Union Pacific Aktienanalyse – Tiefer Burggraben mit über 83.000 KM Streckennetz

Anders als bei uns in Deutschland genießt die größte US-amerikanische Eisenbahngesellschaft in den USA einen hervorragenden Ruf. Allerdings ist Union Pacific auch hauptsächlich im Gütertransport tätig. Union Pacific sorgt dafür, dass Waren quer durch die USA transportiert werden und somit kostengünstig und umweltfreundlich dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Es handelt sich um ein sehr solides Geschäftsmodell mit tiefem Burggraben. Sollte ich mir die Aktie daher ins Depot legen? Oder ist sie derzeit vielleicht zu teuer?

1. Die Aktie im Überblick

Überblick

NameUnion Pacific
HauptsitzUSA
WKN858144
SektorIndustrie
Aktueller Kurs203 USD
Marktkapitalisierung138,8 Mrd. USD
Dividendenrendite1,90%
Free Cashflow Rendite3,63%
KGV26
Qualitätsscore66,44%
Bewertungsscore53,03%
Gesamtscore59,73%
Datum12.12.2020

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich in den letzten Jahren – mit Ausnahme des Jahres 2015 und der Corona-Delle – fantastisch entwickelt. Anleger konnten in den vergangenen 10 Jahren fast 400% Kursgewinn erzielen, hinzu kommt noch die Dividende. Für ein so solides Investment ist das eine beeindruckende Performance.

Kursentwicklung in den letzten 10 Jahren, Quelle: ariva.de

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Kurzer Blick in die Unternehmensgeschichte

Die Union Pacific Railroad wurde im Jahr 1862 nach einem Beschluss des Kongresses gegründet. Ziel war es, eine transkontinentale Eisenbahnstrecke aufzubauen, um die Siedlungsgebiete im Osten und Westen der USA zu verbinden. Seither wurde das Schienennetz kontinuierlich ausgebaut und durch Zukäufe stetig vergrößert. Der Personenfernverkehr wurde im Jahr 1971 verkauft. Heute ist Union Pacific fast ausschließlich im Güterverkehr tätig.

Was macht Union Pacific?

Union Pacific ist die größte US-amerikanische Eisenbahngesellschaft. Ende 2019 verfügte Union Pacific über das größte Eisenbahnnetz Nordamerikas (83.272,3 km) und eine Flotte von 7.691 Lokomotiven, 56.876 Güterwagen und 53.872 Containern.

Die USA zählen flächenmäßig zu den größten Ländern der Welt. Die Entfernungen sind groß. Für den Transport von Waren und Gütern stellt die Eisenbahn daher oftmals die günstigste und umweltfreundlichste Alternative dar.

Union Pacific erwirtschaftet seine Umsätze wie folgt:

  • Transport von Fahrzeugen (30,8%)
  • Transport von Industrieprodukten (28,7%): Holz, Plastik, Chemikalien und Metalle  
  • Transport von landwirtschaftlichen Produkten (21,9%): Getreide, Düngemittel, Nahrungsmittel und Getränke
  • Transport von Energieprodukten (18,6%): Kohle, Öl und Gas
  • Andere (6,8%).

90% der Umsätze werden in den USA erwirtschaftet, rund 10% stammen aus dem Mexiko-Geschäft.

Wie sieht es mit der Konkurrenz aus?

Das riesige Schienennetz befindet sich vollständig im Besitz von Union Pacific. Es überzieht das gesamte Land, ähnlich eines Blutkreislaufes.

Quelle: Investor Relations Union Pacific

Es gibt kaum bestehende Konkurrenz. Nur die BNSF Railroad transportiert ebenso Güter auf der Schiene und hat ein vergleichbares Schienennetzt. BNSF Railroad ist übrigens für uns Privatanleger nicht investierbar, da sich das Unternehmen vollständig im Besitz von Warren Buffetts Berkshire Hathaway befindet. Es handelt sich somit um ein Duopol, das beiden Unternehmen gute Gewinne im Schienenfrachtverkehr sichert. Neue Konkurrenz kann auch nicht mehr in den Markt eindringen, da hierfür ein vergleichbares Schienennetz erforderlich wäre und ein Neubau mit enormen Kosten verbunden ist.

