NVIDIA – Kennt die Aktie nur eine Richtung?

Der Aktienkurs des Herstellers von Grafikprozessoren steht heute unglaubliche 3.863% höher als vor 10 Jahren! Allein im letzten Jahr hat die Aktie 159% zugelegt. Zugegeben: Nur weil eine Aktie in der Vergangenheit gestiegen ist heißt dies nicht, dass sie auch zukünftig weiter deutliche Kurszuwächse verzeichnen wird. Einen Blick ist das aber allemal wert.

Hinzukommt die Tatsache, dass die Produkte von NVIDIA bei zahlreichen Megatrends eine große Rolle spielen. Das Unternehmen ist beispielsweise bei den Zukunftsthemen Virtual Reality, Künstliche Intelligenz, Autonomes Fahren oder auch High Performance Computing top positioniert. Und das hat der Markt schon lange erkannt. Für alle diejenigen, die bislang noch nicht investiert sind stellt sich nun die Frage, ob sich jetzt noch ein Einstieg lohnt…

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Aktie im Überblick
  2. Geschäftsmodell
  3. Chancen und Risiken
  4. Qualitätsscore
  5. Bewertungsscore
  6. Fazit

1. Die Aktie im Überblick

Die NVIDIA Corporation ist weltweit führend im Design, in der Entwicklung und im Marketing von programmierbaren Grafikprozessoren. 

NameNvidia
HauptsitzUSA
WKN918422
SektorTechnologie
Aktueller Kurs415,48 USD
Marktkapitalisierung255.827,71 Mio. USD
Dividendenrendite0,16%
Free Cashflow Rendite1,68%
KGV 21e / 22e / 23e73 / 59 / 52
Qualitätsscore100,00%
Bewertungsscore100,00%
Gesamtscore100,00%
Datum12.07.2020

Aktienkurs

Quelle: ariva.de

2. Das Geschäftsmodell

NVIDIA wurde im Jahr 1993 von Jensen Huang, Chris Malachowsky, and Curtis Priem gegründet. Bereits 6 Jahre später erfolgte der Gang an die Nasdaq. Der Ausgabepreis lag bei 12 USD.

Das Unternehmen entwickelt und verkauft programmierbare Grafikprozessoren und bietet die zugehörige Software an (Marke ForceWear). Berichtet wird in zwei Segmenten: GPU (Grafikprozessoren für Computer, Server, Workstations usw.) und Tegra Processor (Prozessoren, die die Funktionen der Bilderfassung, des Videolesens und der Spiele für Mobiltelefone, tragbare Spielkonsolen usw. integrieren).

Das Unternehmen bedient mit seinen Lösungen verschiedene Märkte, die wir uns im Folgenden näher anschauen:

Gaming

Das Gaming Geschäft sorgt für knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes. Die Nachfrage nach immer besseren Grafikkarten boomt aufgrund des stetig wachsenden Gaming-Marktes. Die Spiele werden immer besser. Aufgrund der zunehmenden Rechenleistung der Computer sind immer realistischere Spielerlebnisse möglich. Dies erfordert jedoch entsprechende Grafikkarten – und genau davon profitiert NVIDIA.

NVIDIA gibt selbst an, dass bereits 200 Millionen Gamer weltweit die Produkte des Unternehmens nutzen – Tendenz weiter steigend. Die Gamer Community wächst und wächst. Die Bevölkerung der aufstrebenden Schwellenländer hat zunehmen mehr Geld und kann sich den „Luxus“ leisten, Computerspiele zu kaufen aber auch die Zeit dafür aufzubringen, diese zu spielen. Auch bedingt durch die zunehmende Beliebtheit des eSports trägt ihren Teil zum Wachstum bei.

Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass die Anforderungen an Grafikkarten für den Gaming-Bereich in Zukunft weiter steigen werden. Die Branche setzt auf Trend wie Virtual Reality, High-Performance-Computing und künstliche Intelligenz.

