Coca Cola – Erfrischung fürs Depot durch Überrendite?

Heute schaue ich mir die Aktie von Coca-Cola genauer an. Das Unternehmen ist bei vielen Privatanlegern aufgrund der stetig steigenden Dividende besonders beliebt und findet sich daher in zahlreichen Depots. Seit 59 Jahren wird die Dividende jedes Jahr gesteigert, eine beindruckende Zahl. Leser meines Blogs wissen aber, dass ich bei der Aktienauswahl nicht ausschließlich auf die Dividende schaue, sondern Aktien mittels einer Scorecard bewerte. Wie wird Coca-Cola hier abschneiden? Ist die Aktie für mich ein Kauf?

Inhaltsverzeichnis

1. Die Aktie im Überblick

Überblick

NameCoca-Cola
HauptsitzUSA
WKN850663
SektorKonsum (nicht zykl.)
Aktueller Kurs48,96 USD
Marktkapitalisierung209 Mrd. USD
Dividendenrendite3,37%
Free Cashflow Rendite3,12%
KGV 2020 / 202126 / 24
Qualitätsscore50,40%
Bewertungsscore41,09%
Gesamtscore45,74%
Datum03.02.2021

Aktienkurs

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Nahezu jeder kennt Coca-Cola, oder? Coca-Cola ist eines der größten Getränkeunternehmen der Welt. Ob bei Konzerten, Fußballspielen, Clubbesuchen oder auch zu Hause – die Getränke von Coca-Cola sind fast immer dabei.

Flaggschiff ist sicherlich die namensgebende Coca-Cola. Daneben werden aber auch eine Vielzahl anderer Getränke verkauft: Limonaden, Wasser (mit und ohne Geschmack), Sportgetränke, Saft-, Milch- und pflanzliche Getränke, Tee und Kaffee sowie Energy Drinks.

Zu den Marken gehören Coca-Cola, Fanta, Sprite, Minute Maid, Powerade, Dasani, Simply, Gold Peak und Glacéau Smartwater. Zudem hat Coca-Cola im Januar 2019 Costa Coffee übernommen. Coca-Cola ist damit auch ein großer Player im wachsenden Kaffeemarkt und damit Konkurrent von Starbucks.

Coca-Cola zählt du den wertvollsten Marken der Welt. Die Marke stellt einen tiefen Burggraben dar und sichert seit Jahrzehnten stetig steigende Erträge.

Auszug aus dem Ranking der 25 wertvollsten Marken nach ihrem Markenwert im Jahr 2020
Quelle: statista.de

Aktionärsstruktur

Großaktionäre ist seit sehr langer Zeit die Investment-Gesellschaft von Warren Buffett – Berkshire Hathaway. Sie hält rund 9,3% der Aktien.

Seit 1988 ist Warren Buffett an Coca-Cola beteiligt. Über die Jahre wurde die Beteiligung zu einer der größten Positionen im Aktienportfolio von Berkshire Hathaway ausgebaut. Coca-Cola passt wunderbar in das Beuteschema des Starinvestors, ist das Geschäftsmodell doch sehr einfach zu verstehen.

AktionärAktien%
Berkshire Hathaway, Inc. (Investment Management)400 000 0009,31%
The Vanguard Group, Inc.297 600 0586,93%
Capital Research & Management Co.232 215 0005,40%
SSgA Funds Management, Inc.180 484 0704,20%
Wellington Management Co. LLP104 764 8432,44%
BlackRock Fund Advisors94 342 2202,20%
Geode Capital Management LLC55 512 8751,29%
Northern Trust Investments, Inc.(Investment Management)50 168 4451,17%
Fidelity Management & Research Co. LLC40 168 8680,93%
Norges Bank Investment Management36 260 0970,84%
Quelle: marketscreener.com

Konkurrenten

Der Markt für alkoholfreie Getränke ist groß, aber auch hart umkämpft. Es gibt zahlreiche Konkurrenten, u.a. PepsiCo, Dr. Pepper Snapple und Nestle. Zunehmend muss Coca-Cola auch mit Fruchtsäften, Energydrinks und anderen gesünderen Getränken konkurrieren. Die starke Marke sichert Coca-Cola insgesamt ab. Gleichzeitig wird es für das Unternehmen aber immer schwieriger zu wachsen.

