Update Eckert und Ziegler – Medizintechnik fürs Depot?

Eckert & Ziegler zählt zu den Profiteuren einer steigenden Nachfrage nach Radiopharmazeutik. Die Aktie markierte jüngst ein Rekordhoch. Ich hatte sie mir bereits im Juli letzten Jahres näher angeschaut und kam zu dem Ergebnis, dass sie damals nach meiner Ansicht kaufenswert war. Damals stand sie bei 38,50 EUR (splitbereinigt). Seither ist einiges geschehen. Heute muss man 54 EUR für die Aktie bezahlen. Daher stellt sich die Frage, ob man auch zukünftig mit Eckert & Ziegler eine Überrendite erzielen kann…

Inhaltsverzeichnis

1. Die Aktie im Überblick

Überblick

NameEckert & Ziegler
HauptsitzDeutschland
WKN565970
SektorGesundheit
Aktueller Kurs54,05 EUR
Marktkapitalisierung1,14 Mrd. EUR
Dividendenrendite 20200,66%
Free Cashflow Rendite 20201,83%
KGV 2020 / 202151 / 44
Qualitätsscore79,60%
Bewertungsscore78,64%
Gesamtscore79,12%
Datum31.01.2021

Aktienkurs

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Die in Deutschland ansässige Eckert & Ziegler Strahlen und Medizintechnik AG produziert sog. Isotopentechnik für den medizinischen, wissenschaftlichen und industriellen Einsatz. Diese Technik kommt vor allem bei der Krebstherapie, der industriellen Radiometrie und der nuklearmedizinischen Bildgebung zum Einsatz.

Bei den Hauptkunden handelt es sich um internationale Medizingerätehersteller und Kliniken, in deren Auftrag Eckert & Ziegler die Entwicklung, Erprobung, Herstellung und Markteinführung neuer, schwach radioaktiver Produkte übernimmt.

Eckert & Ziegler ist in drei Segmenten tätig:

  • Strahlentherapie: Produktion von Medizinprodukten zur Krebsbehandlung.
  • Isotopenprodukte: Medizinische Bildgebung, industrielle Messtechnik, Messung und Analyse für Hersteller von pharmazeutischen, therapeutischen und industriellen Produkten.
  • Radiopharmazie: Produktion von Radiopharmazeutika und Radiochemikalien sowie der dazugehörigen Geräte für die molekulare Bildgebung und Nuklearmedizin.
Geschäftsjahr 2019, Quelle: marketscreener.com

CEO ist der 51-jährige Namensgeber des Unternehmens – Dr. Andreas Eckert, der selbst gut ein Drittel der Aktien am Unternehmen hält.

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3. Was gibt es Neues?

Nach der letzten Analyse im Juli wurde auf der Hauptversammlung beschlossen, einen Aktiensplit durchzuführen. Den Aktionären standen damit Gratisaktien aufgrund ihres Aktienbesitzes im Verhältnis 1:3 zu, so dass die Aktionäre für jeweils eine Aktie zusätzlich drei Gratisaktien erhielten. Dies führte dazu, dass der Aktienkurs im selben Verhältnis fiel, da das Unternehmen durch diese Maßnahme ja nicht mehr wert ist. Die Aktien kosteten damit nur noch 38,50 EUR, was offenbar viele Anleger ansprach, wirkt die Aktie damit optisch günstiger als vor dem Split.

Eckert und Ziegler wurde von Corona getroffen. Umsatz und Gewinn konnten nicht wie geplant gesteigert werden und blieben hinter den Erwartungen zurück. Bedingt durch Corona konnte das größte Segment „Isotope Products“ das Umsatzniveau des Vorjahres nicht halten. Der Umsatz brach um 15%, im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2019, ein. Umsatzrückgänge trafen insbesondere die lukrativen Komponenten für die industrielle Messtechnik, das Brasiliengeschäft und die Entsorgungsdienstleistungen.