Data Center (HPC und AI)

Der Bereich Data Center trägt 27% zum Gesamtumsatz bei. NVIDIA profitiert hier von zwei Megatrends: HPC und AI.

HPC (High Performance Computing, lese hierzu auch unsere Aktienanalyse von Nothern Data) ist auf dem Vormarsch. Hochleistungsrechnen wird einerseits zunehmend für das wissenschaftliche Rechnen immer wichtiger, da für die Berechnung, Modellierung und Simulation komplexer Systeme riesige Datenmengen verarbeitet werden müssen. Typische Anwendungsfälle sind beispielsweise die Astro- und Teilchenphysik, Meteorologie, Astro- und Teilchenphysik sowie – gerade sehr relevant -Epidemiologie bei der Forschung nach einem Corona-Impfstoff.

Andererseits haben auch viele bereits vor langer Zeit erkannt, dass die Digitalisierung enorme Chancen bietet, aber natürlich nur dann, wenn es gelingt, die Datenflut aus kommerziell zu nutzen. Durch HPC können z. B. Wettervorhersagen besser werden, Crashtestsimulation und Strömungssimulation im Flugzeugbau durchgeführt werden). Sogar bei der Generierung von Animationsfilmen kommt HPC zum Einsatz.

NVIDIA macht HPC möglich und liefert beispielweise die Leistung für den schnellsten Supercomputer der Welt. „Summit“ ist der weltweit intelligenteste und leistungsstärkste Supercomputer – und NVIDIA liefert die Grafikprozessoren.

Darüber hinaus liefert NVIDIA Lösungen im Bereich AI (Artificial Intelligence bzw. KI, Künstliche Intelligenz). Amazon, Apple, Google und Co. nutzen die Technologie z.B. im Rahmen der Sprachassistenz durch Siri, Alexa usw. Selbstfahrende Autos müssen in der Lage sein zu erkennen, wo sich mögliche Hindernisse befinden – hierzu bedient man sich den Möglichkeiten des sog. Deep Learnings. Ein anderes Anwendungsgebiet liegt in der Medizin. KI wird unsere Zukunft verändern – so viel ist klar.

Ausgewählte Cloud Unternehmen, die bereits jetzt auf die Technologie von NVIDIA setzten. Quelle: NVIDIA Investor Präsentation April 2020

Professional Visualization

Die Visualisierungsplattform von NVIDIA kommt in verschiedenen Branchen zum Einsatz. Sie unterstützt beispielsweise

  • Unternehmen aus den Bereichen Architektur-, Ingenieur- und Bauwesen bei der Gestaltung neuer Gebäudeentwürfe
  • Schulen beim Vorantrieben der digitalen Zusammenarbeit durch interaktive Inhalte
  • Fertigungsunternehmen, die durch KI und Virtual Reality Grafikvisualisierung und Echtzeitsimulation technischer Pläne benötigen
  • Medien- und Unterhaltungsunternehmen bei der Produktion visuell aufwendiger Spielfilme.

In diesem Markt verdient NVIDIA derzeit 11% des Gesamtumsatzes.

Automotive

Mit bislang nur 6% Umsatzanteil ist dieser Markt derzeit für NVIDIA noch nicht so relevant. Auf der anderen Seite liegt hier enormes Wachstumspotential, sodass sich dies schnell ändern könnte.

Denn dank künstlicher Intelligenz (KI) sollen Fahrzeuge bald sehen, denken und lernen können und damit den Traum des autonomen Fahrens möglich machen. NVIDIA hat hier u.a. Kooperationen mit Toyota, BMW und Daimler.

Zusammenfassung

NVIDIA bewegt sich in Zukunftsmärkten: Gaming, Künstliche Intelligenz, HPC, Autonomes Fahren – überall ist man mit dabei und wächst in allen Bereichen mit zweistelligen Raten pro Jahr:

Quelle: NVIDIA Investor Präsentation April 2020

3. Chancen und Risiken

Chancen

NVIDIA hat eine sehr starke Marktposition. Bei Grafikkarten und hochwertigen GPUs besteht ein Quasi-Duopol mit dem US-Konkurrenten Advanced Micro Devices Inc. (AMD).

