Booking Holdings: Profiteur der Corona-Pandemie trotz Gewinneinbruch?

Booking Holdings ist der mit Abstand größte Online-Vermittler von Zimmerbuchungen mit einem Marktanteil von mehr als 40%. Über 30 Mio. gelistete Hotels und mehr als 100 Mrd. USD Transaktionsvolumen im Jahr! Eine absolute Cash-Maschine. Der Aktienkurs ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie stark eingebrochen, liegt die Reisebranche derzeit am Boden. Booking Holdings könnte allerdings gestärkt aus der Krise hervorgehen. Sollte man nun einsteigen?

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Aktie im Überblick
  2. Geschäftsmodell
  3. Branchenanalyse
  4. Qualitätsscore
  5. Bewertungsscore
  6. Chancen und Risiken
  7. Fazit

1. Die Aktie im Überblick

Basisdaten

HauptsitzUSA
WKNA2JEXP
BrancheInternet
Aktueller Kurs1.355 USD
Marktkapitalisierung56,7 Mrd. USD
Nettoverschuldung3,8 Mrd. USD
Enterprise Value60,5 Mrd. USD
Dividendenrendite0,00%
Free Cashflow Rendite5,48%
Qualitätsscore85,04%
Bewertungsscore68,30%
Gesamtscore71,98%
Datum23.04.2020

Aktienkurs

Was für eine Entwicklung des Aktienkurses – wird die Aktie bald wieder 2.000 USD wert sein?

2. Das Geschäftsmodell

Kurze Unternehmensgeschichte

1997 veröffentlichte Jay Walker die Seite Priceline.com. Zwei Jahr später erfolgte der Gang an die Börse als The Priceline Group. 2001 erwirtschaftete Priceline.com erstmals Gewinne.

2004 wurde ActiveHotels.com übernommen. 2005 wurde Booking.com erworben und mit ActiveHotels.com kombiniert. Es folgte 2007 die asiatische Hotelsuchmaschine Agoda.com. 2009 erfolgte die Aufnahme in den S&P 500. 2010 wurde Priceline die weltweit größte Hotelsuchmaschine.

Weiter ging es 2010 mit der Übernahme des heute Rentalcars.com genannten Mietwagenportals TravelJigsaw, 2013 mit der Übernahmen des Reiseportals Kayak und 2014 mit der Übernahme des Restaurantportals OpenTable.

Seit 2018 firmiert der Konzern unter Booking Holdings.

Geschäftsmodell im Detail

Booking Holdings besitzt eine Vielzahl an Websites und Apps zur einfachen Buchung von Hotels, Flügen, Mietwägen und Erlebnissen. Das Hauptgeschäft stellt dabei die Vermittlung von Hotels dar, Autovermietung, Flüge und Erlebnisse machen nur einen geringen Teil des Gesamtumsatzes aus. Die bekannteste Marke des Unternehmens ist „Booking.com“. Zu den weiteren Marken gehören KAYAK, Rentalcars.com und OpenTable, Inc. (OpenTable).

Wenn ein Kunde ein Hotel über Booking.com bucht, so erhält das Unternehmen ca. 15% des Preises als Provision. Während die eigentlichen Hotels hohe Kostenfaktoren durch Mieten und Mitarbeiter haben, fallen bei Booking Holdings kaum Kosten an. Daher arbeitet das Unternehmen hochprofitabel.

Die Booking Holdings hat im Urlaubsmarkt das interessanteste Geschäftsmodell. Im Vergleich zu Flugzeugherstellern (Boeing & Airbus) oder Reiseveranstaltern/Airlines (TUI, Lufthansa, …) hat sie kein kapitalintensives Geschäftsmodell und muss auch keine unerbittlichen Preiskämpfe austragen. 

Es ist ein geniales und hoch skalierbares Geschäftsmodell. Booking Holdings betriebt eine Plattform. Diese steht und bedarf lediglich geringer Wartungskosten. Jede vermittelte Reise sorgt somit für zusätzlichen Gewinn. Da Booking der größte Anbiete im Markt ist, profitiert das Unternehmen von zunehmender Bekanntheit und steigenden Buchungszahlen. Jeder, der sein Hotel am Markt anbieten möchte, kommt somit um die Nutzung der Booking Plattform gar nicht mehr herum. Entweder, man zahlt die Vermittlungsprovision an Booking, oder die vielen Kunden buchen einfach eines der anderen dort gelisteten Hotels – so einfach ist das. Booking verfügt somit über eine sehr hohe Preissetzungsmacht.