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3. Aktienliebe Score

Coca-Cola erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen sehr geringen Score von lediglich 46%. Nach meiner Scorecard handelt es sich damit nicht um eine Aktie, die ich in mein Depot kaufen würde. Grundsätzlich investiere ich nur in Unternehmen mit einem Score von mindestens 80%. Davon ist Coca-Cola weit entfernt. Schauen wir uns Qualitätsparameter und die Renditeerwartung einmal genauer an und prüfen, weshalb Punkte verloren gehen.

Qualität: 50%

Umsatz- und Gewinnwachstum: 10 Punkte (von 40 möglichen Punkten)

Die Umsätze von Coca-Cola sind in den letzten 10 Jahren um unter 2% p.a. gewachsen. Seit 2012 ist sogar ein Umsatzrückgang zu verzeichnen. Dies sieht zunächst einmal nicht so schön aus. Grund für den Umsatzrückgang war jedoch eine umfassende Umstrukturierung. Coca-Cola hat Teile des margenschwachen Abfüllgeschäfts veräußert. Dies ist zwar schlecht für die Höhe des Gesamtumsatzes. Gleichzeitig konnte damit die operative Gewinnmarge von ca. 20% auf knapp 30% gesteigert werden. Insgesamt also kein Grund zur Sorge.

Aufgrund von Corona kam es im Jahr 2020 sowohl zu einem Umsatz- als auch Gewinnrückgang. Durch nicht stattfindende Großveranstaltungen und geschlossene Bars und Diskotheken wurde insgesamt weniger nachgefragt. Die Analysten schätzen allerdings für die kommenden drei Jahre immerhin ein Wachstum von 1,35% beim Umsatz und sogar über 4% beim Gewinn.

Gewinnkontinuität und Drawdown: 20 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Beide Anforderungen werden erfüllt. Coca-Cola konnte in den vergangenen 10 Jahren immer einen Gewinn erwirtschaften. Zudem brach dieser nie um mehr als 50% im Vergleich zum Vorjahr ein. Dies zeigt, wie solide das Geschäftsmodell ist. Anleger können sich auf konstante Gewinne verlassen.

Profitabilität: 20 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Die Eigenkapitalrendite liegt bei unglaublichen 47,7% im Durchschnitt der letzten drei Jahre. Das ist ein Spitzenwert und zeigt, wie profitabel Coca-Cola mit dem Geld der Aktionäre wirtschaftet. Die operative Gewinnmarge wird im Jahr 2020 bei 29% liegen und soll bis 2022 sogar auf 30% gesteigert werden.

Bilanz: 1 Punkt (von 20 möglichen Punkten)

Coca-Cola hat Nettoschulden in Höhe von 37 Mrd. USD. Damit beträgt die Nettoverschuldung fast das 4-fache des operativen Jahresgewinns. Dieser ist noch in einem Bereich, der gerade noch so akzeptabel ist. Ich habe keine Bedenken, dass Coca-Cola überschuldet ist. Jedoch birgt diese doch recht hohe Verschuldung immer das Risiko, dass ggf. steigende Zinsen den Gewinn belasten und zukünftig mehr zur Refinanzierung ausgegeben werden muss.

