Baozun – (Noch) viel günstiger als Shopify

Vom wachsenden E-Commerce in China profitieren? Im Schatten des Internet-Giganten Alibaba gibt es ein weiteres vielversprechendes Unternehmen, das bislang bei deutschen Privatanlegern ein Schattendasein fristet. Es geht um Baozun, das oftmals auch als das Shopify Chinas bezeichnet wird. Warum ich diese Aktie spannend finde und diese auch selbst im Depot habe, könnt ihr hier nachlesen.

1. Die Aktie im Überblick

Überblick

NameBaozun Inc.
HauptsitzChina
WKNA14S55 (ADR)
SektorTechnologie
Aktueller Kurs35,82 USD
Marktkapitalisierung2,7 Mrd. USD
Dividendenrendite0,00%
Free Cashflow Rendite2,22%
KGV 2020 / 2021 / 202233,5 / 23,5 / 18
Qualitätsscore60,00%
Bewertungsscore97,80%
Gesamtscore78,90%
Datum19.12.2020

Aktienkurs

Bis Mitte 2018 kannte die Aktie nur eine Richtung. Im Zuge sich verschärfender Handelsspannungen zwischen den USA und China brach der Aktienkurs zeitweise um 50% ein und hat sich bislang nach einigem Hin und Her nicht wieder erholt. Wer die Aktie seit 2 Jahren hält, konnte damit kaum Rendite erzielen.

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Die Corona Pandemie hat deutlich gezeigt, dass die Zukunft des Handels im Internet liegt. Der E-Commerce boomt. Diese Entwicklung kann man gut am Aktienkurs von Shopify erkennen, der auf Jahressicht um über 200%, auf Dreijahressicht sogar um mehr als 800% zugelegt hat. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an alle Anleger, die Shopify im Depot hatten 🙂

Die Shopify Aktie ist nun sehr heiß gelaufen und entsprechend hoch an der Börse bewertet. Wer auf der Suche nach einer günstigeren Alternative aus derselben Branche ist, der könnte beim chinesischen Unternehmen Baozun fündig werden. Oftmals wird Baozun auch als das „Shopify Chinas“ bezeichnet.

China ist sicherlich aufgrund seiner Größe, der zunehmenden Mittelschicht und des Wachstums einer der attraktivsten E-Commerce-Märkte. Das haben die großen weltweit aufgestellten Unternehmen erkannt. Nach Angaben von Statista.de wurden im Jahr 2018 in China rund 1,52 Billionen US-Dollar umgesetzt. Im Zeitraum von 2008 bis 2018 ist die Zahl derjenigen, die online einkaufen, von rund 74 Millionen auf rund 610 Millionen gestiegen.

Was macht Baozun

Baozun wurde im Jahr 2006 gegründet, der Sitz befindet sich in Shanghai. Das Unternehmen ist immer noch gründergeführt, CEO ist Vincent Qiu. Alibaba, der chinesische Online-Gigant, hält derzeit 12,2% der Anteile an Baozun und ist damit Großaktionär.

Baozun unterstützt vor allem ausländische Firmen dabei, im chinesischen E-Commerce Markt Fuß zu fassen. Zum Hintergrund: Ausländischen Firmen ist der Markteintritt in China nicht ohne weiteres gestattet. Zudem fehlt es den westlichen Unternehmen an Expertise, welche Vertriebs- und Marketingkanäle man bespielen sollte, um chinesische Kunden überhaupt zu erreichen.

So hilft Baozun beispielsweise Nike, Microsoft und Phillips dabei, ihr E-Commerce Geschäft in China aufzubauen.

Quelle: Investorenpräsentation, http://www.ir.baozun.com

Baozun unterstützt dabei vollumfänglich mit verschiedenen Dienstleistungen:

  • Man stellt die notwendige IT
  • Unternehmen können ihren eigenen Online-Shop zusammenstellen
  • Baozun kümmert sich um das digitale Marketing und den Kundenservice
  • Zudem werden Lagerhaltung und Fulfillment-Dienstleistungen angeboten

Kunden profitieren auch von einer Omnichannel-Strategie. Hierbei werden die Kunden bei ihrer E-Commerce-Strategie auf verschiedensten Kanälen unterstützt, sowohl Online als auch im stationären Handel.

Wie wird Geld verdient?

Im Wesentlichen erwirtschaftet Baozun seinen Gewinn über Servicegebühren (inkl. eines sog. Consignment-Models) und sein Distribution-Modell.

53% der Umsätze werden mit dem Servicegebühr-Modell verdient. Hierbei bezahlt der Kunde für die IT, die Online-Shops, Marketing und den Kundenservice. Zusätzlich können sich Kunden beim Consignment Model dafür entscheiden, dass sie ihre Produkte in entsprechend von Baozun geführten Warenhäusern einlagern können. Baozun kümmert sich dann direkt um die Auslieferung an die Käufer.