Ein weiterer Vorteil ist die hohe Conversion Rate. Diese bezeichnet im Online-Marketing die Anzahl der Besucher einer Website im Verhältnis zur Anzahl der Buchungen. Eine hohe Conversion Rate ist notwendig, da man ja nur dann Geld verdient, wenn es tatsächlich zur Buchung der reise kommt. Anders als bei anderen Seiten landen potentielle Kunden nur eher selten zufällig auf der Seite von Booking. Entweder sie rufen die Website direkt auf, da sie diese bereits kennen oder sie landen durch Werbeanzeigen auf der Seite. Booking schaltet beispielsweise Werbung auf Google. Gibt jemand dort „Hotel buchen Spanien“ in die Suchmaschine ein, wird die Seite von Booking als Erstes angezeigt. Dies sorgt für enormen Traffic, also hohe Besucherzahlen. Wer dann noch die Booking Webseite aufruft, will ja genau das, was er im Suchfeld eingegeben hat: Ein Hotel in Spanien buchen! Aufgrund der großen Auswahl wird man schnell fündig und bucht über Booking – fertig.

3. Branchenanalyse

Allgemeines

Zumindest vor Corona entwickelten sich die Umsätze mit Online-Verkäufen von Reisen weltweit sehr gut, wie folgende Grafik zeigt:

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/499014/umfrage/umsaetze-mit-online-verkaeufen-von-reisen-weltweit/

Der Anteil der Urlaubsreisen (ab 5 Tage Dauer), die über das Internet in Deutschland gebucht werden, liegt in Deutschland bereits bei 44% – Tendenz steigend:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/28161/umfrage/buchungsverhalten-bei-der-urlaubsunterkunft-nach-genutzten-medien/

Die Gründe für Online-Buchungen von Reisen liegen auf der Hand: Reisen können Unabhängigkeit von Öffnungszeiten der Reisebüros bequem von zu Hause aus gebucht werden. Zudem können verschiedene Angebote und Preise verschiedener Reiseangebote besser verglichen werden. Nutzer haben auf Buchungsplattformen zudem die Möglichkeiten, genutzte Hotels zu bewerten und ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen. Dies ist bei der Buchung von Reisen sehr hilfreich, bekommt man so einen guten Eindruck davon, was andere von dem jeweiligen Hotel halten.

Die Booking Holdings Inc. steht im weltweiten Wettbewerb zu Unternehmen wie Expedia Inc., dem Newcomer Airbnb Inc. und TripAdvisor Inc. (allesamt USA) sowie Trip.com aus China. Booking Holdings ist aber nicht nur in Deutschland das beliebteste Reiseportal:

VuMA (Arbeitsgemeinschaft Verbrauchs- und Medienanalyse). (13. November, 2019). Beliebteste Internet-Reiseveranstalter nach Nutzung in Deutschland von 2014 bis 2019 [Graph]. In Statista. Zugriff am 23. April 2020, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/171452/umfrage/genutzte-internet-reiseveranstalter/

Auswirkungen durch Corona

Booking Holdings verdient sein Geld mit der Vermittlung von Unterkünften, die auf Urlaubs- oder Dienstreisen benötigt werden. Klar ist, dass in Zeiten von Corona kaum mehr Reisen gebucht werden. Demnach befindet sich Booking derzeit in einem schwierigen Marktumfeld.

Die gute Nachricht ist, dass Booking Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität ergriffen hat und somit die Krise zu überstehen. So wurde erfolgreich eine Anleihe platziert und Mittel in Höhe von über 3 Mrd. USD eingesammelt. Der weiteren wurde Kosten auf ein Minimum zurückgefahren (Einstellungsstopp, Werbeanzeigen). Die Existenz ist also nicht bedroht.