Der Schienenfrachtverkehr steht natürlich in Konkurrenz zu anderen Frachtarten wie beispielsweise dem Transport über LKWs oder Flugzeuge. Allerdings ist der Schienenfrachtverkehr umweltfreundlicher und oftmals kostengünstiger.

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3. Aktienliebe Score

Union Pacific erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 60%. Dies ist lediglich ein mittelmäßiger Wert. Grundsätzlich finde ich Aktien erst ab einem Score von 75% interessant. Schauen wir uns Qualitätsparameter und die Renditeerwartung einmal genauer an:

Qualität

Umsatz- und Gewinnwachstum

Umsatz und Gewinn wachsen stetig. In den abgelaufenen 10 Jahren konnte der Umsatz mit 4,4% p.a. und der operative Gewinn sogar mit fast 10% p.a. gesteigert werden. Corona bedingt werden Umsatz und Gewinn im Jahr 2020 leicht zurückgehen, sich aber langsam wieder erholen. Die Analysten von gehen daher aber von einem geringeren Wachstum iHv. 0,5% p.a. beim Umsatz bzw. 4,5% p.a. beim Gewinn aus. Positiv ist die Tatsache, dass der Gewinn stärker wächst als der Umsatz – dies zeigt, dass Union Pacific von Jahr zu Jahr profitabler wird und eine stetig höhere Gewinnmarge durchsetzen kann.

Gewinnkontinuität und Drawdown

Union Pacific erwirtschaftet jedes Jahr Gewinn, der zudem stetig erhöht wird. In den letzten 10 Jahren gab es nur ein Jahr (2015), in dem der Gewinn leicht rückläufig war (ca. 8%). Der Corona-Effekt wird in der Scorecard, die hier nur auf die vergangenen 10 Jahre abstellt, nicht berücksichtigt. Allerdings wird nur ein geringer Rückgang von ca. 7% erwartet. Daher wird es auch im kommenden Jahr hier wohl die volle Punktzahl geben.

Profitabilität

Die Eigenkapitalrendite – also die Verzinsung auf das Kapital der Aktionäre – beträgt unglaubliche 35% im Durchschnitt der letzten drei Jahre. Die operative Gewinnmarke ist mit 40% ebenfalls sehr beeindruckend und soll zudem weiter gesteigert werden. Dies zeigt, wie tief der Burggraben von Union Pacific und wie profitabel das Geschäftsmodell ist.

Bilanz

Die Nettoschulden betragen das 3,3-fache des operativen Jahresgewinns. Klar – das Geschäft ist kapitalintensiv, muss viel in die Züge und das Schienennetz investiert werden. Bis zur 4-fachen Verschuldung ist dies meiner Ansicht nach noch unkritisch, allerdings muss man hier auch sehen, dass die Verschuldung in den letzten Jahren immer weiter angewachsen ist. Union Pacific hat in den letzten Jahren sehr viele eigene Aktien zurückgekauft und damit die Zahl der ausstehenden Aktien deutlich verringert. Somit wird die einzelne Aktie immer mehr wert, da der Unternehmensgewinn zukünftig auf immer weniger Aktien verteilt werden muss. Allerdings würde ich mir wünschen, das Geld zunächst dazu zu nutzen, die Verschuldung nicht weiter zu erhöhen.

Renditeerwartung

An dieser Stelle nutze ich regelmäßig das IRR Modell, da ich langfristig investiere und Market Timing lieber anderen überlasse. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free Cashflow Rendite

Die FCF Rendite beträgt derzeit nur 3,63%. Das ist der Betrag, der den Aktionären maximal zur Verfügung gestellt werden kann – sei es durch eine Dividende, in Form von Aktienrückkäufen oder durch Schuldentilgung.