Hinzukommt die Tatsache, dass NVIDIA gleich bei mehreren Megatrends mitmischt und damit selbst dann weiterwachsen sollte, wenn einer dieser Trends doch nicht so nachhaltig ist wie erwartet:

  • Gaming
  • Autonomes Fahren: NVIDIA liefert die Grafikprozessoren für zahlreiche Automobilbauer her
  • Virtual Reality: NVIDIA entwickelt Grafikchips, die für verschiedene technische Geräte mit hohen Grafik-Anforderungen benötigt werden. Gemeinsam mit Forschern der Stanford University arbeitet man zudem an einem Virtual Reality Headset. Das Ziel: Künstliche Welten vollkommen real erscheinen zu lassen.
  • Künstliche Intelligenz

Begrüßenswert ist zudem, dass der Gründer, Präsident und CEO Jen-Hsun Huang ca. 23,9 Mio. Aktien des eigenen Unternehmens hält (3,5% der Stimmrechte). Damit ist auch sichergestellt, da Entscheidungen anhand von langfristigen und nicht aufgrund von kurzfristigen Zielen getroffen werden.

Risiken

  1. Technologiewerte sind regelmäßig riskanter als beispielsweise solide Konsumgüterunternehmen wie Nestlé oder Coca Cola. Dies liegt mitunter daran, dass hier immer das Risiko aufgrund von technologischem Wandel besteht. Verpasst das Unternehmen einen neuen Trend oder kommende innovativere Produkte der Konkurrenz auf den Markt, so kann es schnell mit dem Aktienkurs bergab gehen.
  1. Das zweite Risiko liegt im zunehmenden Konkurrenzdruck. Wo gutes Geld verdient wird gibt es immer auch andere Unternehmen, die ihren Teil vom Kuchen abhaben wollen. Es ist nicht NVIDIA, sondern der Konkurrent AMD, der die Grafikkarten für die Sony Playstation 5 und die neue Xbox liefert. Und auch Intel drängt in den Markt mit eigenen Produkten.
  1. Das dritte Risiko sehen wir in der Bewertung. Der Aktienkurs hat sich trotz Covid 19 prächtig entwickelt. NVIDIAs tolle Wachstumsaussichten scheinen bereits in den Kursen eingepreist zu sein. Hierzu später mehr im Abschnitt Bewertung.

4. Qualität

NVIDIA erreicht bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard den höchstmöglichen Qualitätsscore von 100%.

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Umsatz und Gewinn wachsen wie an der Schnur gezogen. In den letzten 10 Jahren betrug die jährliche Wachstumsrate beim Umsatz knapp 13%, beim operativen Gewinn sogar 35%.

Auch in den soll beides in etwa gleichem Umfang weiter steigen.

Verschuldung

NVIDIA ist nicht verschuldet – das Gegenteil ist der Fall. Man sitzt auf Barreserven iHv. 9,4 Mrd. USD.

Ein Blick auf die Dividende

NVIDIA ist kein Dividenden-Aristokrat. Aber immerhin wird eine kleine Dividende gezahlt – dies trifft nicht auf jedes stark wachsende Tech-Unternehmen zu. Die Ausschüttungsquote ist dennoch sehr gering und bietet daher in den kommenden Jahren reichlich Platz für steigende Dividenden.

Dividendenrendite0,15 %
Auszahlungen/Jahr4
Steigert seit6 Jahren
Keine Senkung seit6 Jahren
Stabilität der Dividende0,89 (max. 1,0)
Jährlicher Dividenden-
zuwachs
11,7 % (5 Jahre)
Ausschüttungsquote12 % (auf den Gewinn/FFO)
9 % (auf den Free Cash Flow)
Quelle: aktienfinder.net

5. Bewertung

An dieser Stelle nutzen wir regelmäßig das IRR Modell, da wir langfristig investieren und Market Timing lieber anderen überlassen. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free Cashflow Rendite

Die FCF Rendite beträgt derzeit 1,66%. Langfristig trauen wir NVIDIA ein Gewinnwachstum von 15% p.a. zu. Somit ergibt sich eine jährliche Rendite 16,66%, was in unserer Scorecard ebenfalls den Höchstwert von 100% bedeutet.

