BMW – Volle Kraft voraus?

Die BMW AG ist einer der weltweit führenden Hersteller von Automobilen und Motorrädern mit Sitz in München. Die Marke ist ein Statussymbol und verspricht viel Qualität. Allerdings musste die deutsche Automobilindustrie in jüngerer Vergangenheit zahlreiche Rückschläge hinnehmen und sieht sich zunehmend dem Vorwurf ausgesetzt, zu spät auf Elektromobilität gesetzt zu haben. Nun drohen dramatische Umsatz- und Gewinneinbrüche aufgrund der Corona-Pandemie. Volle Kraft voraus oder sollten Investoren einen Bogen um die Aktie machen?

  1. Die Aktie im Überblick
  2. Geschäftsmodell
  3. Branchenanalyse
  4. Qualitätsscore
  5. Bewertungsscore
  6. Chancen und Risiken
  7. Fazit

1. Die Aktie im Überblick

Basisdaten

HauptsitzDeutschland
WKN519000
BrancheAutomobil
Aktueller Kurs49,57 EUR
Marktkapitalisierung32 Mrd. EUR
Nettoverschuldung0,00 (15 Mrd. EUR Cash)
Enterprise Value17,7 Mrd. EUR
Dividendenrendite4,12%
Free Cashflow Rendite– 4,5% (2020) / 5,5% (2021)
Qualitätsscore58,93%
Bewertungsscore41,48%
Gesamtscore50,2%
Datum21.04.2020

Aktienkurs

2. Das Geschäftsmodell

Bayerische Motoren Werke AG (BMW AG) produziert Automobile der Hochpreisklasse. BMW verfolgt eine Premium-Markenstrategie. Wer BMW kauft gönnt sich Luxus und kauft Qualität. Die Marke ist ein Statussymbol.

BMW entwickelt, produziert und vermarktet seine Produkte zudem unter den bekannten Marken Rolls-Royce Motor Cars und MINI. Darüber hinaus bietet die Gruppe im Zusammenhang mit ihren Produkten Premium-Dienstleistungen für individuelle Mobilität. Dazu gehören Finanzleistungen wie Finanzierung, Leasing, Vermögensmanagement oder das Flottengeschäft für Privat- und Geschäftskunden. Im Software-Standort Ulm entwickelt die BMW-Tochterfirma BMW Car IT GmbH Software für Fahrzeuge und individuelle Mobilität; besonderer Fokus liegt dabei auf der Fahrzeugvernetzung.

Mit dem Hersteller Toyota hat BMW zudem begonnen, bei der Elektrifizierung von Antrieben und der Entwicklung von Brennstoffzellen zu kooperieren.

Der Umsatz ist wie folgt auf die verschiedenen Geschäftsbereiche verteilt:

  • Verkauf von Automobilen (70,7%)
  • Absatzfinanzierung Dienstleistungen (27,1%)
  • Verkauf von Motorrädern (2,2%):

Ende 2018 verfügte die Unternehmensgruppe über 20 Produktionsstandorte mit über 133.000 Mitarbeitern weltweit.

BMW ist ein Familienunternehmen – ja richtig gehört. Die Familie Quandt ist größter Anteilseigner von BMW und gehört zu den reichsten Familien in Deutschland. Die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten halten zusammen aktuell rund 47% aller BMW-Aktien. Stefan Quandt hält mit seinen 25,8% sogar eine Sperrminorität. Das bedeutet, wichtige Entscheidungen können nur mit seiner Zustimmung getroffenen werden. So sieht das deutsche Aktienrecht beispielsweise für den Beschluss der Auflösung von BMW oder Satzungsänderungen eine Dreiviertelmehrheit vor.

Was macht ein Familienunternehmen aus? Sie sind überwiegend auf langfristige Erfolge aus und halten mit einem überproportionalen Engagement an ihren Visionen fest. Dies ist genau im Sinne anderer langfristig orientiert Anleger.

3. Branchenanalyse

Hoher Wettbewerb

Die BMW Group ist als Automobilhersteller in einer wettbewerbsintensiven, stark zyklischen und kapitalintensiven Branche tätig. Hohe Fixkosten führen dazu, dass die Gewinne der Automobilhersteller schon bei relativ kleinen Veränderungen der Nachfrage stark schwanken. Zudem müssen stetig Investitionen in neue Technologien und Produktionsanlagen vorgenommen werden, um im intensiven Wettbewerb keine Marktanteile zu verlieren.

Konsumenten haben immer die Wahl zwischen vielen verschiedenen Automarken: Daimler, VW, Opel oder Tesla, um nur einige zu nennen. Die Marke „BMW“ stellt allerdings einen gewissen Burggraben dar.

Wandel der Branche

Die Automobilindustrie befindet sich aktuell in einem gewaltigen strukturellen Wandel, ausgelöst durch globale Megatrends wie Urbanisierung, Digitalisierung und Klimaschutz. Gleich mehrere Megatrends sorgen für eine ungewisse Zukunft der derzeitigen Big Player in der Automobilindustrie:

  • Elektromobilität: Werden wir zukünftig tatsächlich überwiegend mit Strom betriebene Autos nutzen?
  • Digitalisierung: Werden Autos zunehmend zu beweglichen IT – Produkten?
  • Autonomes Fahren: Wann fahren Auto ohne Fahrer?
  • Shared Mobility: Benötigen Menschen in großen Ballungsräumen alle ein Auto oder nutzt man zukünftig nicht vermehrt Car Sharing Dienste?