Langfristig gehen wir davon aus, dass die Privat- und Geschäftsreisen wieder ansteigen werden. Dies bietet für Booking Holdings eine große Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Die aktuelle Situation könnte langfristig positive Auswirkungen auf das Geschäft von Booking.com haben, dürfte Booking.com die aktuelle Krise deutlich besser überstehen als andere Anbieter. 

Dies liegt im Wesentlichen an der Kostenstruktur. Stationäre Reisebüros haben regelmäßig hohe, wiederkehrende Fixkosten (z.B. Miete). Bei Booking.com ist ein großer Teil der Kosten variabel und skalierbar. Während kleinere Anbieter und Reisebüros wohl das Aus droht, kann Booking die Krise unbeschadet überstehen und die Aktivitäten nach Normalisierung der Lage wieder hochfahren. Dies könnte dazu führen, dass der Marktanteil weiter steigt, da in einer Welt nach Corona nur noch wenige Anbieter im Markt sind.  

4. Qualitätsscore

Schauen wir uns nun die harten Fakten an: Booking Holdings erzielt einen Qualitätsscore von 85,04% (max. 100%) und ist damit ein echtes Qualitätsunternehmen.

Umsatzwachstum 10J20,48%10%
Umsatzwachstum 3J3,11%3,11%
EBITwachstum 10J27,50%10%
EBITwachstum 3J1,92%1,92%
Nettoschulden / EBIT < 41,8720%
Gewinnkontinutät 10Jja10%
EBIT Drawdown 10J ->50%ja10%
EK Rendite > 15% (3J)49,43%10%
EBIT Marge >10%ja10%
Hohe Qualität – 85%

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Umsatz und Gewinn sind in den letzten 10 Jahren sehr stark gewachsen – dem ist auch der Aktienkurs gefolgt. Derzeit rechnen die Analysten – trotz Corona – auf Dreijahressicht noch mit einem kleinen Wachstum zwischen 2% und 3%, immerhin.

Bilanzanalyse

Booking Holdings verfügt über eine sehr solide Bilanz – die Verschuldung ist gering. Dies hilft dem Unternehmen nun in der Krise, sehr lange durchzuhalten – anders als vielleicht der ein oder andere Konkurrent. Zudem hat sich Booking weitere Kredite und Cashbestände über die Ausgabe von Anleihen gesichert. Wir rechnen daher nicht mit bestandsgefährdenden Risiken.

Dividendenentwicklung

Booking Holdings zahlt bislang keine Dividende. Dennoch wird viel Cash erwirtschaftet, das teilweise in den Ausbau der Plattform reinvestiert wird oder über Aktienrückkäufe an die Aktionäre „zurückgegeben“ wird.

Seit 2014 wird so die Zahl der sich im Umlauf befindlichen Aktien reduziert. Damit steigt der Gewinn pro Aktie, da sich dieser nun auf weniger Aktien verteilt.

5. Bewertungsscore

Booking erzielt einen Bewertungsscore von 68,30% – das deutet auf eine faire Bewertung der Aktie hin. Schaue wir uns hierzu zwei Modelle an:

KGV Modell

Das aktuelle Kurs Gewinn Verhältnis liegt mit 39,1 deutlich über dem historischen Schnitte der letzten 10 Jahre (24,6). Dies liegt daran, dass im Jahr 2020 aufgrund von Corona der Gewinn pro Aktie von 112 USD (2019) auf 34,9 USD (2020) einbrechen wird.

Der Gewinn pro Aktie (EPS – Earnings per share) soll in drei Jahren wieder auf dem Niveau von 2019 sein. Demnach ist auf Sicht von drei Jahren mit keinem Wachstum zu rechnen. Anschließend sollte der Gewinn weiter steigen – als konservative Schätzung rechnen wir mit 2% p.a. Damit ergibt sich eine Rendite nach dem KGV Modell von 9,77% p.a.

EPS 2019112 USD
EPS Wachstum2 % p.a.
EPS 2029133,85 USD
KGV 2029 (unterstellt)24,6
Aktienkurs 20293.293 USD
abzgl. Margin of Safety (5%)3.128 USD
Kurs heute1.364,49 USD
Rendite p.a.9,77 %

IRR Modell

Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free Cashflow Rendite

Die FCF Rendite beträgt derzeit 5,44%. Langfristig trauen wir Booking aufgrund steigender Marktanteile und weiterer Kosteneffizienzsteigerungen ein jährliches Gewinnwachstum von 3-5% zu. Somit ergibt sich eine konservativ geschätzte Rendite von 8,44%.

