Deutsche Telekom – Wie geht es nach dem Einstieg von Warren Buffett bei T-Mobile US mit der Aktie weiter?

Vor 24 Jahren hat die Telekom die Deutschen für die Börse begeistert – dann kam der Absturz. Die Aktie gilt bei vielen Privatanlegern als langweilig. Wer die Aktie dennoch im Depot hatte, konnte sich in den letzten Jahren zwar über die Dividende freuen, der Aktienkurs ist allerdings eher seitwärts gelaufen. Nun kommt neue Fantasie in die Aktie. Das US-Geschäft der Tochter T-Mobile US wächst stark. Und auch Warren Buffett scheint hier großes Potential zu sehen…

1. Die Aktie im Überblick

Überblick

NameDeutsche Telekom
HauptsitzDeutschland
WKN555750
SektorKommunikation
Aktueller Kurs15,21 EUR
Marktkapitalisierung83,8 Mrd. EUR
Dividendenrendite3,96%
Free Cashflow Rendite7,93%
KGV 2020 / 202118 / 16
Qualitätsscore39%
Bewertungsscore100%
Gesamtscore69%
Datum29.11.2020

Aktienkurs

Außer der Dividende hat die Telekom Aktie den Anlegern in den letzten 5 Jahren wenig Freude bereitet. Der Kurs läuft seit Jahren nur seitwärts.

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Die Deutsche Telekom AG ist ein Telekommunikations- und Informationstechnologie-Unternehmen. Kunden wird die gesamte Palette der Telekommunikations- und IT-Branche aus einer Hand angeboten:

  • Festnetztelefonie
  • Breitbandinternet
  • Mobilfunk
  • TV oder
  • komplexen ICT-Lösungen (Informations- und Kommunikationstechnologie) für Geschäftskunden

Die Bundesrepublik Deutschland ist mit rund 32% der größte Aktionär.

Wer annimmt, dass die „Deutsche“ Telekom ausschließlich in Deutschland aktiv ist, sieht sich jedoch getäuscht. Die Telekom ist in rund 50 Ländern vertreten und gehört mit rund 184 Millionen Mobilfunk-Kunden, 27,5 Millionen Festnetz- und 21 Millionen Breitband-Anschlüssen zu den führenden integrierten Telekommunikations-Unternehmen weltweit.

Besonders die US-Tochter T-Mobile US, an der die Deutsche Telekom zu 43,5% beteiligt ist, weist hohe Wachstumsraten auf und gilt als Perle im Konzern. Der US-Markt ist groß und man möchte hier überproportional profitieren. Durch den Zusammenschluss von T-Mobile US und dem Konkurrenten Sprint entsteht ein mächtiger Spieler auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt.

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3. Was gibt es Neues?

Wenn man sich die Entwicklung des Aktienkurses in den letzten Jahren anschaut merkt man schnell, dass Anleger mit der Telekom Aktie keine Überrendite erzielen konnten. Die Aktie tritt auf der Stelle, was angesichts der positiven Aussichten auf dem US-Markt und dem Megatrend 5G doch etwas verwundet.

Fusion von T-Mobile US und Sprint

Derzeit wird der US-Mobilfunkmarkt von beiden Marktführern AT&T und Verizon Communications dominiert, die aktuell in Sachen Kundenzahlen deutlich vor T-Mobile US und Sprint liegen. T-Mobile US war bislang die Nummer 3, Sprint die Nummer 4 im Markt. Durch die Fusion mit Sprint kann T-Mobile US nun zu den Marktführern aufschließen.

Die fusionierte Gesellschaft sollte dann in der Lage sein, beim Aufbau der fünften Generation des Mobilfunknetzes (5G) noch schneller voranzukommen und so das Kundenwachstum zu beschleunigen. Zudem sollten Einsparungen die Profitabilität erhöhen.

