Starbucks – Gestärkt aus der Krise?

Corona hat dazu geführt, dass viele Filialen der Kaffeehaus-Kette Starbucks vorübergehend schließen mussten. Und auch in die geöffneten Läden kamen deutlich weniger Kunden. Der Gewinn ist im Jahr 2020 eingebrochen und man fragt sich, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. In der heutigen Analyse, schaue ich mir die Starbucks Aktie einmal genauer an. Ist jetzt vielleicht sogar der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg?

Inhaltsverzeichnis

Die Aktie im Überblick

Überblick

NameStarbucks
HauptsitzUSA
WKN884437
SektorZyklischer Konsum
Aktueller Kurs102 USD
Marktkapitalisierung120 Mrd. USD
Dividendenrendite1,77%
Free Cashflow Rendite2,80%
KGV38
Qualitätsscore70,93%
Bewertungsscore66,03%
Gesamtscore68,48%
Datum26.12.2020

Aktienkurs

Quelle: ariva.de

Das Geschäftsmodell

Fast jeder kennt den international führenden Kaffeeproduzent und Betreiber der gleichnamigen Kaffeehauskette. Überall auf der Welt finden sich Filialen von Starbucks, in denen neben frisch gerösteten Kaffeegetränken auch kalte Mixgetränke, verschiedene Back- und Süßwaren, Fruchtsäfte, Snackboxen gekauft werden können.

Die Erfolgsgeschichte begann im Jahr 1971. Damals bestand Starbucks aus nur einem einzigen Geschäft auf dem historischen Pike Place Market in Seattle. Von nur einem schmalen Laden aus bot Starbucks einige der besten frisch gerösteten Bohnenkaffees der Welt an. Der Name wurde in Anlehnung an den Steuermann Starbuck aus Moby Dick gewählt und sollte an die Romantik der hohen See und die Seefahrtstradition der frühen Kaffeehändler erinnern.

1982 übernahm Howard Schultz bei Starbucks die Leitung des Einzelhandels und der Vermarktung. 1983 reiste Howard nach Italien und war fasziniert von italienischen Kaffeebars und der Romantik des Kaffeeerlebnisses. Er hatte die Vision, die italienische Kaffeehaus-Tradition in die USA zurückzubringen. Er wollte einen Ort für zwanglose Gespräche und ein Gefühl der Gemeinschaft schaffen. 1985 kündigte er bei Starbucks und eröffnete seine eigene Kaffeebar namens Il Giornale. 1987 kaufte er Starbucks für 3,8 Millionen US-Dollar und begann – mit 11 Läden und 100 Angestellten – mit dessen Expansion. 

Heute werden mehr als 30.000 Einzelhandelsgeschäften unter dem Franchise Modell von Starbucks in 80 Märkten mit Millionen von Kunden betrieben. Der Großteil der Umsätze stammt aus dem US-Geschäft. Bislang werden nur 11% im riesigen chinesischen Markt und fast kein Umsatz in Indien generiert.

Quelle: marketscreener.com

Zudem werden über 80% des Umsatzes durch eigens betriebene Coffeeshops erwirtschaftet. Franchise spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Mehr als „nur“ Kaffee

Wie schafft es ein Unternehmen, den Kunden davon zu überzeugen, das 3-fache für ein Produkt zu bezahlen, wenn es doch letztendlich keine großen Unterschiede zwischen den Produkten gibt? Kaffee ist doch gleich Kaffee, oder?

Ganz einfach: Man verwandelt ein einfaches Konsumprodukt in ein emotionales Erlebnis. Ein einzigartiges Ambiente von italienischen Espressobars, Raum erfüllender Duft von Kaffee, bequeme Sessel, kostenloser Internetzugang, ergänzt durch ausgezeichneten Service und eine große Auswahl verschiedenster Produkte. Damit gelingt es Starbucks wie kaum einem anderen Unternehmen sich von anderen Wettbewerbern abzugrenzen und so ein Alleinstellungsmerkmal zu erreichen.

Starbucks möchte den bestmöglichen Kaffee servieren. Zudem wurde das Produktangebot stetig erweitert, so dass Kunden inzwischen eine sehr große Auswahl an individuellen Produkten haben:

  • Kaffee: Mehr als 30 Mischungen.
  • Handgefertigte Getränke: Frisch gebrühter Kaffee, heiße und gefrorene Espresso-Getränke, Eiskaffee, kaltes Gebräu, Nitro, Frappuccino-Kaffee und Getränke ohne Kaffeemischung, Starbucks Refreshers-Getränke und Teavana-Tees.
  • Waren: Kaffee- und Teezubereitungsgeräte, Tassen und Zubehör, verpackte Waren, Bücher und Geschenke.
  • Frisches Essen: Gebackenes Gebäck, kalte und warme Sandwiches, Salate, Salat- und Körnerschalen, Haferflocken, Joghurtparfaits und Obstbecher.

Zudem können Starbucks Produkte auch in Supermärkten gekauft werden.