Im Gegensatz dazu konnten jedoch die Umsätze mit pharmazeutischen Radioisotopen um 5,4 Mio. EUR oder 10% auf 60,1 Mio. EUR gesteigert werden. Während Laborgeräte und Brachytherapiequellen, darunter auch Jodimplantate, erheblich unter den reduzierten Bestellungen der Krankenhäuser aufgrund von Corona litten, wuchs der Umsatz mit pharmazeutischen Radioisotopen um über 6 Mio. EUR oder fast 30% auf ca. 30 Mio. EUR an.

Kürzlich wurde bekanntgegeben, dass ambulante Behandlungen beim organerhaltenden Bestrahlungsverfahren der Brachytherapie von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden sollen. Hierbei handelt es sich um ein organerhaltendes, minimalinvasives Bestrahlungsverfahren, bei dem unter optimaler Schonung des umliegenden Gewebes millimeterkleine, schwach radioaktive Titanröhrchen in die Prostata eingebracht werden. Im Vergleich zu anderen Therapieoptionen, wie Entfernung der Prostata oder äußere Strahlentherapie, weist die Brachytherapie ein anderes, häufig für den Patienten vorteilhafteres Nebenwirkungsprofil auf.

Nach Angaben von Eckert & Ziegler gibt es in Europa jährlich rund 473.000 Prostatakrebs-Neuerkrankungen. Eckert & Ziegler ist europäischer Marktführer in diesem Bereich. Die Kosten stationärer Behandlungen für das Therapieverfahren wurden bereits von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Nun gilt dies also auch für die ambulante Behandlung.

4. Aktienliebe Score

Eckert & Ziegler erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 79%. Nach meiner Scorecard handelt es sich damit zwar um eine gute Aktie, die ich aber zunächst nicht als kaufenswert erachte. Grundsätzlich investiere ich nur in Unternehmen mit einem Score von mindestens 80%. Eckert & Ziegler liegt derzeit knapp darunter. Schauen wir uns Qualitätsparameter und die Renditeerwartung einmal genauer an.

Qualität: 80%

Umsatz- und Gewinnwachstum: 30 Punkte (von 40 möglichen Punkten)

Eckert & Ziegler wächst mit ordentlichen Raten. Es handelt sich zwar nicht um eine stark wachsendes Tech-Unternehmen. Mit einem Wachstum beim Umsatz und Gewinn von zwischen 5% und 10% schneidet das Unternehmen hier mit 30 von 40 möglichen Punkten gut ab.

Gewinnkontinuität und Drawdown: 20 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Beide Anforderungen werden erfüllt. E&Z konnte ich den vergangenen 10 Jahren immer einen Gewinn erwirtschaften. Zudem brach dieser nie um mehr als 50% im Vergleich zum Vorjahr ein. Ganz im Gegenteil: Seit 2013 wurde er jedes Jahr gesteigert.

Profitabilität: 10 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Die Eigenkapitalrendite liegt knapp unter den geforderten 15% im Durchschnitt der letzten drei Jahre, wobei sie in 2019 zuletzt bei 16,9% lag. Die operative Gewinnmarge wird im Jahr 2020 bei 18% liegen und soll bis 2022 sogar auf 20% gesteigert werden.

Bilanz: 20 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Die Bilanz ist top – die Kasse von E&Z ist prall gefüllt. Das Unternehmen sitzt auf über 98 Mio. EUR Nettoliquidität. Von dieser Seite her drohen somit keine Risiken. Vielmehr bietet sich für E&Z damit auch die Möglichkeit ggf. die ein oder andere Übernahme zu tätigen und somit das Wachstum anorganisch zu beschleunigen.

Renditeerwartung: 79%

An dieser Stelle nutze ich regelmäßig das IRR-Modell, da ich langfristig investiere und Market Timing lieber anderen überlasse. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free-Cashflow-Rendite

Die FCF-Rendite beträgt derzeit 1,83%. Das langfristige Gewinnwachstum schätze ich aufgrund der erwarteten Entwicklung in den kommenden drei Jahren bei Umsatz und Gewinn (s.o.) auf ca. 8%. Demnach ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von 9,83%, was in der Scorecard einen Wert von 79% bedeutet.