Renditeerwartung: 41%

An dieser Stelle nutze ich regelmäßig das IRR-Modell, da ich langfristig investiere und Market Timing lieber anderen überlasse. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free-Cashflow-Rendite

Die FCF-Rendite beträgt derzeit 3,12%. Das langfristige Gewinnwachstum schätze ich konservativ auf Grundlage des Mittelwertes aus der erwarteten Entwicklung in den kommenden drei Jahren bei Umsatz und Gewinn abzüglich einer Sicherheitsmarge auf ca. 2%. Demnach ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von nur 5,1%, was in der Scorecard einen Wert von 41% bedeutet. Selbst, wenn man den höheren erwarteten Free Cashflow für 2021 zugrunde legt, kommt man nur auf eine Free-Cashflow Rendite von 4,1%.

Gemessen am zu erwartenden Wachstum ist die Free-Cashflow-Rendite für mich viel zu gering. Dies zeigt, dass die Bewertung der Coca-Cola Aktie sehr hoch ist. Dies liegt daran, dass die Aktien wohl von vielen Anlegern aufgrund ihrer Dividende als sicherer Hafen betrachtet wird. Das verstehe ich. Allerdings gibt es für mich derzeit bessere Anlagen, die ebenfalls solide Aktien darstellen und dennoch mehr Rendite versprechen.

4. Bewertung

Historischer Vergleich

Im historischen Vergleich zu den letzten drei Jahren ergibt sich ein gemischtes Bild. Das KGV ist derzeit etwas geringer, als in den letzten drei Jahren, die Dividendenrendite ist höher. Andererseits deuten KUV und KBV auf eine leichte Überbewertung hin.

Kennzahl20172018201920202021e
KGV158x31,6x26,7x26,3x24,1x
Dividendenrendite3,23%3,29%2,89%3,32%3,42%
Marktkap. / Umsatz5,52x6,33x6,36x6,41x5,79x
EV / Umsatz6,28x7,19x7,21x7,54x6,91x
EV / EBITDA20,3x21,0x22,8x22,8x20,6x
KBV11,4x11,9x12,5x12,3x12,1x
KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis, EV: Unternehmenswert, KBV: Kurs-Buchwert-Verhältnis, Quelle: marketscreener.com

KGV-Modell

Bei diesem Modell schaue ich, wie hoch der Aktienkurs in 10 Jahren voraussichtlich sein wird und bestimme damit die jährliche Renditeerwartung. Ausgangspunkt ist der Gewinn pro Aktie (EPS = Earings per share) des Jahres 2019. Dieser lag bei 2,07 USD. Aufgrund der aktuellen Schätzungen unterstelle ich ein jährliches EPS-Wachstum von 2% in den nächsten 10 Jahren. Für das Jahr 2029 lege ich einmal ein KGV von 25 an. Nach Abzug einer Sicherheitsmarge würde Coca-Cola unter Berücksichtigung der Dividende von derzeit 3,3% eine eher geringe Rendite von nur 5,3% p.a. einbringen.

Gewinn pro Aktie 2019 in USD2,07
Wachstum p.a.2,00%
Gewinn pro Aktie im Jahr 2029 in USD2,52
KGV fair25
Kurs im Jahr 202963,08
Abzgl. 5% Margin of Safety59,93
Aktueller Kurs49,29
Rendite p.a.5,30%
Kurspotential21,58%

Einfaches Discounted-Cashflow-Modell

Bei diesem Modell versucht man den Unternehmenswert, mittels Schätzung des zukünftigen Cashflows bzw. der Gewinne, zu ermitteln. Diese werden auf den heutigen Tag abgezinst.

Für die Jahre 2020 – 2022 habe ich die o.g. Analystenschätzungen für Umsatz und Gewinnmarge herangezogen. Anschließend habe ich folgende Annahmen zugrunde gelegt:

UmsatzwachstumGewinnmarge
bis 20255%30%
bis 20304%32%
bis 20353%34%
bis 20403%36%

Unter diesen Annahmen ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von 5%. Die Aktie ist – unter diesen Annahmen – also ebenfalls überbewertet. Der faire Aktienkurs liegt danach bei nur 25,53 USD – bei diesem Kurs könnten Anleger mit einer Jahresrendite von 10% rechnen.

