ServiceNow – alles Workflow oder was?

Im heutigen Arbeitsalltag wird eine Vielzahl von unternehmerischen Tätigkeiten im Team erledigt. Oftmals kommt es aber bei der gemeinsamen Bearbeitung zu Problemen: Wer ist zuständig? Wer kümmert sich um den nächsten Schritt? Wie ist der Bearbeitungsstand? Hinzukommt, dass verschiedene Mitarbeiter gleichartige Geschäftsprozesse jeweils unterschiedlich bearbeiten – jeder ebenso so, wie er denkt. Daher investieren Unternehmen aller Branchen zunehmend in die Optimierung ihrer Prozesse.

Und genau hier kommen die Produkte von ServiceNow ins Spiel. Der Anbieter von cloudbasierten Workflow-Lösungen kann sich in Zeiten von zunehmender Digitalisierung – nicht zuletzt getrieben durch die Corona-Pandemie – vor Aufträgen kaum retten. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Aktienkurs und dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unglaublichen 522 für das Jahr 2021 wider. Ist die Aktie dennoch kaufenswert?

Inhaltsverzeichnis

Beim heutigen Artikel handelt es sich um ein Update des Artikels vom 22.06.2020.

Die Aktie im Überblick

Überblick

ServiceNow Inc. ist Anbieter von Cloud Computing-Lösungen. Das Unternehmen ist auf cloudbasierte Dienste spezialisiert, die den Workflow innerhalb und zwischen den Abteilungen eines Unternehmens automatisieren. Neben Standard-Lösungen haben Kunden auch die Möglichkeit, selbst oder mit ihren Partnern eigene serviceorientierte Geschäftsanwendungen zu erstellen. Dies bietet den Unternehmen einen enormen Mehrwert, der sich u.a. durch stetig steigende Umsätze zeigt.

Zu den Kunden gehören Unternehmen verschiedener Branchen, darunter Finanzdienstleistungen, Konsumgüter, Informationstechnologie, Gesundheitswesen, Regierung, Bildung und Technologie.

NameServiceNow
HauptsitzUSA
WKNA1JX4P
SektorTechnologie
Aktueller Kurs532,28 USD
Marktkapitalisierung104 Mrd. USD
Dividendenrendite0,00%
Free Cashflow Rendite1,36%
KGV 2020 / 2021873 / 522
Qualitätsscore80,00%
Bewertungsscore85,54%
Gesamtscore82,77%
Datum20.01.2021

Aktienkurs

Das Geschäftsmodell

Durch die Software von ServiceNow können Unternehmen effizienter und besser arbeiten. Manuelle Arbeitsweisen waren gestern, heute steuern Unternehmen ihre Geschäftsprozesse mittels Workflow.

Was ist ein Workflow?

Bei einem Workflow geht es um die Automatisierung von Geschäftsprozessen. Workflow bedeutet “Arbeitsablauf”. Dabei wird für einen bestehenden Prozess festgelegt,

  • wer,
  • was,
  • bis wann.

erledigen muss, damit der Prozess abgeschlossen werden kann. Der Workflow zwingt Unternehmen dazu festzulegen, welche Arbeitsschritte überhaupt und in welcher Reihenfolge durchgeführt werden müssen. Abhängigkeiten, Ungenauigkeiten, Fehler und Engpässe werden so erkannt, aufgedeckt und optimiert.

Warum Unternehmen überhaupt ein Workflow-Management-System benötigen.

Mit der Einführung eines Workflow-Managements werden allgemein folgende Ziele verfolgt:

  • Verbesserung der Qualität der zu unterstützenden (Geschäfts-)Prozesse,
  • Vereinheitlichung der (Geschäfts-)Prozesse,
  • Reduzierung der Bearbeitungszeiten und damit der Kosten,
  • hohe Informationsverfügbarkeit (Wie ist der Bearbeitungsstand? Bei wem liegt gerade das To Do?),
  • Erhöhung der Transparenz der (Geschäfts-)Prozesse (Statusermittlung, Dokumentation von Entscheidungen etc.).

