Hypoport Aktienanalyse – 4.500% in 10 Jahren, wie geht es weiter?

Was macht man, wenn man Geld für einen Hauskauf oder Konsumkredit benötigt? Man geht zur Bank? Zum Finanzberater? Nein – man sucht zunächst im Internet und vergleicht die günstigsten Anbieter. Genau davon profitiert das deutsche Unternehmen Hypoport, das verschiedene Plattformen anbietet, auf denen Kunden und Anbieter von Finanzdienstleistungen zusammengebracht werden. Ein äußerst lukratives Geschäft…

1. Die Aktie im Überblick

Überblick

NameHypoport
HauptsitzDeutschland
WKN549336
SektorFinanzen
Aktueller Kurs437 EUR
Marktkapitalisierung2,85 Mrd. EUR
Dividendenrendite0,00%
Free Cashflow Rendite0,44%
KGV105,05
Qualitätsscore83,98%
Bewertungsscore83,54%
Gesamtscore83,76%
Datum20.11.2020

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich in den letzten Jahren wirklich toll entwickelt. Anleger konnten in den vergangenen 10 Jahren unglaubliche 4.500%, in den letzten 5 Jahren immerhin noch fast 500% Kursgewinn erzielen. Im abgelaufenen Monat ist der Kurs allerdings um gut 20% eingebrochen, was aber auch eine gute Einstiegsgelegenheit sein könnte.

2. Das Geschäftsmodell kurz und knapp

Die Hypoport SE ist Muttergesellschaft eines Netzwerks von Technologieunternehmen für die Kredit-, Immobilien- und Versicherungswirtschaft. Hypoport besteht aus vier Segmenten:

  • Kreditplattform,
  • Privatkunden,
  • Immobilienplattform und
  • Versicherungsplattform.

Hypoport hat seinen Hauptsitz in Lübeck, die Aktien sind seit 2015 im SDAX gelistet. 

Quelle: hypoport.de

Kurzer Überblick zur Unternehmensgeschichte

Die Hypoport AG wurde 1999 in Berlin gegründet. Im Jahr 2001 fusionierte man mit der seit 1954 bestehenden Dr. Klein & Co. AG. Am 29. Oktober 2007 ging die Hypoport AG an die Börse. 

Die Geschichte von Hypoport ist geprägt von zahlreichen Übernahmen, die heute alle den 4 genannten Segmenten der Hypoport SE zugeordnet sind.

Im Jahr 2020 erfolgte die Umwandlung der Hypoport AG in die Hypoport SE, um die europäischen Standorte der Gruppe zu integrieren.

CEO

CEO ist der im Jahr 1973 geborene Ronald Slabke. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Dresden und begann seine berufliche Karriere als Kundenbetreuer bei der Westdeutschen ImmobilienBank. Mitte 1996 wechselte er als Assistent des Geschäftsführers zu Dr. Klein, einem damals ausschließlich auf die Wohnungswirtschaft spezialisierten Hypothekenmakler.

Anfang 1999 startete Dr. Klein unter seiner Verantwortung als erster Online-Hypothekenmakler für Privatkunden. Ende 1999 organisierte er einen Management-Buyout und übernahm die Führung von Dr. Klein.

Seit 2010 gestaltet er als CEO die strategische Expansion von Hypoport und verantwortet zudem die Segmente Kreditplattform und Immobilienplattform.

Bildquelle: https://www.hypoport.de/unternehmensprofil/management/

Besonders spannend finde ich die Tatsache, dass Ronald Slabke selbst der mit Abstand größte Aktionär der Hypoport SE ist. So hält er knapp 35% der Anteile. Weitere 2,2% werden von Stephan Gawarecki – ebenfalls Manager bei Hypoport – gehalten. Ich mag solche Unternehmen, bei denen das Management selbst „Skin in the Game“ hat. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die getroffenen Entscheidungen nicht nur die kurzfristige Steigerung des Aktienkurses, sondern vielmehr die langfristige Situation des Unternehmens im Fokus haben.