Beim Distribution Modell, das 47% der Umsätze ausmacht, übernimmt Baozun gleich den gesamten Verkaufsprozess für den Kunden.

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3. Aktienliebe Score

Baozun erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 79%. Dies ist ein guter Wert – Aktien finde ich grundsätzlich ab einem Score von 80% sehr interessant. Schauen wir uns Qualitätsparameter und die Renditeerwartung einmal genauer an. Da mir lediglich die Daten für die letzten 7 Jahre vorliegen (bei der Scorecard schaue ich ansonsten immer auf einen Zeitraum von 10 Jahren), habe ich die Darstellung im Folgenden auf 7 Jahre angepasst.

Qualität

Umsatz- und Gewinnwachstum

Die Wachstumsraten sind enorm. Umsatz und Gewinn haben in den letzten 7 Jahren mit hohen zweistelligen Raten zugelegt. Auch für die kommenden drei Jahren gehen die Analysten davon aus, dass der Wachstumstrend weiterhin intakt bleibt.

Gewinnkontinuität und Drawdown

Baozun ist ein Wachstumsunternehmen und erwirtschaftet erst seit dem Jahr 2015 einen positiven operativen Gewinn (EBIT). Da das Unternehmen vorher unprofitabel war, gibt es in der Scorecard hier leider keine Punkte.

Profitabilität

Die Eigenkapitalrendite – also die Verzinsung auf das Kapital der Aktionäre – beträgt ca. 13,5% im Durchschnitt der letzten drei Jahre, stieg aber zuletzt an. Dennoch liegt sie zum Zeitpunkt der Analyse unter den geforderten 15% in meiner Scorecard.

Die operative Gewinnmarke beträgt im Jahr 2020 nur 6,7% (gefordert sind 10%), soll aber in den kommenden Jahren ebenfalls ansteigen.

Bilanz

Baozun ist nicht verschuldet, sondern verfügt vielmehr über Nettoliquidität in Höhe von gut 500 Mio. USD. Von dieser Seite aus drohen also keine Gefahren – volle Punktzahl!

Renditeerwartung

Renditescore: 98%

An dieser Stelle nutze ich regelmäßig das IRR Modell, da ich langfristig investiere und Market Timing lieber anderen überlasse. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free Cashflow Rendite

Die FCF Rendite beträgt derzeit 2,22%. Das ist der Betrag, der den Aktionären maximal zur Verfügung gestellt werden kann – sei es durch eine Dividende, in Form von Aktienrückkäufen oder durch Schuldentilgung.

Das langfristige Gewinnwachstum liegt sicherlich jenseits des in meiner Scorecard Maximalwertes von 10%. Demnach ergibt sich eine jährliche Rendite von mind. 12,22%, was in der Scorecard einen Renditescore von 98% bedeutet. Langfristig betrachtet könnte Baozun eine überdurchschnittliche Rendite einbringen.

Kurzfristige Bewertung der Aktie

Es ist nicht unüblich, dass chinesische Aktien im Vergleich zu US-Unternehmen mit einem Abschlag bewertet werden. Gemessen an der Wachstumskraft ist Baozun mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2021 von 23,5 jedoch spottbillig.

Auch im Rückblick auf die letzten drei Jahre sieht man schnell, dass die Aktie derzeit günstig bewertet ist. Alle vier Kennzahlen sind deutlich geringer als in den letzten drei Jahren.

Kennzahl2017201820192020
Kurs / Gewinn Verhältnis (KGV)57,7x44,5x48,8x32,9x
Unternehmenswert / Umsatz2,61x2,12x2,02x1,59x
Unternehmenswert / EBITDA35,3x26,8x29,2x19,0x
Kurs / Buchwert Verhältnis (KBV)6,23x5,30x5,63x2,59x

Dies ist nicht ganz unbegründet, ist Baozun mit einigen Risiken für Anleger verbunden (siehe weiter unten den Abschnitt “Chancen und Risiken”).

5. Chancen und Risiken

Chancen

  • Doppelte Wachstumstreiber: Mit Baozun könnte man zum einen vom stark wachsenden China-Geschäft und zum anderen zum wachsenden E-Commerce profitieren. Ein immer größerer Teil des Handels findet über das Internet statt.
  • Hohe Eintrittsbarrieren für westliche Unternehmen: Westliche Unternehmen können nicht einfach ihre Waren in China vertreiben. Die chinesische Regierung stellt hierfür hohe Anforderungen. Westliche Unternehmen brauchen daher Partner wie Baozun, sofern sie auch ein Stück vom chinesischen Markt abhaben wollen.