Das US-Geschäft ist der Wachstumsmotor des Konzerns – Quelle: marketscreener.com

Warren Buffett steigt ein

Nun wurde bekannt, dass die Investorenlegende Warren Buffett mit seiner Holding Berkshire Hathaway mehr als eine Viertelmilliarde in T-Mobile US investiert hat. Dies spricht umso mehr für das langfristig große Potential, das die US-Tochter zu haben scheint, ist Berkshire Hathaway nicht gerade dafür bekannt, kurzfristig spekulative Investitionen zu tätigen.

Wachstumstreiber 5G und IoT

Großes Wachstum verspricht der Ausbau auf den neuen 5G Standard. Schnelles, mobiles und vor allem stabiles Internet wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Es ist entscheidende Voraussetzung für zahlreiche Zukunftstechnologien, wie beispielsweise das autonome Fahren. In den USA hat T-Mobile bereits jetzt die Nase vorn, wenn es um das 5G Netz geht.

Die Covid-19-Pandemie hat zudem das Thema 5G und schnelles Internet nochmals auf eine neue Stufe gehoben.

Außerdem treibt die Deutsche Telekom das Geschäft mit IoT (Internet of Things) Lösungen voran – ein weiterer Zukunftsmarkt. Hierbei geht es um die intelligente Vernetzung verschiedener Geräte untereinander. So werden zukünftig immer mehr Waren, Container oder Anlagegüter mit Sensoren ausgestattet. Diese senden dann Daten über ihren Standort und Zustand in die Cloud, wo sie in Echtzeit analysiert und ausgewertet werden. Damit können dann beispielsweise Lieferketten optimiert werden.

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4. Aktienliebe Score

Die Deutsche Telekom erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 69%. Dies ist ein nicht ganz so guter Wert – Aktien finde ich grundsätzlich erst ab einem Score von mehr als 80% interessant. Schauen wir uns Qualitätsparameter und die Renditeerwartung einmal genauer an:

1. Qualität – nur 39%

KennzahlWertPunktabzug
Umsatzwachstum 10J2,23%-8
Umsatzwachstum 3Je10,36%
EBITwachstum 10J6,62%-3
EBITwachstum 3Je12,46%
Nettoschulden/EBIT<49,63-20
Gewinnkontinutät 10Jnein-10
EBIT Drawdown 10Jnein-10
EK Rendite > 15% (3J)12,87%-10
EBIT Marge >10%12,80%
Score Qualität(max. 100) 39

Umsatz- und Gewinnwachstum

Umsatz und Gewinn wachsen. In den letzten 10 Jahren lag das Wachstum zwischen 2% und 6% p.a. Durch die 5G Fantasie und die gute Entwicklung im US-Geschäft ist in den kommenden drei Jahren mit einem stärkeren Wachstum von 10% (Umsatz) bzw. 12,5% (EBIT) zu rechnen. Aufgrund des geringen Wachstums in den letzten 10 Jahren gibt es in der Scorecard allerdings einen Punktabzug von insg. 11%.

Gewinnkontinuität und Drawdown

Die Deutsche Telekom musste im Jahr 2012 einen Gewinneinbruch hinnehmen. Hintergrund waren massive Abschreibungen in Milliardenhöhe in Griechenland und den USA. Aus diesem Grund werden sowohl für die Gewinnkontinuität als auch für den Drawdown jeweils 10 Punkte abgezogen.

Profitabilität

Die Eigenkapitalrendite – also die Verzinsung auf das Kapital der Aktionäre – beträgt ca. 13% im Durchschnitt der letzten drei Jahre. Dies liegt unter den geforderten 15% in meiner Scorecard. Dies führt zu einem weiteren Punktabzug.

Die operative Gewinnmarke beträgt im Jahr 2020 nur 12,8% (gefordert sind 10%) und soll auf 15% im Jahr 2022 gesteigert werden.

Bilanz

Aufgrund der Sprint Übernahme hat sich die Verschuldung enorm erhöht. Die Nettoschulden betragen das 9,6-fache des operativen Jahresgewinns. Bis zu einer 4-fachen Verschuldung stufe ich Unternehmen grundsätzlich noch als solide ein. Die Deutsche Telekom überschreitet diesen Wert um mehr als das Doppelte! Im Verhältnis zur Marktkapitalisierung beträgt die Verschuldung mehr als das 1,5-fache.