Quelle: marketscreener.com
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Geschäftsmodell im Detail

Das Unternehmen ist über Tochtergesellschaften tätig, die vier Geschäftsbereichen zugeordnet sind.

1. Kreditplattform

Das Segment Kreditplattform betreibt mit dem B2B-Kreditmarktplatz EUROPACE einen Online-Finanzmarktplatz für Business-to-Business (B2B), der Hypotheken und Privatkredite anbietet. Nach Angaben von Hypoport handelt es sich dabei um die größte deutsche Plattform für den Abschluss von Immobilienfinanzierungen, Bausparprodukten und Ratenkrediten. Über 700 Banken und Versicherungen sind direkt mit mehreren Tausend Finanzberatern vernetzt. So können Verträge schnell und einfach abgeschlossen und Produkte den Kunden verkauft werden.

Ebenfalls zum Segment der Kreditplattformen gehören die Teilmarktplätze FINMAS und GENOPACE. Die GENOPACE GmbH wurde im Jahr 2008 als interner Vermittlungskoordinator für den genossenschaftlichen Bankensektor gegründet. Die FINMAS GmbH ist ein 2009 gemeinsam mit dem Ostdeutschen Sparkassenverband gegründetes Tochterunternehmen, welches den Kreditmarktplatz für die Mitglieder der Sparkassen-Finanzgruppe bildet.

Weitere B2B-Vertriebsgsellschaften in diesem Segment sind die Starpool GmbH und die Qualitypool GmbH (Baufinanzierungsgeschäft), die REM CAPITAL AG und die Fundingport GmbH (Beratung und Finanzierungsmarktplatz für Firmenkunden – Corporate Finance).

2. Privatkunden

Das Segment Privatkunden besteht aus dem internetbasierten und ungebundenen Finanzvertrieb Dr. Klein Privatkunden AG und dem Verbraucherportal Vergleich.de. Hier werden Beratungsdienstleistungen zu Immobilienfinanzierungen, Versicherungen oder Vorsorgeprodukten an Verbraucher erbracht sowie entsprechende Produkte vertrieben.

Die Webseiten setzen auf Preisvergleiche und leiten Interessenten direkt an den Anbieter weiter. Bei Bedarf wird gleichzeitig ein Berater empfohlen, der sämtliche Fragen der Kunden beantworten kann. Geld erhält Hypoport über Provision, falls es zu einem Vertragsabschluss kommt.

3. Immobilienplattform

Das Segment Immobilienplattform bündelt seit 2018 alle immobilienbezogenen Aktivitäten der Hypoport-Gruppe außerhalb der privaten Finanzierung und unterstützt mit seinen Dienstleistungen die Wohnungswirtschaft und gewerbliche Immobilieninvestoren. Die Value AG, eines der diesem Segment zugehörigen Tochter-Unternehmen, ist z.B. Deutschlands größter, bankkonzernunabhängiger Immobilienbewertungsdienstleister. Hier spielt Hypoport vor allem der anhaltende Bau-Boom weiterhin in die Karten.

4. Versicherungsplattform

Dieses Segment vereint alle Aktivitäten von Hypoport in der Versicherungstechnologie. Mit SMART INSUR wird beispielsweise eine internetbasierte B2B-Plattform zur Beratung, zum Tarifvergleich und zur Verwaltung von Versicherungspolicen betrieben. Zudem hat sich die Hypoport Gruppe kürzlich an der ePension GmbH & Co. KG beteiligt, einer digitalen Plattform für die Verwaltung betrieblicher Vorsorgeprodukte.

5. Geschäftsentwicklung

Alle Segmente entwickeln sich prächtig und wachsen mit zweistelligen Raten. Am stärksten konnten dabei die noch kleineren Segmente der Immobilien- und Versicherungsplattformen zulegen.