Das Workflow-Management-System kann so z.B. den gesamten Weg eines Mitarbeiters in einem Unternehmen steuern – also von der Einstellung über die Einrichtung seines Rechners am Arbeitsplatz bis hin zur Gehaltsabrechnung. Es kann aber auch in der Zusammenarbeit mit Kunden eines Unternehmens eingesetzt werden, um diese zu optimieren. Als Nebeneffekt trägt ein einmal eingeführtes System gleichzeitig zur Kundenbindung bei.

Marktpositionierung von ServiceNow

Mit einem Umsatz von 4,4 Milliarden USD und knapp 10.000 Mitarbeitern ist ServiceNow, im Vergleich zu anderen Schwergewichten im Softwarebereich wie SAPMicrosoft, Oracle und Salesforce, eher klein.

ServiceNow sieht sich mit seiner Plattform jedoch nicht als Konkurrent von Microsoft, SAP oder Salesforce. Die Plattform ist vielmehr als Ergänzung zu den bestehenden Produkten zu verstehen und soll flexible kombinierbar sein.

Nach Aussage von ServiceNow nutzen bereits jetzt 80 Prozent der Fortune-500-Unternehmen in den USA ihre Services in irgendeiner Form, in Deutschland sind DAX Schwergewichte wie die Allianz oder Siemens bereits Kunde. 

Quelle: Investoren Präsentation ServiceNow

Cloudbasiertes Abo-Modell

Unternehmen mit cloudbasierten Abonnementmodellen sind an der Börse äußerst beliebt. Warum ist das so? Hierfür gibt es im Wesentlichen drei Gründe:

  1. Planbare stetige Cashflows: Verkauft wird die Software zum Monatspreis. So kommt regelmäßig Geld in die Kasse.
  2. Hohe Skalierbarkeit: Die Plattform steht. Jeder neue Kunde bedeutet nicht nur zusätzlichen Umsatz, sondern vor allem steigende Gewinne.
  3. Stärkung der Kundenbindung: Einmal implementiert wechseln Kunden eher selten den Anbieter. ServiceNow hat nach eigenen Angaben eine “Renewal Rate” von 97%. Lediglich 3% der Kunden verlängern also nicht den Vertrag mit ServiceNow – das ist beeindruckend.

Das Management

Viele kennen den heutigen CEO von ServiceNow sicherlich noch aus seiner Zeit beim deutschen Software Riesen SAP. Bill McDermott war von 2010 bis 2019 CEO bei SAP und sorgte in dieser Zeit für einen unglaublichen Aufstieg des Unternehmens. Im Jahr 2019 wurde dann überraschend bekannt, dass er zur Konkurrenz ServiceNow wechselt.

Er ist ein unglaublich charismatischer und erfahrener Manager, der immer 100% hinter dem steht, was er tut. Anfang Juli 2015 verlor McDermott nach einem Unfall das linke Auge, führte aber während seiner Genesung weiterhin die Geschäfte von SAP. Schon im Oktober 2015 kehrte er nach dem Unfall wieder zum SAP-Hauptsitz nach Walldorf zurück. Dies zeigt, dass McDermott für seinen Job lebt und sich damit identifiziert.

Aktionärsstruktur

Quelle: marketscreener.com

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Aktienliebe Score

ServiceNow erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 83%. Nach meiner Scorecard handelt es sich damit um eine kaufenswerte Aktie, da hierunter Unternehmen mit einem Score von mindestens 80% fallen. Schauen wir uns Qualitätsparameter und die Renditeerwartung einmal genauer an.

Qualität: 80%

Umsatz- und Gewinnwachstum: 40 Punkte (von 40 möglichen Punkten)

ServiceNow wächst – und das beeindruckend. So konnte der Umsatz in den vergangenen 10 Jahren jährlich um durchschnittlich 68% gesteigert werden!

Seit dem Jahr 2017 kann das Unternehmen auch endlich einen positiven operativen Gewinn vorweisen, der nun ebenfalls pro Jahr sehr stark anwächst. Betrug der EBIT (Earnings before interest and taxes – Gewinn vor Abzug von Zinsen und Steuern) in 2017 noch 315 Mio USD, wird er im Jahr 2020 bereits bei 1.103 Mio. USD liegen. Er hat sich damit innerhalb von drei Jahren verdreifacht.

Auch in den kommenden drei Jahren erwarten die Analysten ein Anhalten des starken, wenn auch leicht abgeschwächten Wachstumstrends. So soll der Umsatz um jährlich 26% und der operative Gewinn um jährlich 35% steigen.