  • Kaffee und Tee: Ganze Bohnen und gemahlener Kaffee, Starbucks VIA Instant, Starbucks-Espressokapseln, die in den Nespresso- und Nescafé Dolce Gusto-Systemen erhältlich sind.
  • Trinkfertig (RTD): Z.B. Frappuccino-Kaffeegetränke, Starbucks Iced Latte, Single Serve Cold Brew, Doubleshot-Kaffee-Smoothies, Teavana Craft Iced Tees, Teavana Sparkling Craft Iced Tees uvm..
  • Joint-Ventures: Über seine Joint-Venture-Beziehungen mit PepsiCo Inc. und Nestlé produziert und vermarktet Starbucks Frappucino-Kaffeegetränke und eine Reihe an Eiscremes.

Warum könnte Starbucks interessant sein?

Das Coronavirus hat im Jahr 2020 dazu geführt, dass der operative Gewinn aufgrund von Filialschließungen um gut 50% eingebrochen ist. Und selbst die geöffneten Filialen mussten starke Kundenrückränge verzeichnen, blieben die Menschen infolge erhöhter Ansteckungsrisiken lieber zu Hause. Starbucks blickt nun aber wieder zuversichtlicher in die Zukunft, wie das Unternehmen auf einem virtuellen Investorentag bekanntgab.

Mit Drive In-Schaltern gegen Corona

Starbucks hat zudem flexibel auf die geänderten Anforderungen während der Corona-Krise reagiert. Da weniger Menschen in die Filialen kamen, setzt Starbucks nun mehr auf die Lieferung und Abholung seiner Produkte. Zudem wurden die Filialen teilweise mit einem Drive-In-Schaltern ausgestattet, die nach Angaben von Starbucks während der Pandemie sehr gut von den Kunden angenommen wurden. Dieses Konzept kennen wir alle von McDonalds, wo wir die Bestellung direkt vom Auto aus abgeben.

Starbucks möchte nach einem Artikel des „Business Insiders“ weltweit in den nächsten 10 Jahren 22.000 neue Filialen eröffnen. Insgesamt würde man damit rund 55.000 Standorte betreiben. 80 Prozent der neuen Filialen werden voraussichtlich mit dem Drive-In-Konzept ausgestattet sein.

Zudem ist es neuerdings möglich, Kaffee und andere Produkte über Lieferando zu bestellen und diese direkt nach Hause liefern zu lassen. Alternativ kann man die Produkte auch vorbestellen und im gewünschten Coffee House abholen.

Hoffnung auf das China-Geschäft

China ist – wie für viele andere Unternehmen auch – ein sehr wichtiger Markt für Starbucks, wächst das Unternehmen hier überproportional. Bis Ende 2022 ist geplant, dass in China insgesamt 6.000 Standorte in 230 Städten geöffnet sind. Bislang trägt China nur 11% des Gesamtumsatzes bei.

Besonders interessant finde ich, dass in China die digitalen Angebote boomen. Kunden bestellen per App und holen sich die Waren dann ab. Auch Lieferungen sind möglich.

Kaffeemarkt wächst

Starbucks geht davon aus, dass der Kaffeemarkt bis 2023 weltweit um 5 bis 6 Prozent wachsen wird. Starbucks möchte daher nicht nur in den USA, sondern vor allem auch global wachsen. Das Wachstum kommt zum einen durch die Eröffnung neuer Filialen, zu anderen aber durch die Erweiterung des Produktangebotes. So plant Starbucks beispielsweise die Aufnahme von Hafermilch in das Sortiment, nachdem bereits Soja-, Kokos- und Mandelmilch angeboten werden.

Quelle: statista.de

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Aktienliebe Score

Starbucks erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 68%. Dies ist lediglich ein mittelmäßiger Wert. Aktien finde ich grundsätzlich ab einem Score von 80% interessant. Schauen wir uns Qualitätsparameter und die Renditeerwartung einmal genauer an.

Qualität

Umsatz- und Gewinnwachstum

Der Umsatz wächst stetig. In den letzten 10 Jahren konnte Starbucks hier durchschnittlich um 8% p.a. zulegen. In den kommenden drei Jahren rechnen die Analysten mit rund 13%. Das stärkere Wachstum in den kommenden 3 Jahren liegt allerdings am Umsatzrückgang im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie. Die Betrachtung ist daher durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie leicht verzerrt. Betrachtet man stattdessen den Zeitraum von 2019 bis 2023, so wächst der Umsatz mit rund 6% p.a..

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Gewinnwachstum. Bis 2019 wuchs dieser fast 14% p.a.. Aufgrund des starken Gewinneinbruchs im Jahr 2020 beträgt das Wachstum aus 10-Jahressicht lediglich 4% p.a.. In den kommenden drei Jahren soll der Gewinneinbruch wieder deutlich kompensiert werden. Das erwartete Wachstum beträgt – bezogen auf das Jahr 2020 – dann 43%. Legt man wieder das Vor-Corona-Jahr zugrunde, bekommt man eine aussagekräftigere Zahl von 8% p.a..