Langfristig traue ich Union Pacific ein Gewinnwachstum von 3% p.a. zu. Somit ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von 6,63%, was in der Scorecard einen Renditescore von nur 53% bedeutet. Diese Renditeerwartung liegt unter der des breiten Aktienmarktes und deutet darauf hin, dass die Aktie derzeit eher teuer ist.

Werfen wir einen Blick auf die Bewertung im historischen Schnitt. Nahezu alle Bewertungskennzahlen zeigen, dass die Aktie aktuell teurer ist als in den letzten drei Jahren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt derzeit bei fast 26, in den letzten drei Jahren lag es zwischen 10 und 22. Auch die Dividendenrendite ist geringer als die letzten beiden Jahre. Gleiches Bild zeigen die anderen Kennzahlen. Die Aktie erscheint daher gerade eher hoch bewertet zu sein.

2017201820192020
KGV10,0x17,5x21,6x25,9x
Dividendenrendite1,85%2,21%2,05%1,90%
Unternehmenswert / Umsatz5,70x5,39x6,90x8,44x
Unternehmenswert / EBITDA12,2x11,5x13,9x16,1x
Kurs / Buchwert Verhältnis4,33x4,94x7,04x8,02x
Quelle: marketscreener.com

Gesamtscore

Der Gesamtscore ergibt sich aus dem Qualitäts- und dem Renditescore und beträgt 60%. Die Aktie ist daher für mich aktuell nur haltenswert. Das Geschäftsmodell ist solide und sorgt für sichere und gut planbare Cashflows. Allerdings ist die Aktie mit einer langfristigen Renditeerwartung beim aktuellen Kurs für mich persönlich überbewertet. Ab einem Kurs von 150 USD wäre die Aktie interessant für mich.

4. Dividende

Union Pacific könnte allerdings für Dividendenjäger interessant sein, zahlt das Unternehmen viermal pro Jahr eine Dividende an die Aktionäre aus. Diese Dividende wurde seit 22 Jahren nicht gesenkt und seit 14 Jahren mit zweistelligen Raten erhöht. Die Ausschüttungsquote liegt bei rund 50% nahezu im Idealbereich.

Dividendenrendite1,90%
Auszahlungen/Jahr4
Steigert seit14 Jahren
Keine Senkung seit22 Jahren
Stabilität der Dividende0,94 (max. 1,0)
Jährlicher Dividenden-
zuwachs
12,68 % (5 Jahre)
19,91 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote49,4 % (auf den Gewinn/FFO)
51,7 % (auf den Free Cash Flow)
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5. Chancen und Risiken

Chancen

Tiefer Burggraben: Aufgrund des großen Schienennetzes besitzt Union Pacific einen riesigen Burggraben. Neue Konkurrenten können nicht bzw. nur unter enormen Investitionskosten in den Markt eindringen.

Extrem profitabel: Aufgrund des tiefen Burggrabens und der guten Konkurrenzsituation ist es Union Pacific möglich, hohe Preise am Markt durchzusetzen. Diese zeigt sich an der unglaublich hohen operativen Gewinnmarge (EBIT-Marge) von 40%, die zudem über die Jahre kontinuierlich gesteigert wird.

Umweltfreundlich: Was ist besser? Eine Eisenbahn mit Waren beladen durch das Land fahren zu lassen oder stattdessen 200 einzelne LKWs auf die Reise zu schicken?

Kostengünstiger: Bleiben wir bei obigem Beispiel und stellt euch vor, man müsste 200 LKW-Fahrer für den Transport der gleichen Gütermenge eines Zuges bezahlen. Auch hier ist offensichtlich, was wohl günstiger ist. Zugegeben: Ganz langfristig könnte sich das ggf. ändern, sollte das autonome Fahren führ LKWs irgendwann einmal kommen. Nach meiner Einschätzung wird die allerdings noch sehr lange dauern. Bei Zügen hingegen erscheint mir diese Möglichkeit schneller umsetzbar zu sein. Autonom fahrende Züge könnten schneller kommen als wir denken.