Wir stehen erst am Anfang dieses gewaltigen Umbruchs. Ob BMW in 10 Jahren die gleiche oder gar bessere Marktposition haben wird, kann niemand seriös einschätzen.

4. Qualitätsscore

BMW erzielt einen Qualitätsscore von knapp 59% (max. 100%):

Umsatzwachstum 10J7,47%7,47%
Umsatzwachstum 3J-0,20%-0,20%
EBITwachstum 10J38,32%10%
EBITwachstum 3J1,65%1,65%
Nettoschulden / EBIT < 4-3,4420%
Gewinnkontinutät 10Jja10%
EBIT Drawdown 10J ->50%ja10%
EK Rendite > 15% (3J)12,08%0%
EBIT Marge >10%nein0%

Umsatz- und Gewinnentwicklung

In den letzten 10 Jahren war die Umsatz- und Gewinnentwicklung sehr erfreulich. Allerdings ist aufgrund der Corona Krise in den kommenden drei Jahren mit einem starken Umsatz- und noch stärkerem Gewinneinbruch zu rechnen.

Bilanzanalyse

BMW ist nicht verschuldet und verfügt somit über eine starke Bilanz:

BMW verfügt über knapp 15 Mrd. Cash

Dividendenentwicklung

Dividendenrendite 20e4,12 %
Auszahlungen/Jahr1
Steigert seit8 Jahren
Keine Senkung seit9 Jahren
Stabilität der Dividende0,92 (max. 1,0)
Jährlicher Dividenden-
zuwachs
4,52 % (5 Jahre)
30,4 % (10 Jahre)
Ausschüttungsquote46,9 % (auf den Gewinn/FFO)
100 % (auf den Free Cash Flow)

5. Bewertungsscore

BMW erzielt einen Bewertungsscore von 41,48%

KGV Modell

Das aktuelle Kurs Gewinn Verhältnis liegt mit 11,4 über dem historischen KGV von 9,4. Aufgrund des Gewinneinbruchs steigt der Gewinn pro Aktie in den kommenden drei Jahren wohl nur um knapp 2%. Damit ergibt sich eine Rendite nach dem KGV Modell von knapp 6% p.a.

IRR Modell

Unterstellt man einen langfristigen Buy-and-Hold Ansatz errechnet sich die Rendite aus zwei Faktoren:

  • langfristiges Gewinnwachstum
  • Free Cashflow Rendite

Die FCF Rendite für 2021 wird bei knapp 5,5% liegen. Langfristig traue ich BMW kein großes Gewinnwachstum zu – ich rechne mit einem Zuwachs zwischen 0 und 2%. Somit ergibt sich eine konservativ geschätzte Rendite von 5,5%.

6. Chancen und Risiken

Chancen

  • Abschaffung oder Reduzierung der weltweiten Handelszölle
  • Positionierung als führender Premium-Mobilitätsdienstleister
  • Erlangung einer führenden Rolle beim autonomen Fahren

Risiken

  • Nachhaltige Schäden durch Corona
  • Weitere Verschärfung der weltweiten Handelszölle und -konflikte
  • Eine Rezession, insbesondere in China, wäre in Zeiten hoher Vorleistungen für neue Technologien ergebnisseitig und finanziell nicht zu kompensieren
  • Die Elektromobilität setzt sich trotz hoher Investitionen und staatlicher Förderung beim Kunden nicht durch
  • Weitere Verschärfung sowie die Nichteinhaltung der regulatorischen und klimagesetzlichen Vorgaben hinsichtlich emissionsarmer Fahrzeugantriebe

7. Fazit

Mit einem Gesamtscore von lediglich 50% ist BWM kein Investment für uns. Die Automobilindustrie hat viele Probleme, die mittelfristig nicht gelöst werden können. Sie steht nach unserer immer noch am Anfang eines grundlegenden Wandels – Ergebnis offen.

Aufgrund dieses Wandels ist es durchaus möglich, dass langfristig immer weniger Autos benötigt werden als heute – dies gilt vor allem für die Industrieländer. In den Schwellenländern ist sicherlich in einer Welt nach Corona mit steigenden Absatzzahlen zu rechnen. Aber auch hier werden sich die Megatrends auswirken.

Als Privatanleger hat man immer die Wahl aus einer fast grenzenlos erscheinenden Zahl von Aktien. Unter Chance – Risiko Aspekten gibt es viele bessere Investitionen für langfristig orientiert Anleger.

8. Disclaimer

Ich habe diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten nicht garantieren. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag, der ausschließlich Informationszwecken dient. Es findet keinerlei Anlageberatung von Aktienliebe statt. Ferner ist dieser Beitrag keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Bitte beachte, dass der Kauf von Aktien immer mit hohen Risiken verbunden ist, der im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust des investierten Kapitals führen kann. Ich kann daher keinerlei Haftung für die von dir getroffenen Investitionsentscheidungen übernehmen.