Gewinnkontinuität und Drawdown

Sowohl bei der Gewinnkontinuität als auch beim Drawdown (Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahr) geht Starbucks in der Scorecard leer aus. Dies liegt zum einen am negativen operativen Gewinn (EBIT) im Jahr 2013, zum anderen am starken Gewinnrückgang im Jahr 2020 (> 53%).

Profitabilität

Starbucks bietet Premium-Kaffee und kann damit – wie es für einen Premium-Anbieter üblich ist – höhere Gewinnmargen erzielen. Für 2021 ist mit einer operativen Gewinnmarge von 16,6% zu rechnen. Zudem lag die Eigenkapitalrendite – also die Verzinsung des Kapitals der Aktionäre – in den letzten drei Jahren bei 127% im Durchschnitt. Volle Punktzahl!

Bilanz

Starbucks ist verschuldet, allerdings ist die Bilanz dennoch sehr solide. Die Nettoschulden (Schulden abzgl. liquides Vermögen) betragen das 2,14-fache des operativen Jahresgewinns. Bis zum 2-fachen Wert gibt es noch die volle Punktzahl in der Scorecard. Aufgrund der leicht übersteigenden Verschuldung, erhält Starbucks hier „nur“ 18,58% anstelle der maximal möglichen 20%.

Renditeerwartung

Renditescore: 66%

An dieser Stelle nutze ich regelmäßig das IRR Modell, da ich langfristig investiere und Market Timing lieber anderen überlasse. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free Cashflow Rendite

Die FCF Rendite beträgt derzeit 2,80%. Das ist der Betrag, der den Aktionären maximal zur Verfügung gestellt werden kann – sei es durch eine Dividende, in Form von Aktienrückkäufen oder durch Schuldentilgung.

Das langfristige Gewinnwachstum schätze ich aufgrund der erwarteten Entwicklung in den kommenden drei Jahren (s.o.) auf 6% p.a.. Demnach ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von 8,8%, was in der Scorecard einen Renditescore von 66% bedeutet. Diese liegt also „nur“ im Marktdurchschnitt.

Kurzfristige Bewertung der Aktie

Im Rückblick auf die letzten drei Jahre zeigt sich, dass Starbucks derzeit tendenziell eher hoch bewertet ist. Das Jahr 2020 ist aufgrund der Corona-Pandemie nicht ganz so aussagekräftig. Aber im Vergleich zu 2019 sind sowohl das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) als auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) eher hoch. Der Median beim KGV in den letzten 10 Jahren lag bei 27,6.

Die Dividendenrendite ist mit 1,77% höher als im Jahr 2019, aber geringer als in 2018. Der Median der letzten 10 Jahre lag bei 1,5%

Kennzahl2018201920202021
KGV17,7x30,3x107x38,6x
Dividendenrendite2,30%1,69%1,46%1,77%
EV* / Umsatz3,15x4,31x4,69x4,61x
EV* / EBITDA13,6x19,9x32,9x21,6x
*EV = Enterprise Value (Unternehmenswert), Quelle: marketscreener.com

Insgesamt ist die Starbucks Aktie m.E. eher hoch bewertet, was angesichts der Corona-Pandemie doch etwas überrascht.

Die Dividende

Interessant ist Starbucks mit einer Dividendenrendite von rund 1,8% für Dividendenjäger. Die Dividende wurde in den letzten 10 Jahren um 22,55% p.a. gesteigert. Zwar lag die Ausschüttungsquote im Jahr 2020 bei über 200%! Dies ist allerdings auf den Gewinneinbruch zurückzuführen. Das Management hat dennoch die Dividende weiter gesteigert und das ist m.E. auch unbedenklich. Im Jahr 2021 wird die Ausschüttungsquote wieder bei voraussichtlich nur 68% liegen.

Dividendenrendite1,77%
Auszahlungen/Jahr4
Steigert seit10 Jahren
Keine Senkung seit10 Jahren
Stabilität der Dividende0,98 (max. 1,0)
Jährlicher Dividenden-
zuwachs
19,47 % (5 Jahre)
22,55 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote218,2 % (auf den Gewinn/FFO)
147,4 % (auf den Free Cash Flow)
Quelle: aktienfinder.net
Entwicklung der Dividende seit 2010

Fazit

Starbucks ist ein faszinierendes Unternehmen und viel mehr als ein Verkäufer von überteuertem Kaffee. Den Kunden wird ein Lebensgefühl gegeben und die Filialen sind ein Ort des Zusammenkommens. Die Corona Pandemie hat Starbucks hart getroffen, doch das Management arbeitet an kreativen Lösungen, um Umsatz- und Gewinnrückgänge einzudämmen.

Für mich persönlich stellt die Starbucks Aktie allerdings kein Investment dar. Mit einem Score von unter 70% ist mir die Qualität sowie die Renditeerwartung nicht hoch genug. Hinzukommt die Tatsache, dass die Aktie derzeit leicht überbewertet erscheint.

Ich setze die Aktie daher nur auf die Watchlist und werde schauen, wie sich das Unternehmen in den nächsten Monaten und Jahren entwickelt.

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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Quellen

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