabilität und damit den Gewinn erhöht. Die Inhalte stehen und sind produziert. Gewinnt man einen neuen Kunde, entstehen grundsätzlich keine weiteren Kosten.

Weiterhin stark wachsender Markt

Netflix bewegt sich in einem noch jungen und stark wachsenden Markt. Eine Studie von McKinsey & Company zeigt für Deutschland klar, wie dynamisch sich der Streaming Markt im Abo-Modell entwickelt – in vielen anderen Ländern lässt sich eine ähnliche Entwicklung erkennen.

Vor allem junge Menschen nutzen On-Demand Dienste gerne. Dies spricht für eine weiterhin stark zunehmende Nachfrage.

Außerdem erleben wir doch alle gerade den “Verfall” des normalen Fernsehprogramms, oder? Mittlerweile gibt es kaum mehr gute Serien, Filme oder Reportagen im Free-TV (das ist zwar unsere subjektive Einschätzung, vielleicht geht es dir aber ähnlich?). Das unkomplizierte, monatlich kündbare und zudem äußerst günstige Angebot von Netflix ist daher für viele eine willkommene Abwechslung.

Gute Marktstellung

Eine große Stärke von Netflix ist die hohe Marktpräsenz und das Branding. Die Plattform ist bereits weltweit vertreten. Viele Menschen kennen die Marke und Netflix ist führender Anbieter in den meisten Ländern. Lange Zeit hatte man kaum Konkurrenz im Streaming Markt. Netflix verfügt damit über einen gewissen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz.

Risiken

Rückgang des Kundenwachstums

Ein potenzielles Risiko für Netflix ist ein Rückgang der Anzahl der Abonnements nach der Pandemie. Es könnte sein, dass einige Kunden Netflix nicht mehr abonnieren, sobald sie nicht mehr unter Quarantäne stehen bzw. wieder zur Arbeit gehen können.

So geht das Netflix Management selbst davon aus, dass die Nutzerzahlen wieder sinken und sich das Mitgliederwachstum verlangsamen wird, wenn die Ausgangssperren enden. Werden hier die Erwartungen nicht erfüllt, droht ein langfristiger Einbruch beim Aktienkurs.

Namhafte Konkurrenz

Die Zeit, die Menschen vor dem Fernseher verbringen ist limitiert. Netflix konkurriert daher mit vielen anderen Angeboten. Zum einen wächst die Konkurrenz im Streaming Markt durch neue Angebote von Disney, Apple und Co. Hinzukommen weitere Angebote von TV-Sendern, die ebenfalls die Zukunft im Streaming-Geschäft erkannt haben (z.B. TV Now). Aber auch Online-Gaming oder andere Freizeitangebote sorgen für wachsende Konkurrenz.

Im Gegensatz zu Disney oder Apple ist Netflix zudem ein Pureplay. Das Geschäftsmodell ist nicht diversifiziert und setzt ausschließlich auf das Streaming-Geschäft.

5. Bewertung

Historischer Vergleich

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist für 2021 geringer als in den letzten drei Jahren. Gleiches gilt für das Verhältnis aus Unternehmenswert zu EBITDA und für das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Beim Kurs-Umsatz-Verhältnis ergibt sich kein klares Bild. 2020 war es höher, in 2018 und 2019 lang es unter dem für 2021.

Insgesamt erscheint die Aktie im historischen Rückblick derzeit fair bewertet zu sein.

Quelle: marketscreener.com

Einfaches KGV-Modell

Bei diesem Modell schaue ich, wie hoch der Aktienkurs in 10 Jahren voraussichtlich sein wird und bestimme damit die jährliche Renditeerwartung. Ausgangspunkt ist der Gewinn pro Aktie (EPS = Earings per share) des Jahres 2020. Dieser lag bei 6,08 USD.

Aufgrund der aktuellen Schätzungen unterstelle ich ein jährliches EPS-Wachstum von 25% in den nächsten 10 Jahren. Dies ist m.E. ein realistischer Wert. Die Analysten rechnen für die nächsten 3 Jahre sogar mit 42% beim EPS. Für das Jahr 2030 lege ich ein KGV von 40 an.

Nach Abzug einer Sicherheitsmarge würde Netflix eine ansehnliche Rendite von 14,6% p.a. einbringen. Der Aktienkurs würde in 10 Jahren nochmals um fast 300% zulegen.

Gewinn pro Aktie 2020 in USD6,08
Wachstum p.a.25,00%
Gewinn pro Aktie im Jahr 2030 in USD56,62
KGV fair40
Kurs im Jahr 2030 in USD2.265
Abzgl. 5% Margin of Safety2.152
Aktueller Kurs in USD550,79
Rendite p.a.14,60%
Kurspotential290,66%

Einfaches Discounted-Cashflow-Modell

Bei diesem Modell versucht man den Unternehmenswert mittels Schätzung des zukünftigen Cashflows bzw. der Gewinne zu ermitteln. Diese werden auf den heutigen Tag abgezinst.

Für die Jahre 2021 – 2023 habe ich die o.g. Analystenschätzungen für Umsatz und Gewinnmarge herangezogen. Anschließend habe ich folgende Annahmen zugrunde gelegt:

UmsatzwachstumGewinnmarge
bis 202516%26%
bis 203013%28%
bis 203510%30%
bis 20408%32%

Unter diesen Annahmen ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von 9,8%. Die Aktie ist – unter diesen Annahmen – also derzeit fair bewertet. Bei einem Kurs von 535 USD könnten Anleger mit einer Jahresrendite von 10% rechnen.

Je nachdem, ob du optimistischere oder pessimistischere Annahmen zugrundelegst, ergibt sich natürlich eine andere Einschätzung.

6. Fazit

Netflix ist der führende Streaming-Anbieter mit einem günstigen und vielfältigen Angebot. Trotz seiner bereits erreichten Größe ist in den kommenden Jahren weiterhin mit einem starken Wachstum zu rechnen. Zwar rüstet die Konkurrenz um Disney und Co auf, ich glaube aber dennoch daran, dass sich Netflix im allgemein wachsenden Streaming-Markt auch weiterhin sehr gut schlagen wird.

Die Bewertung erscheint nur auf den ersten Blick sehr hoch zu sein. Aufgrund des starken Wachstums können langfristig orientierte Anleger dennoch jederzeit einsteigen und sich am langfristigen Unternehmenserfolg beteiligen. Vorsichtige Anleger warten noch auf einen Rücksetzer der Aktie und steigen dann ein.

Mit einem Score von über 80% ist Netflix für mich persönlich ein kaufenswertes Unternehmen. Ich werde mir die Aktie daher auf die Watchlist packen. Die Aktie ist auch im Wikifolio enthalten.

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Quellen