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5. Bewertung

Historischer Vergleich

Im historischen Vergleich zu den letzten drei Jahren erkennt man, dass die Aktie momentan eher hoch bewertet ist. Derzeit muss man den 51-fachen Gewinn für das Unternehmen bezahlen. Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt mit 6,3 deutlich über den letzten drei Jahren. Die Dividendenrendite ist ebenfalls geringer als in der Vergangenheit.

Kennzahl20172018201920202021e
KGV16,5x19,8x44,4x51,0x43,6x
Dividendenrendite2,22%1,94%0,89%0,66%0,77%
Marktkap. / Umsatz1,38x1,85x5,50x6,30x5,70x
EV / Umsatz0,97x1,53x5,17x5,79x5,20x
EV / EBITDA5,07x8,08x21,4x23,9x21,3x
EV = Unternehmenswert, Quelle: marketscreener.com

KGV-Modell

Bei diesem Modell schaue ich, wie hoch der Aktienkurs in 10 Jahren voraussichtlich sein wird und bestimme damit die jährliche Renditeerwartung. Ausgangspunkt ist der Gewinn pro Aktie (EPS = Earings per share) des Jahres 2020. Dieser wird wohl bei 1,07 EUR liegen. Aufgrund der aktuellen Schätzungen unterstelle ich ein jährliches EPS-Wachstum von 10% in den nächsten 10 Jahren. Für das Jahr 2029 lege ich einmal ein KGV von 30 an. Nach Abzug einer Sicherheitsmarge würde Eckert & Ziegler eine eher geringe Rendite von nur 4,5% p.a. einbringen.

Gewinn pro Aktie 2019 in EUR1,07
Wachstum p.a.10,00%
Gewinn pro Aktie im Jahr 20292,78
KGV fair30
Kurs im Jahr 202983,26
Abzgl. 5% Margin of Safety79,10
Aktueller Kurs54,55
Rendite p.a.4,45%
Kurspotential45,00%

Einfaches Discounted-Cashflow-Modell

Bei diesem Modell versucht man den Unternehmenswert, mittels Schätzung des zukünftigen Cashflows bzw. der Gewinne, zu ermitteln. Diese werden auf den heutigen Tag abgezinst.

Für die Jahre 2020 – 2022 habe ich die o.g. Analystenschätzungen für Umsatz und Gewinnmarge herangezogen. Anschließend habe ich folgende Annahmen zugrunde gelegt:

UmsatzwachstumGewinnmarge
bis 20259%20%
bis 20307%22%
bis 20356%24%
bis 20405%27%

Unter diesen Annahmen ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von 5,1%. Die Aktie ist – unter diesen Annahmen – also ebenfalls überbewertet. Der faire Aktienkurs liegt danach bei nur 27 EUR – bei diesem Kurs könnten Anleger mit einer Jahresrendite von 10% rechnen.

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6. Fazit

Eckert & Ziegler ist ein typisches Beispiel für Qualität made in Germany. Still und leise erzielt man stetig steigende Umsätze in einem Nischenbereich und wächst seit Jahren. Mit seinen Lösungen im Bereich der Nuklearmedizin bewegt man sich zweifelsohne in einem Zukunftsmarkt. E&Z ist nach meiner Ansicht ein sehr gutes Unternehmen, um auf diesen Trend zu setzen.

Allerdings finde ich die Aktie derzeit sehr hoch bewertet. Das Wachstum liegt bei 10% p.a., das KGV bei 50! Sowohl im historischen Vergleich als auch bei Anwendung des vereinfachten KGV bzw. DCF-Modells komme ich auf eine hohe Überbewertung. Mit einem Aktienliebe Score von unter 80 stellt die Aktie für mich auf dem derzeitigen Bewertungsniveau daher zur Zeit keinen Kauf dar.

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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Quellen