Quelle: marketscreener.com

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3. Aktienliebe Score

Hypoport erzielt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard einen Score von 84%. Dies ein guter Wert – Aktien mit einem Score von mehr als 80% finde ich besonders interessant. Schauen wir uns Qualitätsparameter und die Renditeerwartung einmal genauer an:

1. Qualität

Umsatz- und Gewinnwachstum

Umsatz und Gewinn wachsen stetig, und das mit zweistelligen Raten. In den abgelaufenen 10 Jahren konnte der Umsatz mit 21% p.a. und der operative Gewinn sogar mit 39% p.a. gesteigert werden. In den kommenden drei Jahren gehen die Analysten von 18,5% bzw. 26,5% p.a. aus. Besonders positiv ist die Tatsache, dass der Gewinn stärker wächst als der Umsatz – dies zeigt, dass Hypoport von Jahr zu Jahr profitabler wird.

Gewinnkontinuität und Drawdown

Hypoport erwirtschaftet jedes Jahr mehr Gewinn. In den letzten 10 Jahren konnte dieser jedes Jahr gesteigert werden. Und dieser Trend sollte sich auch in den kommenden drei Jahren fortsetzen.

Profitabilität

Die Eigenkapitalrendite – also die Verzinsung auf das Kapital der Aktionäre – beträgt fast 17% im Durchschnitt der letzten drei Jahre. Die operative Gewinnmarke beträgt im Jahr 2019 nur 9,79% und führt ganz knapp zum Punktabzug in der Scorecard (gefordert sind 10%). Im Jahr 2021 soll die Marge aber bereits 11% betragen.

Bilanz

Die Nettoschulden betragen das 2,6-fache des operativen Jahresgewinns. Hypoport verfolgt eine aggressive Wachstumsstrategie. So wurden in der Vergangenheit viele Firmen aufgekauft und in das Portfolio eingegliedert. Dies kostet Geld. Bis zu einer Verschuldung mit dem 2-fachen EBIT erhalten Unternehmen noch den vollen Score, Hypoport muss daher einen kleinen Punktabzug verkraften. Die Verschuldung ist dennoch im Rahmen, nur der steigende Goodwill sollte beachtet werden (siehe weiter unten).

2. Renditeerwartung

An dieser Stelle nutze ich regelmäßig das IRR Modell, da ich langfristig investiere und Market Timing lieber anderen überlasse. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free Cashflow Rendite

Die FCF Rendite beträgt derzeit nur 0,44%. Das ist der Betrag, der den Aktionären maximal zur Verfügung gestellt werden kann – sei es durch eine Dividende, in Form von Aktienrückkäufen oder durch Schuldentilgung.

Mit 0,44% ist die FCF Rendite sehr gering. Dies liegt daran, dass der Kurs sehr stark angestiegen ist. Langfristig traue ich Hypoport ein Gewinnwachstum von mehr als 10% p.a. zu (10% ist der Höchstbetrag, den ich in meiner Scorecard dafür berücksichtige). Somit ergibt sich eine jährliche Rendite von mind. 10,44%, was in der Scorecard einen Renditescore von 83,54% bedeutet.

Langfristig betrachtet könnte Hypoport eine überdurchschnittliche Rendite einbringen. Kurzfristig muss man aber festhalten, dass die Aktie derzeit historisch gesehen eher hoch bewertet ist.

Kennzahl2017201820192020
KGV46,9x40,5x80,8x105x
Marktkapitalisierung / Umsatz4,43x3,48x5,84x6,89x
Unternehmenswert / Umsatz4,44x3,67x6,11x7,12x
Unternehmenswert / EBITDA28,7x24,9x39,4x49,1x
Kurs / Buchwert Verhältnis10,9x5,94x11,1x13,1x
Quelle: marketscreener.com

3. Gesamtscore

Der Gesamtscore ergibt sich aus dem Qualitäts- und dem Renditescore und beträgt 84%. Die Aktie ist daher für mich grundsätzlich kaufenswert!

