Netflix – Ist die Aktie überbewertet?

Während zahlreiche Unternehmen im Zuge der Covid-19 Beschränkungen Gewinnwarnungen herausgeben, läuft es bei Netflix rund. Die globalen Beschränkungen haben schließlich den Bedarf an Unterhaltung zu Hause erhöht. In den letzten drei Monaten hat die Aktie des Streaming-Anbieters neue Höchststände erreicht. Millionen neuer Abonnenten haben sich bei Netflix angemeldet. Ist die Aktie nun überbewertet?

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Inhaltsverzeichnis

  1. Die Aktie im Überblick
  2. Geschäftsmodell
  3. Die aktuelle Situation
  4. Qualitätsscore
  5. Bewertungsscore
  6. Fazit

1. Die Aktie im Überblick

NameNetflix
HauptsitzUSA
WKN552484
SektorKommunikation
Aktueller Kurs413,44 USD
Marktkapitalisierung181.832,57
Dividendenrendite0,00%
Free Cashflow Rendite-0,57%
KGV 202064,10
Qualitätsscore84,62%
Bewertungsscore100,00%
Gesamtscore92,31%
Datum29.05.2020

2. Das Geschäftsmodell

Netflix ist ein US-amerikanischer Videoanbieter und zählt zu den weltweit führenden Anbietern im Streaming Markt. Netflix hat sich auf Online-Streaming für Filme und Fernsehserien spezialisiert, die im Abonnement angeboten werden.

Abonnenten zahlen eine monatliche Gebühr für den Zugang zu unbegrenzten On-Demand-Inhalten wie Serien, Filmen, Dokumentationen usw. Diese können dann auf verschiedenen Endgeräten wie Computern (PC und MAC), tragbaren Telefonen, Fernsehern oder anderen Geräten (Xbox 360, PS3, Wii, Blu-Ray usw.) unbegrenzt gestreamt werden.

In den USA bietet der Konzern außerdem den Verleih von DVDs und Blu-Rays und liefert diese per Post nach Hause, wobei dieser Geschäftsbereich lediglich knapp 1,5% zum Gesamtumsatz beisteuert und damit zu vernachlässigen ist.

Ende 2019 hatte Netflix 167,1 Millionen Abonnenten. 52.7% des Nettoumsatzes werden im Ausland erzielt.

Netflix produziert zunehmend auch eigene Serien. Einige erfolgreiche Beispiele sind House of Cards, Marco Polo, Narcos oder Stranger Things.

Gründer, Präsident und CEO ist Reed Hastings. Er hält 2,05 Mio. Aktien (3,32% der Stimmrechte).

3. Aktuelle Situation

Das US-Unternehmen wurde im Jahr 1977 in Kalifornien gegründet und agierte vorerst im Bereich Online-DVD-Verleih. Seit dem Jahr 2007 ist Netflix im Video-on-Demand-Geschäft tätig und konnte im vergangenen Jahr Umsätze in Höhe von rund 15,79 Millionen Euro verzeichnen. 

Wer in den letzten Jahren in Netflix investiert war, konnte eine beeindruckende Überperformance erzielen:

Quelle: 2019 Annual Statement

Seit Jahresbeginn hat Netflix etwa 40% an Wert gewonnen und zählt damit zu den Spitzenreitern im Technologiebereich. Im gleichen Zeitraum verlor der S&P 500 11%.

Die Zahlen überzeugen! Im ersten Quartal konnte Netflix das stärkste Abonnentenwachstum in seiner Geschichte verzeichnen. 15,8 Millionen Neukunden haben sich für das Angebot des Entertainment-Giganten entschieden. Covid-19 hat Netflix hier in die Karten gespielt. Im März explodierten die Kundenzahlen, da zahlreiche Menschen aufgrund der Ausgangsbeschränkungen über die beliebten Inhalte des Unternehmens dankbar waren.

Glücklicherweise sehen wir nun aber zunehmend Lockerungen in den verschiedenen Staaten. Schulen und Kitas öffnen wieder, ebenso Geschäfte, Restaurants und Bars. Die Frage ist also, wie sich zukünftig die Nutzerzahlen bei Netflix entwickeln werden. Führen die schrittweisen Lockerungen dazu, dass die Kunden ihren Abonnementvertrag wieder kündigen?