Risiken

  • Allgemeines China-Risiko: In China ticken die Uhren anders. Der Staat hat bei allen großen Unternehmen seine Finger im Spiel. Viele Anleger meiden aufgrund dieses (unberechenbaren) Risikos chinesische Aktien. Ich finde, dass staatliche Eingriffe der chinesischen Regierung nicht ausschließlich nachteilig zu sehen sind. Die chinesische Regierung hat schließlich kein Interesse daran, wenn es seinen Unternehmen schlecht geht, oder? Des Weiteren trauen viele Anleger den veröffentlichten Zahlen nicht über den Weg. Das ist verständlich, wäre es ist der erste Fall geschönter Bilanzen in China (s.u.). Gleichwohl muss festgehalten werden, dass auch westliche Firmen (sogar im DAX gelistet…Wirecard) keine Garantie für korrekte Bilanzen liefern. Des Weiteren werden die Bilanzen von Baozun durch Deloitte – eine der Big 4 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften – testiert.
  • ADRs: Chinesische Aktien sind nicht ohne Weiteres bei uns handelbar. Vielmehr kauft man ein sog. ADR (American Depositary Receipt). Hierbei handelt es sich um von US-Banken begebene Hinterlegungsscheine (Zertifikate), die das Eigentum an Aktien von Nicht-US-Unternehmen verbriefen. ADRs sind ein durchaus übliches Vehikel und werden stellvertretend für die Originalaktie gehandelt. Warum können Baozun Aktien nicht direkt gehandelt werden? In China ist es Ausländern leider nicht erlaubt, Aktien von Internet-Firmen zu halten. Dies liegt hauptsächlich daran, dass China die Inhalte der Internet-Konzerne kontrollieren möchte. Im Übrigen sind neben Baozun andere chinesische Tech-Firmen als ADR an der US-Börse NYSE gelistet, darunter Alibaba, Baidu und JD.COM.
  • Delisting: In letzter Zeit hört man immer häufiger von einem Delisting von chinesischen ADRs von US-Börsen. Dies würde bedeuten, dass die ADRs dann nicht mehr handelbar wäre. Im Zuge des Handelskrieges zwischen den USA und China würde die Beschränkung des Handels chinesischer Papiere an den US-Börsen einen neuen Tiefpunkt bedeuten. So verabschiedete der US-Senat am 20. Mai 2020 das „Gesetz zur Rechenschaftspflicht ausländischer Unternehmen“. Ausgelöst wurde dies durch den Skandal um das chinesische Luckin Coffee, das geschönte Zahlen veröffentlicht hatte. Ziel ist es nun die in den USA gelisteten chinesischen Unternehmen zu zwingen, künftig transparenter zu bilanzieren. Das Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB) soll außerdem Zugang zu den Berichten der chinesischen Wirtschaftsprüfer erhalten. Dies verstößt allerdings gegen chinesisches Recht und es ist ungewiss, ob die chinesische Regierung hier einlenkt. Um einem Delisting in den USA zuvorzukommen, versuchen viele chinesische Unternehmen ein Zweitlisting in Hongkong anzustreben. Ein Delisting (so es denn tatsächlich käme) würde sicherlich zu einem Kursrückgang führen. Gleichwohl sehe ich das Risiko für Baozun als begrenzt an. Baozun ist bereits in Hong Kong gelistet. Sollte sich ein Delisting tatsächlich abzeichnen, könnten Anleger ihre ADRs sicherlich in echte Aktien umtauschen (was natürlich auch mit gewissen Kosten verbunden ist). Sollte das ADR delistet werden, müsste ansonsten die herausgebende Bank den Anlegern den Geldwert gutschreiben. Langfristig sollte das Unternehmen durch ein Delisting in den USA aber nicht weniger wert sein.

6. Fazit

Baozun hilft ausländische Firmen dabei, im chinesischen E-Commerce Markt Fuß zu fassen. Sie verfügen über die Erfahrung und die Expertise, welche Vertriebs- und Marketingkanäle man bespielen sollte, um chinesische Kunden überhaupt zu erreichen.

Die Wachstumsaussichten sind exzellent, die Bewertung dafür sehr gering. Dies liegt nach meiner Einschätzung hauptsächlich an der anhaltenden Unsicherheit bezüglich eines Delistings in den USA.

Irgendwann wird sich jedoch das Sentiment gegenüber China-Aktien wieder verbessern­. Dann sollten den chinesisch­en Tech-Aktien auch wieder höhere Bewertunge­n zugestande­n werden und der Bewertungsabschlag gegenüber der US-Konkurrenz abschmelzen. Solange Baozun seine Umsätze jedes Jahr um mehr als 20% steigern kann mache ich mir hier überhaupt keine Sorgen.

Auch wenn ich persönlich nicht mit einer vergleichbaren Entwicklung wie Shopify rechne, könnte in den nächsten 2-3 Jahren zumindest eine Verdopplun­g vom aktuellen Kursniveau­ zu erwarten sein. Und wer weiß: Vielleicht wird die Aktie auch bald einmal bei den Robin Hood Tradern bekannter, dann könnte hier auch ggf. ein Tenbagger möglich sein 😉

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Quellen

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