Wer also sein Geld langfristig (also auf einen Zeitraum von 10 Jahren+) anlegen möchte, für den verspricht NVIDIA eine schöne Rendite.

Für NVIDIA spricht auch die sog. „Rule-of-40“. Diese kann bei der Bewertung von stark wachsenden Tech-Werten herangezogen werden. Diese Kennzahl wird nach folgender Formel berechnet:

Rule-of-40 = Umsatzwachstumsrate + Free Cashflow – Marge

Werte über 40 gelten als attraktiv (daher der Name „Rule-of-40“). NVIDIA kommt hier auf knapp 50 und ist damit auch nach dieser Methode mit einem Umsatzwachstum von 21% und einer FCF-Marge von 29% äußerst interessant.

Kurzfristig muss man allerdings derzeit zu einem KGV (Kurs Gewinn Verhältnis) von knapp 74 investieren. Das historische KGV der letzten Jahre liegt hingegen nur bei 30. Damit ist die Aktie derzeit mehr als doppelt so teuer wie im historischen Durchschnitt.

Auch der Blick auf andere Kennzahlen deutet derzeit auf eine Überbewertung hin:

Kennzahl2018201920202021
Marktkapitalisierung / Umsatz15,2x8,34x14,0x17,2x
Unternehmenswert / Umsatz14,7x7,87x13,2x16,5x
Unternehmenswert / EBITDA41,8x22,7x44,7x58,3x
Für das Jahr 2021 sind alle drei Kennzahlen höher als die der vergangenen 3 Jahre

6. Fazit

NVIDIA erzielt einen AL Score von vollen 100%. Für langfristig orientierte Anleger ist die Aktie daher ein klarer Kauf. Wer von den Megatrends Künstliche Intelligenz, Autonomes Fahren, HPC oder Virtual Reality profitieren möchte, sollte sich paar Aktien ins Depot legen.

Der Aktienkurs ist allerdings in den letzten Monaten Jahren sehr stark angestiegen. Die Aktie wirkt daher gerade überbewertet. Es kann daher sehr gut sein, dass der Kurs noch einmal auf ein faires Niveau zurückkommt oder einen gewissen Zeitraum seitwärts läuft.

Aus unserer Sicht könnte es daher sinnvoll sein, die Aktie zunächst auf die Watchlist zu packen und erst bei größeren Rücksetzern zuzugreifen. Alternativ könnte NVIDIA sich auch gut als Sparplanaktie eignen.

Wenn dir unser Beitrag gefallen hat und du gerne mehr von Aktienliebe lesen möchtest, kannst du dich gerne in unserem E-Mail Verteiler eintragen. Du wirst dann immer direkt über neue Beiträge auf unserem Blog informiert. Und keine Sorge: Es handelt sich garantiert nicht um Werbung oder SPAM 😉

Disclaimer

Wir haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Wir können daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

2 Antworten auf „NVIDIA – Kennt die Aktie nur eine Richtung?

  1. Hallo,

    Danke für die Analyse und auch für die ergänzten Risiken!
    In Anbetracht der aktuell globalen wirtschaftlichen Situation und weil der Kurs vom 200 Tage Chart sehr weit entfernt ist wäre der aktuelle Zeitpunkt für mich kein Kauftermin. Klar gibt es schlimmeres wie z.B. Tesla 😉
    Also ich würde das jetzt für viele Nasdaq 100 Unternehmen auch sagen – wir werden es erfahren 📶

    Viele Grüße
    Bergfahrten

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s