Das sagen die Analysten

Die Analysten scheinen sich hierbei einig zu sein, dass es bei Netflix weiterhin aufwärts geht, wie man dem folgenden Schaubild entnehmen kann.

Das durchschnittliche Kursziel beträgt 481 USD, was immerhin einem Kurspotential von 12% entspricht.

Quelle: finanzen.net

Doch anstatt sich auf kurzfristig ausgelegte Analystenschätzungen zu konzentrieren, sollte man unserer Ansicht nach Netflix besser langfristig bewerten.

Neue Marktteilnehmer

Wir haben uns kürzlich die Aktie von Walt Disney näher angeschaut. Die Aktie wurde aufgrund der Einführung von Disney+ zunächst stark gehypt. Nun sind jedoch viele enttäuscht von dem geringen Angebot, des sicherlich aber noch ausgebaut wird. Klar ist aber auch, dass es viel länger dauern wird als gedacht, bis Disney im Video-Streaming-Markt Netflix seine führende Position streitig machen kann.

Auch Apple hat im November einen eigenen Streaming-Dienst Apple TV+ gestartet. In Zukunft plant auch AT&Ts Tochter WarnerMedia die Einführung von HBO Max. Auch Comcasts NBCUniversal wird voraussichtlich am 15. Juli einen vergleichbaren Dienst in den USA einführen. Amazon ist bereits mit Amazon Prime einer der größten Konkurrenten.

Um Netflix jedoch ernsthaft angreifen zu können, benötigen alle Anbieter guten Content – und dieser muss erst produziert werden. Aufgrund von Covid 19 geraten viele Projekte derzeit ins Stocken und können erst mit Verzögerung und unter höheren Kosten beendet werden. Das spielt Netflix in die Karten, da man bereits ein riesiges Angebot hat, auf das Kunden zugreifen können.

Rückgang des Kundenwachstums

Ein potenzielles Risiko für Netflix ist ein Rückgang der Anzahl der Abonnements nach der Pandemie. Es könnte sein, dass einige Kunden Netflix nicht mehr abonnieren, sobald sie nicht mehr unter Quarantäne stehen bzw. wieder zur Arbeit gehen können.

So geht das Netflix Management selbst davon aus, dass die Besucherzahlen wieder sinken und sich das Mitgliederwachstum verlangsamen wird, wenn die Ausgangssperren enden. Netflix sagt für das zweite Quartal 7,5 Millionen neue Abonnenten voraus – unter normalen Umständen immer noch ein starkes Wachstum, aber eben weniger als im letzten Quartal.

Weiterhin stark wachsender Markt

Netflix bewegt sich in einem noch jungen und stark wachsenden Markt. Eine Studie von McKinsey & Company zeigt für Deutschland klar, wie dynamisch sich der Streaming Markt im Abo-Modell entwickelt – in vielen anderen Ländern lässt sich eine ähnliche Entwicklung erkennen.

Vor allem junge Menschen nutzen On-Demand Dienste gerne. Dies spricht für eine weiterhin stark zunehmende Nachfrage.

Außerdem erleben wir doch alle gerade den „Verfall“ des normalen Fernsehprogramms, oder? Mittlerweile gibt es kaum mehr gute Serien, Filme oder Reportagen im Free-TV (das ist zwar unsere subjektive Einschätzung, vielleicht geht es dir aber ähnlich?). Das unkomplizierte, monatlich kündbare und zudem äußerst günstige Angebot von Netflix ist daher für viele eine willkommene Abwechslung.

Qualität

Netflix kommt bei Anwendung der Aktienliebe Scorecard auf einen Qualitätsscore von 85% – ein sehr guter Wert.

Umsatz- und Gewinnentwicklung

In den letzten 10 Jahren sind Umsatz und Gewinn stark gewachsen – jeweils mit fast 30% pro Jahr. Dieser Trend ist weiterhin intakt. Zudem wird davon ausgegangen, dass die EBIT Marge kontinuierlich steigt. Daher rechnet man derzeit mit einem rasanten Anstieg beim EBIT in den kommenden drei Jahren.