Zugegeben: Meine Annahmen sind sehr konservativ. Ich möchte aber lieber mit einer Sicherheitsmarge rechnen, um negative Überraschungen bei meinen Investitionen zu vermeiden.

5. Chancen und Risiken

Chancen

Starke Marken mit tiefem Burggraben: Die Marke Coca-Cola ist zeitlos und weltbekannt. Aber auch die anderen starken Marken wie Fanta oder Sprite stellen einen großen Burggraben dar.

Großes Vertriebsnetzwerk: Coca-Cola ist weltweit breit aufgestellt. Man verfügt über ein riesiges Vertriebsnetzwerk und kann damit auch neue Produkte schnell und weltweit vermarkten. Coca-Cola ist zudem bekannt für seine guten Werbekampagnen (u.a. wurde seinerzeit der Weihnachtsmann von Coca-Cola erfunden).

Sichere Dividende: Das Geschäftsmodell generiert viel Cash – was auch Großaktionär Warren Buffett zu schätzen weiß. Coca-Cola gehört zudem zu den sog. Dividendenaristokraten (s.u.).

Neue Produkte: Bislang ist Coca-Cola eher durch zuckerhaltige Brause bekannt. In einigen Entwicklungsländern, in denen noch nicht so stark auf gesunde Ernährung geachtet wird wie hierzulande, ist daher noch Wachstumspotenzial vorhanden. Zudem wächst der Markt für gesunde Getränke deutlich stärker. Durch den Verkauf des Abfüllgeschäfts konnte die Profitabilität gesteigert werden. Zukünftig könnte Coca-Cola durch gezielte Zukäufe in diesem Bereich für weiteres Wachstum sorgen.

Wachsendes Kaffeegeschäft: Durch die Übernahme von Costa Coffee hat Coca-Cola ein Standbein im derzeit noch stärker wachsenden Kaffeemarkt.

Risiken

Cola ist ungesund: Gerade in den westlichen Ländern achtet die breite Bevölkerung zunehmend auf eine gesündere Ernährung. Die Nachfrage nach zuckerhaltigen Getränken könnte daher zukünftig zurückgehen. Ob dies durch neue Produkte kompensiert werden könnte, ist zumindest fraglich.

Geringes Wachstum: Die Wachstumsraten sind gering. Anleger könnten daher mit der Coca-Cola Aktie zwar eine vergleichsweise sicherer, aber dafür sehr gering Rendite erzielen.

6. Die Dividende

Coca-Cola ist vor allem für diejenigen Investoren geeignet, die ausschließlich auf eine sichere und ansprechende Dividende schauen. Coca-Cola ist ein Dividendenaristokrat, also ein Unternehmen, das seit mehr als 25 Jahren jedes Jahr die Dividende gesteigert hat.

Dividendenrendite3,37%
Auszahlungen/Jahr4
Steigert seit59 Jahren
Keine Senkung seit59 Jahren
Stabilität der Dividende1 (max. 1,0)
Jährlicher Dividenden-
zuwachs
4,03 % (5 Jahre)
6,37 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote85 % (auf den Gewinn/FFO)
97 % (auf den Free Cash Flow)
Quelle: aktienfinder.net

7. Fazit

Coca-Cola zählt zu den stärksten Marken der Welt. Dieser tiefe Burggraben sorgt seit vielen Jahren für konstant steigende Gewinne und starke Cashflows. Daher kann auch die Dividende seit 59 Jahren stetig gesteigert werden.

Aufgrund seiner Größe wird es jedoch zunehmend schwieriger für Coca-Cola zu wachsen. Dementsprechend enttäuschend schneidet das Unternehmen auch bei meiner Scorecard ab. Mit lediglich 46% ist die Aktie für mich persönlich kein Kauf.

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Disclaimer

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Quellen