Aufgrund des soliden und zukunftsfähigen Geschäftsmodells sowie die Tatsache, dass die Bundesrepublik Deutschland größter Aktionär ist, halte ich die Verschuldung jedoch für unproblematisch – gerade in Zeiten der Nullzinspolitik der Zentralbanken. Dies sehen derzeit auch die großen Rating Agenturen so. Alle drei vergeben (noch) das Investment Grade und ermöglichen es der Deutschen Telekom somit, sich günstig am Kapitalmarkt zu finanzieren. Die Verschuldung sollte man allerdings ganz genau im Auge behalten und prüfen, ob diese abgebaut wird oder noch zunehmen wird.

Moody’sS&PFitch
Langfristiges RatingBaa1BBBBBB+
Quelle: https://www.telekom.com/de/investor-relations/fremdkapital/fremdkapitalstrategie

2. Renditeerwartung – volle 100%

An dieser Stelle nutze ich regelmäßig das IRR Modell, da ich langfristig investiere und Market Timing lieber anderen überlasse. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free Cashflow Rendite

Die FCF Rendite beträgt derzeit nur 7,93%. Das ist der Betrag, der den Aktionären maximal zur Verfügung gestellt werden kann – sei es durch eine Dividende, in Form von Aktienrückkäufen oder durch Schuldentilgung.

Das langfristige Gewinnwachstum ist schwer zu prognostizieren. Aufgrund der Schätzungen für die kommenden drei Jahre (Umsatz: 10,4%, EBIT: 12,5%) rechne ich im Folgenden eher konservativ mit 7% p.a. Aufgrund der hohen FCF Rendite ergibt sich eine jährliche Rendite von mind. 14,93%, was in der Scorecard einen Renditescore von 100% bedeutet. Langfristig betrachtet könnte die Deutsche Telekom eine überdurchschnittliche Rendite einbringen.

Kurzfristig gesehen ergibt sich folgendes Bild: Das KGV, KUV und KBV sind derzeit gering – das deutet auf eine Unterbewertung hin. Die Dividendenrendite ist eher geringer als in den letzten drei Jahren.

Insgesamt erscheint die Aktie derzeit nicht zu teuer zu sein. Ein KGV von 17,6 bei einem EBIT Wachstum von 12,5% in den kommenden drei Jahren finde ich tendenziell eher günstig.

Kennzahl2017201820192020
KGV20,0x32,2x17,8x17,6x
Dividendenrendite4,39%4,72%4,12%4,00%
Marktkap. / Umsatz0,94x0,93x0,86x0,71x
Kurs / Buchwert Verhältnis2,29x2,28x2,18x1,76x
Quelle: marketscreener.com

3. Gesamtscore

Der Gesamtscore ergibt sich aus dem Qualitäts- und dem Renditescore und beträgt 69%. Trotz des geringen Scores ist die Telekom Aktie für mich grundsätzlich kaufenswert.

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5. Dividende

Da die Dividende der Deutschen Telekom in vollem Umfang aus dem steuerlichen Einlagekonto geleistet wird, erfolgt die Auszahlung ohne Abzug von Kapitalertragsteuer. Sie somit zunächst vollkommen steuerfrei.

Die Ausschüttung mindert allerdings die steuerlichen Anschaffungskosten der Aktien. Das bedeutet, dass bei einem späteren Verkauf der Aktien ein höherer Veräußerungsgewinn entsteht, der dann z.Z. des Verkaufes der Besteuerung unterworfen wird. Es handelt sich daher um einen Steuerstundungseffekt.