Gewinnkontinuität und Drawdown: 0 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

ServiceNow bekommt insgesamt 20% Abzug bei Anwendung der Scorecard. Punkte gehen bei der Gewinnkontinuität sowie beim EBIT-Drawdown verloren. Dies liegt daran, dass ServiceNow im Zeitraum 2009 – 2016 nur in einem Jahr einen positiven operativen Gewinn vorweisen konnte (im Jahr 2011 knapp 11 Mio. USD). Dies ist bei einem so jungen und stark wachsenden Unternehmen jedoch kein Grund zur Sorge.

Profitabilität: 20 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Die Eigenkapitalrendite liegt bei unglaublichen 44,63% im Durchschnitt der letzten drei Jahre, die operative Gewinnmarge bei 25%. ServiceNow arbeitet damit äußerst profitabel und es zeigt zudem die Güte des hochskalierbaren Geschäftsmodells.

Bilanz: 20 Punkte (von 20 möglichen Punkten)

Die Bilanz ist top – ServiceNow sitzt auf über 2 Mrd. USD Nettoliquidität. Dies ist bei einem Unternehmen, das in den letzten Jahren einen so starken Wachstumskurs gefahren ist, eher selten.

Aufgrund des stetig wachsenden Cashflows kann das Wachstum auch in Zukunft vollständig aus eigenen Mittel und ohne die Aufnahme von Fremdkapital finanziert werden.

Renditeerwartung: 85%

An dieser Stelle nutze ich regelmäßig das IRR-Modell, da ich langfristig investiere und Market Timing lieber anderen überlasse. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free-Cashflow-Rendite

Die FCF-Rendite beträgt derzeit 1,36%. Das langfristige Gewinnwachstum schätze ich aufgrund der erwarteten Entwicklung in den kommenden drei Jahren (s.o.) auf mehr als 10% (das ist der Höchstwert, der in der Scorecard herangezogen werden kann). Demnach ergibt sich eine (konservativ geschätzte) jährliche Renditeerwartung von 11,36%, was in der Scorecard einen Wert von 85% bedeutet.

Bewertung der Aktie

Historischer Vergleich

Im historischen Vergleich zu den letzten drei Jahren erkennt man, dass die Aktie momentan eher hoch bewertet ist. Derzeit muss man fast das 70-fache EBITDA bezahlen, in den letzten drei Jahren war es nur das 46- bis 53-fache. Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt mit 22 deutlich über den letzten drei Jahren.

Kennzahl20172018201920202021e2022e
Marktkap. / Umsatz11,6x12,2x15,4x22,4x17,8x14,3x
EV / Umsatz10,9x11,9x15,1x21,9x17,2x13,6x
EV / EBITDA48,9x45,9x52,7x69,2x56,5x43,1x
EV = Unternehmenswert, Quelle: marketscreener.com

KGV-Modell

Bei diesem Modell schaue ich, wie hoch der Aktienkurs in 10 Jahren voraussichtlich sein wird und bestimme damit die jährliche Renditeerwartung. Ausgangspunkt ist der Gewinn pro Aktie (EPS = Earings per share) des Jahres 2020. Dieser wird wohl bei 0,61 USD liegen. Da ServiceNow erst jetzt beginnt, positive Gewinne pro Aktie zu schreiben, ist eine Prognose über die weitere Entwicklung eher schwierig. Aufgrund der aktuellen Schätzungen unterstelle ich ein jährliches EPS-Wachstum von 40% bzw. 50% % in den nächsten 10 Jahren.

Für das Jahr 2030 lege ich einmal ein KGV von 50 und einmal eines von 60 an. Nach Abzug einer Sicherheitsmarge würde ServiceNow – je nach Szenario – eine hohe oder niedrige Rendite einbringen.

Konservatives
Szenario
Optimistisches
Szenario
Gewinn pro Aktie 2020 in USD0,610,61
Wachstum p.a.40,00%50,00%
Gewinn pro Aktie im Jahr 203017,6435,18
KGV fair5060
Kurs im Jahr 2030 in USD882,232110,54
Abzgl. 5% Margin of Safety838,122005,01
Aktueller Kurs532,28532,28
Rendite p.a.4,64%14,18%
Kurspotential57,46%276,68%

Einfaches Discounted-Cashflow-Modell

Bei diesem Modell versucht man den Unternehmenswert, mittels Schätzung der zukünftigen Cashflows bzw. Gewinne, zu ermitteln. Diese werden auf den heutigen Tag abgezinst.