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4. Dividende

Hypoport zahlt (bislang) leider keine Dividende. Auch in den kommenden Jahren ist wohl eher nicht mit einer Dividende zu rechnen.

5. Chancen und Risiken

Chancen

Hypoport hat in der Vergangenheit bewiesen, dass man ein solides und zukunftsfähiges Geschäftsmodell hat, das zudem sehr verlässlich und profitabel ist. Wer in Hypoport investiert, setzt auf

  • eine starke Marktstellung
  • steigende Umsätze und Gewinne
  • ein leicht skalierbares Geschäftsmodell
  • einen klaren Profiteur des Immobilienbooms

Risiken

Steigende Verschuldung: Die zahlreichen Übernahmen wurden teilweise durch Fremdkapital finanziert, was zu einer steigenden Verschuldung geführt hat. Diese ist mit dem 2,6- fachen operativen Jahresgewinn noch nicht bedenklich, sollte aber beobachtet werden.

Steigender Goodwill: Bedenklicher finde ich den starken Anstieg beim bilanzierten Goodwill. Hierbei handelt es sich um den Geschäfts- oder Firmenwert („Goodwill“), einen immateriellen Vermögensposten im Unternehmen, der durch entgeltlichen Erwerb von anderen Unternehmen entsteht (sog. derivativer Geschäfts- oder Firmenwert). Bezahlt man also für ein Unternehmen einen höheren Preis, als die Vermögensgegenstände des erworbenen Unternehmens wert sind, so wird der übersteigende Betrag als Goodwill bilanziert. Dies bedeutet nicht automatisch, dass man zu viel für das Unternehmen bezahlt hat. Ein höherer Kaufpreis kann durchaus gerechtfertigt sein, weil das erworbene Unternehmen beispielsweise eine tolle Marke, einen großen Kundenstamm oder ein großes Zukunftspotential besitzt. Wird allerdings später ersichtlich, dass das erworbene Unternehmen doch nicht ganz so viel wert ist als ursprünglich gedacht, muss dieser Goodwill abgeschrieben werden. Es kommt folglich zu einer Reduzierung des Eigenkapitals und des Gewinns. Je höher der Goodwill ist, desto höher ist das Risiko. Und bei Hypoport hat dieser seit 2018 enorm zugelegt.

Quelle: aktienfinder.net

Änderungen am rechtlichen Rahmen: Rechtliche Rahmenbedingungen bei der Finanzberatung können sich schnell ändern. Dies würden dann erheblichen Einfluss auf das Geschäft von Hypoport haben.

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6. Fazit

Hypoport ist eine deutsche Erfolgsgeschichte und ein Beweis dafür, dass Deutschland nicht nur im Old Economy Bereich erfolgreiche Unternehmen hervorbringt. Die Hypoport SE ist Muttergesellschaft eines Netzwerks von Technologieunternehmen. Unter den vier Segmenten Kreditplattform, Privatkunden, Immobilienplattform und Versicherungsplattform werden verschiedenste Finanzdienstleistungen – sowohl im B2B, aber auch im Privatkundenbereich – erbracht.

Das Wachstum ist beeindruckend, der langfristige Wachstumstrend intakt. Hypoport kauft stetig weitere Unternehmen hinzu und baut somit sein Produktportfolio konsequent aus.

Mit einem Aktienliebe Score von 84% handelt es sich um ein spannendes Unternehmen, bei dem ich mir durchaus vorstellen könnte, einige Aktien ins Depot zu legen (bislang bin ich hier noch nicht investiert). Gleichwohl sollte man die Risiken im Blick behalten. Das größte Risiko sehe ich im stark angestiegenen Goodwill. Hier drohen hohe Abschreibungen, sollte sich herausstellen, dass die ein oder andere Übernahme ggf. noch zu teuer erfolgt sein.

Insgesamt halte ich Hypoport für kaufenswert. Gleichwohl stellt die Aktie für mich aufgrund der Risiken eher ein spekulatives Investment dar.

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Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Ich kann daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

Quellen

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