Risiken

Konjunkturabhängigkeit: Das Geschäftsmodell ist konjunkturabhängig. In wirtschaftlichen Boomphasen werden naturgemäß mehr Güter produziert und damit auch transportiert. In schlechteren Wirtschaftsphasen leider daher auch Union Pacific an ausbleibenden Umsätzen. Insgesamt schätze ich dieses Risiko als mittel ein.

Umweltkatastrophen: Erdbeben, Wirbelstürme, Waldbrände und andere Naturkatastrophen haben nach meiner Einschätzung in den letzten Jahren zugenommen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die Schienennetze von Union Pacific zukünftig häufiger beschädigt werden und somit Transportausfälle sowie höhere Wartungskosten anfallen. Allerdings ist das Unternehmen äußerst profitabel und kann diese höheren Kosten locker stemmen. Gleichwohl könnten die zukünftigen Gewinne dadurch etwas geringer ausfallen. Ich schätze das Risiko daher eher als gering ein.

Alternative Transportmöglichkeiten: Wie bereits angesprochen könnten alternative und innovative Transportmöglichkeiten das Geschäftsmodell von Union Pacific disruptieren. Fraglich ist jedoch, was eine alternative Transportmöglichkeit wäre. Das autonome Fahren für mit grünem Wasserstoff betriebene LKWs wäre sicherlich so eine Alternative. Allerdings wird es nach meiner Einschätzung noch viele Jahre dauern, bis dieses Realität wird. Ich schätze dieses Risiko daher als gering ein.

Weniger Transportbedarf: Ein größeres Risiko sehe ich allerdings in der Möglichkeit, dass zukünftig insgesamt weniger Waren transportiert werden müssen. Dies kann zum einen dadurch kommen, dass infolge wirtschaftlicher Handelsspannungen (wie aktuell zwischen China und den USA) wieder mehr Produkte in heimischen Gefilden produziert werden. Zum anderen könnten Fortschritte beim 3D Druck dafür sorgen, dass Produkte zukünftig genau dort „produziert“ werden, wo sie verkauft werden sollen. Hinzukommt die Tatsache, dass Union Pacific rund 18,6% der Umsätze mit dem Transport von Kohle, Öl und Gas erzielt. Wie lange diese Energieträger noch in großem Umfang transportiert werden müssen, ist aufgrund der aufkommenden regenerativen Energien wie Wind- und Solarenergie fraglich.

6. Fazit

Union Pacific ist die größte US-amerikanische Eisenbahngesellschaft und transportiert Waren quer durch die USA. Dem Unternehmen gehört ein riesiges Streckennetz, was für Union Pacific einen sehr tiefen Burggraben bedeutet.

Umsatz und Gewinne steigen jedes Jahr, wenn auch mit kleineren Raten. Beides ist sehr stabil und sorgt für gut planbare Cashflows. Das Geschäftsmodell ist sehr solide und die Dividende durchaus attraktiv.

Mit einem Aktienliebe Score von 60% ist Union Pacific mich persönlich derzeit allerdings nur haltenswert. Die Bewertung erscheint hoch. Die Aktie wird bei vielen Anlegern eher als Anleiheersatz gesehen, was in Zeiten von Nullzinsen wenig überraschend ist. Die Aktie ist daher im Kurs sehr gut gelaufen und dementsprechend teuer.

Wer auf der Suche nach einem soliden Investment für das Depot ist, der kann sich Union Pacific näher anschauen. Ich hingegen setzte die Aktie auf die Watchlist und würde einen Einstieg erst dann in Erwägung ziehen, wenn die Aktie rund 30% im Kurs nachgeben würde (wovon derzeit wohl eher nicht auszugehen ist ;-)).

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Ich kann daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

Quellen

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