Für die Jahre 2020 – 2022 habe ich die o.g. Analystenschätzungen für Umsatz und Gewinnmarge herangezogen. Anschließend habe ich folgende Annahmen zugrunde gelegt:

UmsatzwachstumGewinnmarge
bis 202524%26%
bis 203019%28%
bis 203515%31%
bis 204012%34%

Unter diesen Annahmen ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von 9,5%. Die Aktie ist – unter diesen Annahmen – also fair bis leicht überbewertet. Der faire Aktienkurs liegt danach bei gut 470 USD – bei diesem Kurs könnten Anleger mit einer Jahresrendite von 10% rechnen.

Chancen und Risiken

Chancen

ServiceNow bewegt sich in einem stark wachsenden Markt. Die Nachfrage der Unternehmen nach Workflow-Lösungen ist hoch und nimmt stetig zu. Die Plattform ist zudem mit allen gängigen Unternehmensanwendungen kompatibel und kann leicht implementiert werden.

Ein gutes Workflow-Management schafft für Unternehmen einen enormen Mehrwert durch Standardisierung, Effizienzsteigerung und Kostenersparnis. Viele Unternehmen haben derartige Systeme bislang nicht integriert – der Markt ist immens.

ServiceNow profitiert vom sog. Lock-In Effekt: Einmal gekauft und implementiert kann die Plattform nicht mehr ohne großen Aufwand und hohe Kosten getauscht werden. Dies zeigt sich an der Renewal Rate von 97% und sichert planbare und stetig steigende Cashflows.

Corona hat außerdem dazu geführt, dass Mitarbeiter vermehrt von zu Hause aus und nicht mehr physisch im Büro arbeiten. Daher gewinnt das Thema Workflow nochmals an Bedeutung. Gerade wenn sich die Team-Mitglieder nicht mehr täglich sehen, sind abgestimmte Prozesse, Verantwortlichkeiten und Automatisierung besonders wichtig.

Risiken

Technologischer Fortschritt entwickelt sich exponentiell. Es ist immer und zu jeder Zeit möglich, dass IT-Unternehmen aktuelle Trends verpassen, die ihnen die Grundlage für ihr Geschäftsmodell quasi über Nacht entziehen. Dieses Risiko hat man im Technologiebereich immer, weshalb Tech-Werte immer mit einem höheren Risiko versehen sind. Bei ServiceNow läuft es aber derzeit rund. Das Management ist äußerst erfahren. CEO McDermott hat schon bei SAP bewiesen, dass er flexibel auf Veränderungen reagieren kann.

Ein weiteres Risiko sehe ich darin, dass andere Unternehmen eine vergleichbare Plattform anbieten und somit den Konkurrenzdruck auf ServiceNow erhöhen. Auch dieses Risiko schätze ich eher als gering für die Geschäftstätigkeit ein, da sich ServiceNow in einem stark wachsenden Markt bewegt, der trotz zunehmender Zahl von Konkurrenten immer noch für steigende Gewinne sorgen wird.

Fazit

Insgesamt ergibt sich für ServiceNow ein Score von 83%. Für langfristig orientierte Anleger ist die Aktie daher ein Kauf. Ein gutes Workflow-Management ist für Unternehmen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor und ServiceNow ist in diesem Markt einer der führenden Anbieter.

Das Unternehmen wächst stark und ist zudem profitabel. Mit Bill McDermott ist ein CEO an der Spitze, dem ich aufgrund seiner Erfahrung und bisherigen Leistungen zutraue das Unternehmen weiter auf Erfolgskurs zu halten.

Die aktuelle Bewertung ist schwierig einzuschätzen. Insgesamt erscheint der derzeitige Kurs gerechtfertigt, gleichzeitig ist die Aktie aber kein Schnäppchen. Sie könnte sich daher als Sparplanaktie eigenen. Vorsichtige Anleger könnten sich die Aktie aber auch erst einmal auf die Watchlist packen und bei temporärer Schwäche einsteigen.

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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Quellen

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