Während andere Unternehmen aufgrund von Covid 19 bei Umsatz und Gewinn warnen mussten, profiertiert Netflix sogar durch die „Stay home“ Vorschriften.

Punktabzug gibt es lediglich beim EBIT Drawdown. Dieser ist im Jahr 2012 von 376 Mio USD im Vorjahr auf 50 Mio USD eingebrochen. Unsere Scorecard fordert jedoch, dass der Gewinn nie mehr als 50% im Vergleich zum Vorjahr zurückgeht. Daher kann Netflix hier nicht Punkten. Allerdings sollte man dies auch nicht überbewerten. Immerhin konnte in den letzten 10 Jahren immer ein positiver operativer Gewinn (EBIT) erwirtschaftet werden.

Verschuldung

Die Bilanz ist gut, Netflix ist hier solide aufgestellt. Die Nettoschulden betragen kanpp 10 Mrd. USD, der operative Gewinn im Jahr 2020 wird wohl 4 Mrd. betragen. Damit benötigt Netflix 2,5 Jahre, um die Schulden aus dem operativen Gewinn zurückzuführen.

Ein Verhältnis von 4 (also 4 Jahre Tilgungsdauer) wird mithin noch als akzeptabel angesehen. Unsere Scorecard belohnt Unternehmen mit der vollen Punktzahl, die maximal ein Verhältnis von 2 aufweisen. Da Netflix mit 2,5 leicht darüberliegt, gibt es hier nicht die volle Punktzahl von 20%, sondern einen immer noch guten Wert von 14,62%.

Ein Blick auf die Dividende

Leider schüttet Netflix bislang keine Dividende aus.

Bewertung

Mit einem 20er KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von 64 erscheint die Netflix Aktie sehr hoch bewertet zu sein. Schaut man sich aber die prognostizierte Entwicklung an, sieht man schnell, dass die hohe Bewertung aufgrund des starken Wachstums gerechtfertigt ist. Das erwartete 21er KGV soll 48, das KGV für das Jahr 2022 soll nur noch 35 betragen.

Wir investieren langfristig und nutzen für die Bewertung daher das sog. IRR Modell. Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free Cashflow Rendite

Die FCF Rendite beträgt derzeit -0,57%. Langfristig trauen wir Netflix ein Gewinnwachstum von 15-20% p.a. zu. Unterstellt man die konservative Schätzung von 15% p.a. ergibt sich eine jährliche Rendite 14,43%, was in unserer Scorecard 100% bedeutet:

Gesamtscore

Der Gesamtscore errechnet sich aus dem Mittelwert des Qualitäts- und des Bewertungsscores. Er beträgt 92,31%. damit ist Netflix für langfristig orientierte Anlage ein absoluter Kauf!

Fazit

Netflix ist der führende Streaming Anbieter mit einem günstigen und vielfältigen Angebot. Trotz seiner bereits erreichten Größe ist in den kommenden Jahren weiterhin mit einem starken Wachstum zu rechnen. Zwar rüstet die Konkurrenz um Disney und Co auf. Wir glauben aber dennoch daran, dass sich Netflix im allgemein wachsenden Streaming-Markt auch weiterhin sehr gut schlagen wird.

Die Bewertung erscheint nur auf den ersten Blick sehr hoch zu sein. Aufgrund des starken Wachstums können langfristig orientierte Anleger dennoch jederzeit einsteigen und sich am langfristigen Unternehmenserfolg beteiligen. Vorsichtige Anleger warten noch auf einen Rücksetzer der Aktie und steigen dann ein.

Mit einem Score von über 90% ist Netflix ein kaufenswertes Unternehmen.

Disclaimer

Wir haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Wir können daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

Eine Antwort auf „Netflix – Ist die Aktie überbewertet?

  1. Hallo ihr beiden,
    danke für diesen guten Beitrag. Ich freue mich schon auf die nächste Analyse.
    Weiter so und beste Grüße
    Silvio

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