6. Chancen und Risiken

Chancen

  • Booking Holdings ist der klare Marktführer. Dem Unternehmen gelingt es auf beeindruckende Weise, einmal gewonnene Kunden dauerhaft an sich zu binden. Die App haben wir selber schon oft genutzt – man ist nur wenige Klicks von der nächsten Buchung entfernt.
  • Booking profitiert von seiner Größe. Man hat jahrelang in den Aufbau von Beziehungen zu über 30 Mio. Hotels investiert. Die Auswahl an Hotels, die bei Booking inserieren, ist überwältigend. Booking profitiert also dadurch, dass Kunden aufgrund dieses großen Angebotes vornehmlich bei Booking suchen. Dies wissen die Hotels, was wiederum dazu führt, dass immer mehr Hotels bei Booking inserieren. Das wieder zieht weitere potentielle Kunden an…eine endlose Aufwärtsspirale.
  • In den kommenden Jahren wird der Anteil an online gebuchten Reisen weiter zunehmen. Es ist sehr bequeme, Reisen von zu Hause aus zu buchen. Zudem lassen sich Preise besser vergleichen.
  • Wir rechnen damit, dass viele Unternehmen durch die Corona Pandemie insolvent werden und vom Markt verschwinden. Dies wird zu einem weiteren Kundenwachstum bei Booking führen.

Risiken

  • Booking ist zwar der größte Anbieter und behauptet sich gut gegen die bestehende Konkurrenz. Gefährlich werden könnte es für Booking aber, wenn Google stärker in diesen lukrativen Markt mit hohen Margen eindringen möchte. Im Endeffekt könnte es ein sehr rentables Geschäft für Google werden: Die Technologie hat man als größte Suchmaschine, die Plattform könnte schnell gebaut sein.
  • Ein weiterer ernstzunehmender Konkurrent ist Airbnb. Airbnb vermittelt Zimmer und private Unterkünfte und verzeichnet steigende Nutzerzahlen. Allerdings vermittelt Airbnb lediglich eine Art von Unterkünften. Booking ist viel breiter aufgestellt und hat bereits damit begonnen, ebenfalls private Unterkünfte auf der Plattform zu integrieren. Booking stellt daher aus unserer Sicht eine viel größere Bedrohung für Airbnb dar als umgekehrt.
  • Ein großes Risiko erleben wir gerade – weltweite Pandemien, die zu einem völligen Shutdown führen und somit die Tourismusbranche sehr hart treffen. Daneben (und wohl auch als Folge der Corona Krise) drohen weitere Umsatz- und Gewinneinbrüche in Zeiten einer Rezession. Reisen sind Luxus. Die Leute können nur dann Geld dafür ausgeben, wenn sie weiterhin einen Job haben. Die Zunahme der Arbeitslosenquote in den USA ist dramatisch. Und auch in Europa nimmt die Zahl der Erwerbslosen zu.

7. Fazit

Booking Holdings ist der mit Abstand größte Online-Vermittler von Zimmerbuchungen. Das Geschäftsmodell ist sehr profitabel, generiert viel Cash und ist gut skalierbar.

Vor Ausbruch der Corona Krise war die Aktie weiterhin klar auf Wachstumskurs. Nun muss das Unternehmen Umsatz- und Gewinnrückgänge hinnehmen.

Die Corona Krise bietet aber auch Chancen. So könnte Booking langfristig sogar davon profitieren, da Booking wohl im Gegensatz zu anderen Konkurrenten wie beispielsweise Reisebüros unbeschadet durch die Krise kommen wird. Wenn danach weniger Anbieter von Reisevermittlungen am Markt aktiv sind, wird der Kundenstamm bei Booking wohl wachsen.

Die Aktie erzielt einen guten Score von über 70% und ist daher für mutige Investoren kaufenswert. Vorsichtige Anleger warten noch etwas ab, bis sich die Lage wieder etwas normalisiert hat und können dann immer noch in dieses Qualitätsunternehmen einsteigen.

8. Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Ich kann daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.

9. Quellen

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