Dividende
Dividendenrendite3,96%
Auszahlungen / Jahr1
Stabilität der Dividende0,36 (max. 1,0)
Jährlicher Dividendenzuwachs3,91 % (5 Jahre)
-2,65 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote73 % (auf den Gewinn/FFO)
58 % (auf den Free Cashflow)

Die Deutsche Telekom kommuniziert sehr transparent, wie es mit der Dividende in den kommenden Jahren weitergehen soll. Auf ihrer Investor Relations Seite lässt sich dazu Folgendes finden:

  • Mindestdividende: Für die Jahre 2020 und 2021 wurde die Mindestdividende auf 60 Cent angehoben. 
  • Dividendenwachstum: Das Wachstum der Dividende soll sich in den kommenden Jahren an der Entwicklung des bereinigten Gewinns pro Aktie orientieren. Aufgrund der Fusion von T-Mobile US und Sprint wird zunächst von einem Rückgang beim bereinigten Gewinn pro Aktie ausgegangen. Nach erfolgreicher Integration soll dieser aber deutlich wachsen.  
  • Steuerfreie Auszahlung: Aus heutiger Sicht wird auch in den nächsten Jahren die Ausschüttung aus dem steuerlichen Einlagenkonto erfolgen. Die Dividende wäre dann wie in den Vorjahren steuerfrei (s.o.).

6. Chancen und Risiken

Chancen

  • Überdurchschnittliches Wachstum in der Telekommunikationsbranche: Durch die Sprint Übernahme ist die Tochter T-Mobile US mittlerweile zum zweitgrößten Anbieter im US-Markt – noch vor AT&T – aufgestiegen. Das US-Geschäft läuft. So hat T-Mobile beispielsweise im Dezember 2019 das erste landesweite 5G-Netz der USA in Betrieb genommen. Mit 12,5% geschätztem Wachstum beim operativen Gewinn in den kommenden drei Jahren liegt man deutlich über dem Branchenschnitt. 
  • Defensives Geschäftsmodell: Als Telekommunikationsunternehmen ist das Geschäft gut planbar und von konjunkturellen Zyklen sowie Corona unabhängig. Das bedeutet zwar nicht, dass Gewinne nicht auch einmal einbrechen können (siehe auch 2012). Dennoch ist es im Vergleich zu anderen Branchen eher unwahrscheinlich, dass der Aktienkurs schlagartig um 20% oder mehr einbricht.
  • Attraktive Dividende: Mit knapp 4% Dividendenrendite ist die Aktie gerade auch für Einkommensinvestoren interessant, auch wenn die Dividende nicht regelmäßig und unverlässlich gesteigert wird.

Risiken

  • Hohe Verschuldung: Die Sprint Übernahme war teuer. Die Nettoverschuldung liegt beim 9,6-fachen operativen Jahresgewinn. Damit ist die Verschuldung sehr hoch und sollte genau beobachtet werden.
  • Abschwächung des Wachstums in den USA: Sofern die Fusion mit Sprint nicht so erfolgreich werden sollte wie gedacht und das Wachstums sich daher doch nicht so entwickelt, droht ein deutlicher Bewertungsabschlag der Aktie.

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7. Fazit

Die ehemalige Volksaktie brachte in den letzten Jahren außer der Dividende keine große Rendite für Aktionäre. Mit der Seitwärtsbewegung des Aktienkurses könnte es nun aber bald vorbei sein. Das US-Geschäft der Tochter T-Mobile US ist der Wachstumsmotor des Konzerns und könnte in den kommenden Jahren für zweistellige Wachstumsraten sorgen.

Investoren sollten aber die hohe Verschuldung im Auge behalten. Aufgrund des soliden Geschäftsmodells ist eine erhöhte Verschuldung grundsätzlich zwar noch kein Problem. Allerdings könnte die Telekom in schwierigeres Fahrwasser geraten, sollte die Sprint Übernahme doch nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen.

Mit einem Aktienliebe Score von 69% gibt es sicherlich noch vielversprechendere Unternehmen als die Deutsche Telekom. Die attraktive Dividende und der defensive Anlagecharakter könnten aber für risikoscheue Anleger durchaus interessant sein.

Ich selbst halte derzeit keine Aktien der Deutschen Telekom. Meine Position habe ich im Juli verkauft.

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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Quellen

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